Neues Gesetz: Observieren bald Amateure IV-Bezüger?
Aktualisiert

Neues GesetzObservieren bald Amateure IV-Bezüger?

Hiesige Detektivschulen geniessen keinen guten Ruf. Der Verband empfiehlt deshalb eine deutsche Ausbildung. Die Sozialdetektiv-Gegner warnen.

von
P. Michel
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Die jüngst in die Vernehmlassung geschickte Verordnung zum Sozialdetektiv-Gesetz regelt die Zulassungsbestimmungen für Detektive.

Die jüngst in die Vernehmlassung geschickte Verordnung zum Sozialdetektiv-Gesetz regelt die Zulassungsbestimmungen für Detektive.

Keystone/Gaetan Bally
Die Bewilligung erlässt das Bundesamt für Sozialversicherungen unter anderem, wenn der Detektiv in den letzten zehn Jahren nicht straffällig geworden ist, eine Polizei- oder gleichwertige Ausbildung vorweisen kann und mindestens zwei Jahre Erfahrung in der Observation mitbringt.

Die Bewilligung erlässt das Bundesamt für Sozialversicherungen unter anderem, wenn der Detektiv in den letzten zehn Jahren nicht straffällig geworden ist, eine Polizei- oder gleichwertige Ausbildung vorweisen kann und mindestens zwei Jahre Erfahrung in der Observation mitbringt.

Keystone/Gaetan Bally
Doch: In der Schweiz gibt es derzeit keine glaubwürdige Detektivschule. Der Fachverband Schweizerischer Privatdetektive rät von den Schweizer Anbietern ab und empfiehlt die deutsche Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD).

Doch: In der Schweiz gibt es derzeit keine glaubwürdige Detektivschule. Der Fachverband Schweizerischer Privatdetektive rät von den Schweizer Anbietern ab und empfiehlt die deutsche Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD).

Keystone/Ennio Leanza

Mit dem neuen Sozialdetektiv-Gesetz, über das am 25. November abgestimmt wird, erhielten Versicherungsspione weitreichende Kompetenzen: Bild und Tonaufnahmen im öffentlichen Raum wären erlaubt, auf Bewilligung eines Richters auch der Einsatz von GPS-Trackern und Drohnen.

Der Bundesrat hat in einem Verordnungsentwurf bereits geregelt, wer als Detektiv zugelassen würde: Die Bewilligung erlässt das Bundesamt für Sozialversicherungen unter anderem, wenn der Detektiv in den letzten zehn Jahren nicht straffällig geworden ist, eine Polizei- oder gleichwertige Ausbildung vorweisen kann und mindestens zwei Jahre Erfahrung in der Observation mitbringt.

Fachverband kritisiert Schweizer Angebote

Doch: In der Schweiz gibt es derzeit keine glaubwürdige Detektivschule. Der Fachverband Schweizerischer Privatdetektive rät von den Schweizer Anbietern ab und empfiehlt die deutsche Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD).

Als Gründe nennt der Verband die hohen Kosten im Vergleich zur Ausbildungsleistung sowie die mediale Kritik an den Angeboten. Die Akademie für Privatdetektive Gmbh etwa bietet auch Schiesskurse an und ist dem rechten Milieu zuzuordnen: Angeboten wird beispielsweise ein Kurs zu den «Bedrohungslagen vom afrikanischen Kontinent». Bei der Auflistung der Partner ist die Homepage eines rechten Waffenhändlers aufgeführt.

«Gesetz ist an Schlampigkeit kaum zu überbieten»

Heftige Kritik an der Ausbildungssituation für Detektive übt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. «Das ist eine Katastrophe», sagt sie. Die Schulung von Detektiven sei klar Staatsaufgabe. Es sei unerhört, dass durch dubiose Angebote in der Schweiz Versicherungen inhaltlich inkompetente und politisch indoktrinierte Detektive auf die Bevölkerung losliessen. «Das ist eine weitere Fahrlässigkeit in einem Gesetz, das an Schlampigkeit kaum zu überbieten ist.»

Dass es in Deutschland Angebote gibt, die auch der Schweizer Verband empfiehlt, macht für Funiciello die Situation nicht besser: «Bei aller Kritik an diesem Gesetz müssten die Sozialdetektive wenigstens in der Schweiz ausgebildet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass das geltende Recht auch korrekt vermittelt wird.»

Das Bundesamt für Sozialversicherungen, das bei einem Ja die Bewilligungen erteilen müsste, wehrt sich. «Prioritär ist, dass nur Personen die Bewilligung für Observationen im Auftrag von Sozialversicherungen erhalten, die die vorgesehenen Anforderungen an ihre Fachkompetenz erfüllen», sagt Sprecherin Sabrina Gasser. Die Detektive müssten Ausbildungen nachweisen, die diese Kompetenzen vermitteln. Auch eine Ausbildung im Ausland sei nicht ausgeschlossen.

«Lehrgänge wurden noch nicht evaluiert»

Ob ein Lehrgang an einer Schweizer Schule wie der kritisierten Akademie für Privatdetektive akzeptiert würde, ist für den Bund noch nicht klar: «Die einzelnen Ausbildungsstätten und Lehrgänge wurden noch nicht evaluiert.»

Der Bund betont, die grossen Versicherungsgesellschaften verfügten bereits heute über Abteilungen, die auf die Bekämpfung des Versicherungsmissbrauchs spezialisiert seien und intern Fachpersonen ausbildeten. Die Ausbildung sei zudem keine Staatsaufgabe: «Eine zentrale Ausbildung würde den Aufbau eines entsprechenden Ausbildungslehrgangs und den Betrieb einer Ausbildungsstätte erfordern. Dafür ist der Markt zu klein», sagt Gasser. Man gehe davon aus, dass fähige Fachpersonen, die sich in diesem Gebiet betätigen wollten, entsprechend in ihre berufliche Zukunft investieren würden.

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