Aktualisiert 12.07.2012 08:47

Genauso schädlich

«Öko-Zigaretten sind eine reine Werbe-Lüge»

Ob Parisienne Ohne, Camel Natural oder American Spirit - Zigaretten ohne Zusatz- oder Aromastoffe sind bei Schweizern voll im Trend. Doch das grüne Image täuscht.

von
Jessica Pfister
Schöne, gesunde Menschen, grüne Natur - die Werbung zur neue Linie Ohne/Sans von Parisienne.

Schöne, gesunde Menschen, grüne Natur - die Werbung zur neue Linie Ohne/Sans von Parisienne.

Öko ist in – sogar beim Rauchen. So fragen immer mehr Schweizer Zigarettenkonsumenten am Kiosk nach den «gesünderen» Zigaretten. Gemeint sind damit jene Glimmstängel, die laut Herstellern ohne Zusatzprodukte- und Aromen auskommen. «Wir spüren einen Trend zu dieser Art von Zigaretten», sagt Valora-Sprecherin Stefanie Krieger. Leader unter den Produkten ohne Zusatzstoffe sei momentan die Marke American Spirit aus den USA.

Doch auch Schweizer Öko-Zigaretten sind auf dem Vormarsch. Die Lancierung von Parisienne Verte im letzten Jahr war laut British American Tobacco Schweiz (BAT) eine der erfolgreichsten Zigaretteneinführungen der letzten Jahre. Genaue Zahlen will der Tabakkonzern aber nicht nennen. Gerade bewirbt BAT die Erweiterung ihrer grünen Linie mit dem Namen Ohne/Sans um zwei neue Produkte.

Auf der Parisienne-Internetseite verspricht die Tabakfirma: «Umweltbewusstsein, wie keine andere Zigarette». Das heisst: Keine Zusatzstoffe, kein Alupapier, kein Cellophan. Auf den Werbe-Plakaten setzt Parisienne auf nackte, vitale Menschen beim Schwimmen in der Natur.

«Reine Augenwischerei»

Für Thomas Beutler von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention sind die Versprechen der Tabakmultis «reine Augenwischerei». «Das Päckli mag umweltfreundlich sein, der Inhalt aber sicher nicht», sagt Beutler. Denn nur ein Teil des Tabaks von BAT werde in der Schweiz hergestellt – der andere aus Ländern wie Brasilien oder Malawi importiert, wo ganze Wälder für die Produktion gerodet würden und Familien unter schlimmsten Bedingungen arbeiten müssten.

Als «reine Werbelüge» bezeichnet auch Jürg Barben, Facharzt für Lungenkrankheiten am Ostschweizer Kinderspital, die «grünen» Zigaretten. «Eine Zigarette ohne jegliche Zusatzstoffe wäre für die heutigen Konsumenten schlicht ungeniessbar», sagt Barben. Denn diese würden unangenehme Begleiterscheinungen des Tabaks und des Rauches wie etwa Halsschmerzen kaschieren. «Es kann zwar sein, dass BAT den einen oder anderen Stoff weglässt, aber sicher nicht alle.» Immerhin gebe es heute rund 600 verschiedene Stoffe, die einer Zigarette beigemischt würden. Aus gesundheitlicher Sicht sei aber sowieso klar, dass der Tabak und das Nikotin der gefährlichste Inhaltstoff bleibe.

«Nur reiner Tabak»

Bei British American Tobacco will man von einer Werbelüge nichts wissen: «Die Parisienne Sans/Ohne enthalten keine Zusatzstoffe ausser Wasser und auch keine natürlichen Aromen, sondern nur reinen Tabak», so Sprecher Benjamin Petrzilka. Überprüft wurden diese Angaben bisher jedoch nicht, weder vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch von den Kantonen, wie das BAG auf Anfrage bestätigt.

Der amerikanischen Marke American Spirit verbot der deutsche Bundesgerichtshof im November 2010, ihr Produkt als «Bio-Tabak» zu bewerben. Der Slogan verstosse gegen das Verbot, Tabakerzeugnisse als «natürlich» oder «naturrein» anzupreisen. Nach eigenen Angaben verzichtete American Spirit bereits ab Anfang 2008 auf den umstrittenen Werbespruch. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellt in seiner Datenbank zudem fest, dass American-Spirit-Zigaretten Zusatzstoffe wie Feuchthaltemittel, Lösungsmittel oder Katalysatoren enthalten. Doch diese Zusatzstoffe finden sich laut dem Hersteller im Papier und im Filter, nicht im Tabak. Fragt sich nur, ob das für den Konsumenten einen Unterschied macht.

Bei BAT gibt man zumindest auf der Parisienne-Verte-Homepage zu: «Ohne Zusatzstoffe heisst nicht, dass Rauchen generell weniger schädlich wäre.»

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