Proteste in New York: «Occupy Wall Street» stürmt den Times Square
Aktualisiert

Proteste in New York«Occupy Wall Street» stürmt den Times Square

Am Times Square in New York sind bei Protesten gegen die Macht der Banken 42 Menschen festgenommen worden. «Occupy Wall Street» hat seinen Protest auf den zentralen Platz Mahattans verlagert.

von
mlu

Tausende Anhänger der Bewegung «Occupy Wall Street» haben ihren Protest gegen die Macht der Banken und die Gier der Grosskonzerne am Samstagabend auf den New Yorker Times Square getragen. «Die Banken wurden gerettet, wir wurden ausverkauft!», skandierten die Kundgebungsteilnehmer auf dem belebten Platz im Zentrum Manhattans.

Teils berittene Bereitschaftspolizisten versuchten, die Menschenmenge auf die Seitenstrassen zu drängen und so auseinanderzutreiben. Die Protestler riefen «Wessen Strassen? Unsere Strassen!»

Die Polizisten führten 42 Leute in Handschellen ab. Bereits zuvor hatte es am Times Square vereinzelte Festnahmen gegeben, als Demonstranten die von der Polizei aufgestellten Absperrungen beiseite stiessen. Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken und Polizisten zu Pferd drängten die Menschen zurück. Dabei gab es nach Angaben von Augenzeugen auch Verletzte.

«Occupy» am Paradeplatz

Gemeinsame Konten-Auflösung

Zuvor waren Anhänger der Occupy-Bewegung mit Trommeln, Trompeten und Transparenten vor die New Yorker Niederlassung des Bankhauses Chase gezogen. Bis zu 1000 Menschen versammelten sich vor dem Gebäude. Einige der Teilnehmer gingen in die Bank, um ihre Konten zu kündigen.

Später wurden nach Polizeiangaben jedoch 24 Menschen in einer Citibank-Niederlassung wegen unbefugten Betretens und ungebührlichen Verhaltens festgenommen. Zwei Personen werfen die Behörden ausserdem Widerstand gegen die Festnahme vor. Insgesamt wurden im Laufe des Tages in New York mehr als 70 Demonstranten in Polizeigewahrsam genommen.

Unterstützung von Gewerkschaften

Erst waren die Proteste in New York auf den Finanzbezirk beschränkt gewesen, wo die Protestler ihr Lager in einem kleinen Park unweit des Ground Zero aufgeschlagen haben. In der vergangenen Woche zogen sie dann zu Wohnhäusern von Finanzmagnaten in die mondäne Upper East Side von Manhattan.

Auf dem Times Square waren auch viele Friedensaktivisten anwesend, die auf die hohen Kosten der Kriege etwa in Afghanistan oder dem Irak hinwiesen und forderten, dass das Geld in die Sozialsysteme fliessen solle.

Bewegung zieht weite Kreise

Die Bewegung hatte unter dem Schlachtruf «Occupy Wall Street» vor mehr als vier Wochen im Finanzbezirk der Metropole begonnen und greift auf immer mehr Städte und Länder über. Auch in der Schweiz und in dutzenden anderen Ländern hatte es am Samstag Demonstrationen gegeben. Die Beteiligung an der Aktion in 1000 Städten war sehr unterschiedlich.

In Rom folgten laut Medien mindestens 150 000 Menschen dem weltweiten Aufruf zum Protest der «Empörten». Am Rande der Grosskundgebung unter dem Motto «People of Europe, rise up!» (Völker Europas, steht auf) kam es zu Ausschreitungen. Eine Gruppe Vermummter zündete mehrere Autos an, deren Benzintanks explodierten.

In Lissabon beteiligten sich rund 50 000 Menschen an den Protestaktionen, in London waren es mehrere Tausend Demonstranten, in Oslo nur ein paar Hundert. In der Schweiz beteiligten sich insgesamt 1500 Personen in mehreren Städten.

Zu Fuss von Madrid nach Brüssel

Ein Hauch «Occupy Wall Street» wehte auch durch Deutschland: In Berlin beteiligten sich bis zu 10 000 Menschen an den Protesten. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main kamen laut Polizei 5000 Menschen zu einer Protestkundgebung bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Insgesamt folgten in Deutschland nach Angaben der Mitorganisatoren von Attac mehr als 40 000 Kapitalismuskritiker in etwa 50 Städten dem Aufruf zum Protest.

In Schwedens Hauptstadt Stockholm demonstrierten etwa tausend Personen. In Brüssel protestierten 6000 Kapitalismuskritiker. Darunter waren auch Aktivisten der spanischen Bewegung der «Indignados» (Deutsch: Empörten), die zu Fuss von Madrid nach Brüssel gekommen waren. In Paris dagegen folgten nur 200 Menschen dem Aufruf zum Protest. Auch in Slowenien, Bulgarien und weiteren EU-Staaten versammelten sich Globalisierungskritiker. Proteste gab es in Manila, Hongkong, Tokio und anderen Städten. (mlu/sda/dapd)

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