«Hart arbeitender Kamerad» – Öcalans jüngerer Bruder stirbt an den Folgen von Covid-19
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«Hart arbeitender Kamerad»Öcalans jüngerer Bruder stirbt an den Folgen von Covid-19

Der Bruder von PKK-Gründer von Abdullah Öcalan ist im Alter von 63 Jahren im Nordirak verstorben. Freunde trauern um den «hart arbeitenden Kameraden». Aus der Türkei dagegen kommen Wünsche, er möge in der Hölle landen.

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Osman Öcalan starb 63-jährig im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion in einem Spital im kurdischen Erbil im Nordirak. 

Osman Öcalan starb 63-jährig im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion in einem Spital im kurdischen Erbil im Nordirak.

AFP
Der ältere Bruder Abdullah Öcalan (hier im Jahr 1992) hatte 1978 die Untergrundorganisation Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gegründet und angeführt. 

Der ältere Bruder Abdullah Öcalan (hier im Jahr 1992) hatte 1978 die Untergrundorganisation Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gegründet und angeführt.

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Der PKK-Gründer war auf Suche nach einem Exil 1999 in Kenia vom türkischen Geheimdienst gefasst worden. Im gleichen Jahr wurde der gebürtige Türke wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde unter anderem auf europäischen Druck hin nicht vollstreckt und 2002, mit der Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei, in lebenslange Haft umgewandelt.

Der PKK-Gründer war auf Suche nach einem Exil 1999 in Kenia vom türkischen Geheimdienst gefasst worden. Im gleichen Jahr wurde der gebürtige Türke wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde unter anderem auf europäischen Druck hin nicht vollstreckt und 2002, mit der Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei, in lebenslange Haft umgewandelt.

Anadolu Agency via AFP

Osman Öcalan ist der jüngere Bruder von Abdullah Öcalan, Gründer der militanten Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Seit Jahren lebte Osman Öcalan im nordirakischen Kurden-Gebiet. Vor gut einem Monat war er in einem Spital in Erbil wegen einer Coronainfektion behandelt worden, wie Rudaw.net schreibt. Am frühen Montagmorgen starb der Risikopatient – er litt offenbar unter Diabetes und Herzkrankheiten.

Freunde bezeichneten den 63-Jährigen als «hart arbeitenden Kameraden, als Nationalisten, der seinem Land diente. Er tat alles für seine Nation.» In der Türkei dagegen löste die Todesmeldung Jubel aus: «Der Terrorist Osman Öcalan ist tot. Möge sein Höllenfeuer schrecklich sein», twitterte ein ranghoher türkischer Politiker gemäss Zeit.de.

In der Türkei zieht der Name Öcalan viel Hass nach sich, zum einen, weil er mit der Gründung und Führung der Arbeiterpartei Kurdistans unzertrennlich verbunden ist, zum anderen, weil auch Osman Öcalan einst als PKK-Kommandeur für die kurdische Unabhängigkeit und gegen die Türkei gekämpft hatte.

Älterer Bruder wollte seine Hinrichtung

Selbst Osmans Bruder Abdullah, der seit 1999 in lebenslanger Einzelhaft auf der türkischen Gefängnisinsel Imralı im Marmarameer sitzt, dürfte angesichts der Todesnachricht nicht in grosse Trauer verfallen.

Nicht nur hatte sich sein jüngerer Bruder als PKK-Kommandeur mit den irakischen Kurden versöhnt, die in den 90er-Jahren gegen die PKK gekämpft hatten. Sondern er verstiess später mit seiner Heirat einer 22-Jährigen auch gegen die eisernen Regeln der PKK: Die straff geführte Organisation, die im Gegensatz zum Rest von Europa in der Schweiz nicht verboten ist, duldet keine Liebesbeziehungen innerhalb ihrer Ränge.

Als Öcalan 2004 aus der PKK austrat und eine eigene, erfolglose Partei gründete, hatte er es sich mit der PKK-Führung endgültig verscherzt. Der inhaftierte ältere Bruder soll bedauert haben, dass Osman wegen seines «Verrats» und Ungehorsams nicht hingerichtet wurde, schreibt Zeit.de.

(gux)

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