Aktualisiert 01.04.2010 16:51

Einigung mit BankenOC Oerlikon in letzter Sekunde gerettet

Dank einer Einigung mit den Banken kann OC Oerlikon seine maroden Finanzen sanieren. Aber auch im Jahr 2009 sanken die Einnahmen drastisch. Vekselberg wird voraussichtlich Kontrolle über OC Oerlikon behalten.

Vladimir Kuznetsov, der Verwaltungsratspräsident von OC Oerlikon, zählt bei der Rekapitalisierung des Konzerns auf die österreichische Beteiligungsgesellschaft Victory. «Wir gehen davon aus, dass Victory Aktien zeichnen wird», sagte er an der Medienkonferenz.

Gegenwärtig gebe es jedoch keine Kontakte zu Victory, die rund 11 Prozent am derzeit noch von Schulden gebeutelten Industriekonzern hält. «Wir werden die Beteiligungsgesellschaft jedoch nach ihren Absichten befragen», sagte Kuznetsov am Donnerstag in Pfäffikon.

Nur wenn Victory bei der Kapitalerhöhung mitzieht, behält der russische Industrielle Viktor Vekselberg mit seiner Beteiligungsgesellschaft Renova die Kontrolle über OC Oerlikon. Gegenwärtig hält Renova rund 45 Prozent an OC Oerlikon und wird die anstehende Kapitalerhöhung voll mittragen. Mit Victory bildet Renova eine Gruppe und hat daher die Kontrolle über den Konzern.

Die Vereinbarung mit den kreditgebenden Banken über die Sanierung von OC Oerlikon sieht indes vor, dass inskünftig die Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder unabhängig von Renova sein müssen.

Grosser Verlust

Mit 592 Millionen Franken minus fällt der Verlust für 2009 fällt noch höher aus als 2008, als das Minus 422 Mio. Fr. betragen hatte. Im Zuge der Krise froren Kunden im grossen Stil Investitionen ein: Der Bestelleingang sank von 4,2 Mrd. Fr. auf 3 Mrd. Franken. Der Umsatz brach dadurch erneut massiv ein: Mit 2,88 Mrd. Fr. lagen die Gesamteinnahmen 37,9 Prozent tiefer als im Vorjahr, wie OC Oerlikon am Donnerstag mitteilte.

Der Betriebsgewinn (EBIT) tauchte von -59 Mio. Fr. im 2008 auf - 589 Mio. Franken. Auf den Zahlen lasten 107 Mio. Fr. Restrukturierungskosten. Allein auf dem Goodwill der krisengeschüttelten Textilmaschinensparte mussten zudem hohe 202 Mio. Fr. abgeschrieben werden.

Tausende entlassen

Der Verkauf von Firmenteilen, darunter das Halbleiter- und das Raumfahrtgeschäft, hätten hingegen 104 Mio. Fr. in die Konzernkasse gespült, hiess es. Die im Sommer 2008 begonnene harte Restrukturierung umfasste nicht nur Verkäufe, sondern auch den Abbau von Tausenden von Stellen.

Zählte der Konzern Mitte 2008 fast 20 000 Mitarbeiter, waren es Ende 2009 noch 16 400. Bis 2010 sollen nochmals rund 1400 Stellen wegfallen, wurde am Donnerstag ebenfalls bekannt gegeben.

Die Restrukturierung zeigt indessen bereits Wirkung: Es sei gelungen, wiederkehrende Einsparungen von 237 Mio. Fr. zu erzielen, teilte OC Oerlikon weiter mit. Bis Ende 2011 soll das Kostenniveau um bis zu 400 Mio. Fr. gesenkt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2010 will OC Oerlikon zumindest operativ in die Gewinnzone zurückkehren.

Banken und Aktionäre verlieren

Mit Sicherheit wird OC Oerlikon einen grossen Teil der Schulden los. Im Zuge der Sanierung werden die Kreditgeber aber 25 bis 125 Mio. Fr. ans Bein streichen müssen, wie bereits Anfang Woche bekannt geworden war. Die Rekapitalisierung des Konzerns wird durch eine Herabsetzung des Nennwertes aller OC-Oerlikon-Aktien und der anschliessenden Herausgabe von neuen Aktien erreicht.

Pro Aktie erhalten die heutigen OC-Oerlikon-Eigner demnach das Recht, 19 neue Aktien zu je 3.72 Fr. zu kaufen. Hauptaktionärin Renova von Grossinvestor Viktor Vekselberg, die rund 45 Prozent an OC Oerlikon hält, hat sich dazu verpflichtet, all ihre Bezugsrechte auszuüben.

Die Banken dagegen werden jene neuen Aktien zeichnen, deren Bezugsrechte nicht wahrgenommen werden. Der Preis für die neuen Aktien wird dabei mit den Schulden verrechnet, die OC Oerlikon bei den Kreditgebern hat. Auf diese Weise soll rund 1 Mrd. Fr. in die Konzernbilanz fliessen.

Die Banken erhalten die Möglichkeit, weitere Aktien zu zeichnen. Alles in allem könne das Eigenkapital um bis zu 1,3 Mrd. Fr. erhöht werden, wie OC Oerlikon in einer Mitteilung schreibt. Die rund 1,7 Mrd. Franken Schulden wurden so um bis zu 77 Prozent abgebaut.

Der Konzern kann nun sein Eigenkapital wieder auf 34 bis 39 Prozent der Bilanzsumme aufbauen. Zuletzt war die so genannte Eigenkapitalquote bei 12 Prozent: Geschrumpft war sie durch den mit einem 2,5-Milliarden-Kredit finanzierte Übernahme des Saurer- Textilmaschinengeschäfts 2006 und die globale Rezession. (sda)

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