Bersets Drei-Phasen-Plan: Öffnungen auf Eis gelegt – wie gehts jetzt weiter?
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Bersets Drei-Phasen-PlanÖffnungen auf Eis gelegt – wie gehts jetzt weiter?

Der Bundesrat ruft zur Geduld auf. Und er stellt einen Drei-Phasen-Plan vor, der die Schweiz zurück in die Normalität führen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Daniel Waldmeier

Bundesrat Alain Berset erklärt, wieso der Bundesrat nur die Fünfer-Regel für private Treffen kippt.

Darum gehts

  • Der Bundesrat will in rund vier Wochen über neue Lockerungen entscheiden.

  • Alain Berset hat am Freitag ein Phasenmodell präsentiert: Die Corona-Massnahmen sollen spätestens dann wegfallen, wenn sich alle impfen lassen konnten.

  • Ob Festivals im Sommer stattfinden können, bleibt weiterhin offen.

Wann könnten die Restaurants und Fitnesscenter doch noch aufgehen?

Der Bundesrat bittet die Bevölkerung um Geduld. Laut Gesundheitsminister Alain Berset sind noch zu wenige Menschen geimpft, um einen starken Anstieg der Fallzahlen zu verhindern. Der Bundesrat will nach Ostern, genauer am 14. April, über neue Lockerungen diskutieren. Berset betonte, dass das Ausland teils deutlich strenger sei. Die Schweiz verfolge keine «Zero Covid»-Strategie, sondern versuche einen Mittelweg zu gehen.

Berücksichtigt der Bundesrat künftig die Impfungen in seiner Öffnungsstrategie?

Ja, Öffnungen, aber auch Verschärfungen sollen sich an einem Drei-Phasen-Modell orientieren, das der Bundesrat am Freitag vorgestellt hat. Der Grundsatz: Je mehr Leute geimpft sind, desto weniger Einschränkungen braucht es, selbst wenn die Fallzahlen oder die Reproduktionszahl etwas steigen. Denn die Behörden rechnen nach der Impfung der vulnerablen Gruppen mit weniger Spitaleinweisungen wegen schwerer Verläufe – damit wäre auch das Risiko eines Kollapses des Gesundheitssystems weniger gross.

«Die Schweiz verfolge keine «Zero Covid»-Strategie.»

Bundesrat Alain Berset

Wie sehen die Phasen im Detail aus?

Derzeit befinden wir uns in der ersten Phase, in der noch nicht alle Risikopatienten geimpft sind. Hier gibt es strenge Richtwerte für Öffnungen und Verschärfungen der Massnahmen. Steigt etwa die 14-Tage-Inzidenz über 350 und entwickeln sich weitere Richtwerte negativ, würde der Bundesrat sogar weitere Massnahmen ergreifen.

In der zweiten Phase sind alle Risikogruppen geimpft. Hier gibt es mehr Raum für Lockerungen.

In der dritten Phase sind alle Leute geimpft, die es wollten. Richtwerte braucht es keine mehr, weil einschneidende Massnahmen gar nicht mehr vorgesehen sind. Laut Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit ist es allerdings möglich, dass wir Maske tragen müssen.

Wann erreichen wir die dritte Phase?

Ein Datum nannte Alain Berset auch auf Nachfrage nicht. Laut dem Bund sollten aber bis Ende Juni alle Schweizerinnen und Schweizer die Chance auf eine Impfung gehabt haben. Mehrere Kantone rechnen allerdings damit, dass es länger dauern könnte. Auch neue Virusvarianten könnten den Plan durchkreuzen.

Was heisst der Plan für die Open Airs und andere Veranstaltungen im Sommer?

Vorderhand bleiben Veranstaltungen verboten – die Unsicherheit für die Veranstalter bleibt gross. Berset konnte hier noch keinen Plan präsentieren, kündigte aber an, dass er demnächst Gespräche über das Thema führen werde.

«Wer sich nicht impfen lassen will, muss auch mit den möglichen Konsequenzen rechnen.»

Bundesrat Alain Berset

Wird der Bundesrat Massnahmen zum Schutz von Ungeimpften aufrecht erhalten?

Kaum. So machte Bundesrat Alain Berset klar, dass sich die Ausgangslage ändere, sobald alle die Chance auf eine Impfung hatten. Es gehe dann um die Eigenverantwortung, die Massnahmen wären kaum mehr verhältnismässig. «Das Virus wird weiterhin zirkulieren, solange nicht 80 Prozent der Bevölkerung oder sogar noch mehr geimpft sind», sagte er. Aber: «Wer sich nicht impfen lassen will, muss auch mit den möglichen Konsequenzen rechnen.»

Gibt es auch Kritik am Plan des Bundesrates?

Ja, von allen Seiten. Für Dimitri Rougy von der Allianz Voix Civique, welche die Corona-Fallzahlen möglichst tief halten will, ist der Bundesrat auf dem Holzweg: «Die Schweizer Strategie ist kein schlauer Mittelweg, sondern radikal ineffizient und unsinnig: ewige und teure Teil-Lockdowns und unzählige Todesfälle», schreibt Rougy. Im Gegensatz dazu hätte Economiesuisse zumindest die Restaurant-Terrassen geöffnet und die Homeoffice-Pflicht aufgehoben. «Die Schweiz bezahlt nun den Preis für das lange Hinauszögern einer kohärenten Teststrategie und für Versäumnisse bei der Impfstoffbeschaffung», heisst es beim Wirtschaftsverband.

Die Impfstrategie

Gemäss der Covid-Impfstrategie des Bundes sollte in der Schweiz in der folgenden Reihenfolge geimpft werden – je nach Kanton gibts aber Unterschiede:

  • Besonders gefährdete Personen: dazu zählen Personen ab 65 und solche mit chronischen Krankheiten. Auch innerhalb dieser Gruppe gibts Abstufungen: So sind die über 75-Jährigen zuerst an der Reihe.

  • Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt/Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen.

  • Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder, betreuende Angehörige) von besonders gefährdeten Personen.

  • Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (z.B. Behindertenheime).

  • Alle anderen.

Deine Meinung

980 Kommentare
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RetoR

20.03.2021, 23:34

Kann Berset nicht mehr hören. Es geht vielen auch so. Schwach dieser Bundesrat. Früher hatte man Respekt vor denen. Das hat sich massiv geändert.

Urs AH

20.03.2021, 23:11

Hätte ich ein Restaurant, bei mir hätten Berset & Team lebenslänglich Hausverbot. Es ist reine Schikane der Gastro-Branche. 10 Freunde drinnen geht ?! Shoppen auch, mehr Chaos geht nicht.

Danydee

20.03.2021, 22:56

Ich frage mich, was geschieht, wenn nun die nächste Welle wirklich kommt. Argumentiert man dann, man hätte noch mehr schliessen sollen oder zieht man dann auch mal andere Möglichkeiten in Betracht? Und wie wird man mit den gestiegenen Gesundheitskosten umgehen?