Aktualisiert 14.07.2014 00:19

Brasilien ausgeschieden

Ökonomen blamieren sich mit WM-Prognosen

Vor dem WM-Start waren sich die Analysten der grossen Finanzhäuser einig: Brasilien wird Weltmeister. Doch nicht nur mit dieser Prognose lagen sie komplett daneben.

von
A.Meili

Mit komplizierten Modellen prognostizieren Ökonomen verschiedener Banken vor grossen Turnieren den Ausgang der Spiele und bieten Fussballfans damit Orientierungshilfen beim Tippen. In diesem Jahr waren sich die Analysten von Goldman Sachs, UniCredit und der UBS einig: Brasilien wird sich den Titel holen. Die Experten von Goldman Sachs bewerten die Wahrscheinlichkeit eines brasilianischen Triumphs mit 48,5 Prozent, die Experten der UBS mit 30 Prozent.

Doch seit der 7:1-Abreibung im Halbfinale gegen Deutschland ist klar: Für das Heimteam geht es nur noch um Rang drei. Überhaupt stimmten die Resultate an dieser WM kaum mit den Vorhersagen der Banker überein. Laut dem deutschen «Wall Street Journal» hatte Goldman von den ersten 36 Spielen nur bei 36,11 Prozent die Tendenz richtig getippt. Deshalb analysierte die Bank die Daten noch während der Gruppenphase neu und legte eine aktualisierte Berechnung vor. Diese sah die Elfenbeinküste und Italien im Achtelfinale und prognostizierte einen Halbfinalsieg der Niederlande gegen Argentinien.

Auch Modell der UBS mit schwachen Vorhersagen

Ähnlich schwach sah die UBS den Turnierverlauf voraus - zumindest in der Gruppenphase. «Unser Modell war eher schlecht am Anfang dieser Weltmeisterschaft», sagt Ökonom Andreas Höfert zu 20 Minuten. So lagen die Analysten bei den Achtelfinalisten lediglich in neun Fällen richtig. «Das ist nicht besser, als mit einer Münze Kopf und Zahl zu spielen», so Höfert. Ab den letzten acht und insbesondere ab den Halbfinalisten, wo man Brasilien, Argentinien und Deutschland hatte, sei das Modell aber ziemlich gut gewesen.

Deutlich besser abgeschnitten hat das Modell von UniCredit. «Wir sind zufrieden mit den Vorhersagen. Wir haben 11 von 16 Achtelfinalisten und 3 von 4 Halbfinalisten richtig vorhergesagt», sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei UniCredit, zu 20 Minuten. Zudem habe man prognostiziert, dass Spanien nicht unter die ersten vier komme.

Ökonomen wollen Finale nicht prognostizieren

Fehleinschätzungen seien gerade bei Fussballturnieren nicht zu vermeiden. «Im Fussball lässt sich nicht alles vorhersagen, denn das Spiel bietet immer wieder Überraschungen und Ereignisse, die es in der Vergangenheit noch nie so gab - wie das 7:1 der DFB-Elf im Halbfinale.» Bei Fussballmodellen spielen laut dem Experten Vergangenheitserfahrungen eine grosse Rolle, weshalb Überraschungserfolge wie die von Costa Rica kaum vorhergesehen werden können.

«Ausserdem zeigt die Vergangenheit, dass der Heimvorteil besonders schwer wiegt, weshalb wir auch Brasilien als Weltmeister prognostiziert haben», so Rees. Vielleicht habe sich dieser an diesem Turnier aber eher als Last erwiesen. «Über diese Fehlprognose habe ich mich aber natürlich gefreut und hoffe jetzt auch, dass Deutschland das Finale gewinnt.» Eine Prognose für das Finale will Andreas Höfert nicht wagen: «Ich möchte hier die Spannung nicht vorwegnehmen, deshalb habe ich das Modell nicht vor dem Finale aufdatiert.»

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