Ölkatastrophe: Öl erreicht wohl Kuba - Pelikane in Gefahr
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ÖlkatastropheÖl erreicht wohl Kuba - Pelikane in Gefahr

Vier Wochen nach dem Untergang der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» wächst die Angst vor der ganz grossen Ölverschmutzung. Jetzt schlägt auch Kuba Alarm.

von
feb

Wissenschafter fürchten, dass das Öl neben der ohnehin bedrohten Golfregion bald auch Kuba, andere Zonen Floridas und die Ostküste erreicht. Ein Beamter des US-Aussenministeriums sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP, dass Vertreter aus Kuba und den USA Arbeitsgespräche über eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die gewaltige Umweltkatastrophe führen. Die Gespräche sind ein Hinweis darauf, dass sich der Ölteppich wesentlich weiter ausdehnt, als zunächst angenommen und auch die kubanische Küste erreichen könnte.

Gefahren für Korallenrife

Für Florida gab die US-Küstenwache nach Tests fürs erste Entwarnung: Die am Wochenanfang im südlichen US-Bundesstaat angespülten Teerklumpen stammen nicht aus der weiter sprudelnden Ölquelle im Golf. Dennoch sind die US-Behörden alarmiert. So räumte das Amt für Ozeanographie NOAA Gefahren für die Korallenriffe im Touristenstaat Florida ein. Das Amt befürchtet, dass die Ölmassen im Golf von Mexiko von der Strömung erfasst und via Golfstrom an die US-Ostküste gespült werden - ein Szenario, das nach Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA bald eintreten könnte. Wegen der starken Strömung gehen die Experten davon aus, dass das Öl auf seinem weiteren Weg dann stark verdünnt wird.

Dickflüssige Brühe in Louisiana

Im Bundesstaat Louisiana ist der Ernstfall schon eingetreten - dort wurde im Marschland am Mississippi eine dickflüssige schwarze Brühe gesichtet. «Das ist das erste Mal, dass wir so viel schweres Öl in unseren Feuchtgebieten sehen», sagte Gouverneur Bobby Jindal der Zeitung «Houston Chronicle». Die Region ist ökologisch empfindlich und bildet die wirtschaftliche Grundlage für die örtliche Fischindustrie.

BP probiert immer noch das Loch zu verstopfen

Unter dem Druck der schlechten Nachrichten arbeitet der Ölkonzern BP weiter daran, der Katastrophe Herr zu werden. Der Konzern will die Öl-Quelle am Wochenende endlich komplett schliessen. Am Samstag oder Sonntag startet der Versuch, schweren Schlamm in die seit vier Wochen sprudelnde Quelle in der Tiefe des Meeres zu pumpen. Dabei sollen mehr als 6000 Liter pro Minute in die Öffnungen eines Ventilsystems gepresst werden, das über dem Hauptbohrloch installiert ist. BP hofft, das Loch dadurch zu verstopfen, um es dann mit Zement abzudichten.

US-Innenminister Ken Salazar sagte am Dienstag vor einem Senatsausschuss in Washington, die Methode sei von Wissenschaftlern und BP-Ingenieuren als die aussichtsreichste bezeichnet worden. Sollte dieser Versuch scheitern, wird das Unternehmen versuchen, statt des Bohrlochs das Ventilsystem selbst zu verstopfen. Dafür muss es mit kleinen Gummiteilen beschossen werden.

Nicht höherer Schadenersatz

Unterdessen scheiterte die US-Regierung mit ihrem Versuch, die Ölindustrie per Gesetz für Schäden stärker zur Kasse zu bitten. Bisher gilt für die Ölfirmen eine eher niedrige gesetzliche Obergrenze für Schadenersatz: Sie liegt bei 75 Millionen Dollar. Experten rechnen aber mit einem Milliardenschaden durch die Ölpest - etwa für Fischer, Tourismus und Privatleute.

Zwei Demokraten hatten im Senat vorgeschlagen, die Obergrenze auf 10 Milliarden Dollar zu erhöhen. Die US-Regierung unterstützt diesen Vorschlag, allerdings ohne eine genaue Summe zu nennen. Doch die oppositionellen Republikaner blockierten die Gesetzesvorlage im Kongress. Sie verzerre den Wettbewerb und bedrohe kleine Öl-Unternehmen in ihrer Existenz.

Am 22. April war die Ölbohr-Plattform nach mehreren Explosionen untergegangen. Seitdem sprudelten täglich Hunderte von Tonnen Rohöl ins Meer. Die genaue Menge des auslaufenden Öls ist unklar.

(feb/sda/dapd)

Muss der braune Pelikan wieder auf die rote Liste?

Muss der braune Pelikan wieder auf die rote Liste?

Über Jahrhunderte wurde der braune Pelikan von Menschen gejagt und vergiftet. Sein Bestand sank so weit, dass der Wappenvogel des US-Staats Louisiana schliesslich in die Liste der bedrohten Arten aufgenommen wurde. Seit den 1970er Jahren hat sich seine Population so weit erholt, dass er im November heruntergenommen wurde. Nun müssen die Vögel eine neue Bedrohung überstehen: Die Ölpest im Golf von Mexiko. Tierschützer befürchten das Schlimmste und einige haben bereits gefordert, ihn wieder auf die rote Liste zu setzten. Die Gefahren, die für den braunen Pelikan wie für andere Seevögel von dem Ölteppich ausgehen, sind vielfältig. Sie fressen Fisch, der von Öl vergiftet sein könnte, und verfüttern ihren Fang an ihre Jungen. Um den Fisch zu fangen, tauchen die Vögel im Meer. Sollten sie dabei in einer Öllache landen, verklebt ihr Gefieder: ein Todesurteil. Drei ölverschmierte Pelikane wurden bereits von Tierschützern gerettet. Hinzu kommt eine grosse Gefahr für die Brutstätten der Vögel.

Fachleute befürchten, dass das Öl das gesamte Ökosystem der Inseln vor der Küste zerstören könnte. Wenn die Pflanzen aber absterben, würden damit auch die Inseln sterben. Schon jetzt schwindet die Landfläche und damit der Lebensraum der Vögel jährlich. Wind und Wasser würden die Inseln in kürzester Zeit abtragen, wenn der Boden nicht mehr von Pflanzen festgehalten wird. So könnten die Pelikane schon bald ihre wichtigsten Brutreviere verlieren. Noch wurde kein Pelikan gefunden, dessen Tod direkt mit der Ölpest in Verbindung zu bringen war. So lange der Ölteppich der Küste nicht näher kommt, könnte das auch so bleiben. Deshalb raten einige Experten dazu, zunächst abzuwarten, wie es weitergeht. Doch in einem sind sie sich einig: Sollte sich die Lage verschlimmern und das Öl an die Küsten gespült werden, wird der Lebensraum der Pelikane darunter leiden und viele Tiere werden umkommen. Dann landet der braune Pelikan sehr bald wieder auf der Liste der bedrohten Tierarten.

John Flesher, AP

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