Steuerstreit: OECD will härteren Kampf gegen Steueroasen
Aktualisiert

SteuerstreitOECD will härteren Kampf gegen Steueroasen

OECD-Generalsekretär Angel Gurría erwartet vom G20-Gipfel in London einen entschlosseneren Kampf gegen die Steueroasen. Gurría warnt davor, wohlklingende Ankündigungen für bare Münze zu nehmen.

«Gute Absichten sind das eine, sie in die Tat umzusetzen ist etwas anderes», erklärte der Generalsekretär der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einem Gastkommentar für das «Handelsblatt» vom Mittwoch. Die Staats- und Regierungschefs könnten in London noch nicht den «Sieg über den Missbrauch von Steueroasen feiern», mahnte Gurría.

Sicherlich sollten die Gipfelteilnehmer die bisherigen Fortschritte anerkennen, erläuterte Gurría. Zugleich aber sollten sie auch ein starkes Signal an die Länder und Gebiete aussenden, die sich dem Wandel verweigerten.

«Es sind nicht nur die reichen Länder, die unter den Auswirkungen der Steueroasen leiden», betonte der OECD-Generalsekretär. Alljährlich verlören Entwicklungsländer Milliarden US-Dollar an Einnahmen, weil Reiche ihr Vermögen in Steueroasen anlegten oder Unternehmen Vermögenswerte und Einkommen dorthin verschöben.

Gurría: Kein Grund für Euphorie

Gurría erinnerte daran, dass noch zu Anfang dieses Jahres die Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg sich weigerten, den OECD- Standard für Transparenz und Informationsaustausch zu akzeptieren.

Nun seien sie dazu bereit, was aber kein Grund für Euphorie sei: «Erst beim Essen weiss man, ob der Pudding auch gelungen ist.» Die OECD und ihre Partnerländer könnten zwar gemeinsam Standards und Steuer-Musterabkommen entwickeln - wirkliche Veränderungen werde es aber nur geben, wenn die Regierungen sie auch umsetzten.

Weg zu «fairer Weltwirtschaft»

Wenn es gelinge, «die Welt von Finanzzentren zu befreien, die vom Mangel an Transparenz, unkooperativem Verhalten und schwacher Regulierung leben», sei dies ein wichtiger Erfolg auf dem Weg zu einer fairen Weltwirtschaft. In der OECD sind die 30 wichtigsten Industrienationen vertreten, darunter auch die Schweiz.

(sda)

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