Ölpreis erstmals über 49 Dollar pro Barrel
Aktualisiert

Ölpreis erstmals über 49 Dollar pro Barrel

Der Ölpreis hat zum ersten Mal die Grenze von 49 Dollar überschritten. Vor allem die nach wie vor unsichere Lage im Irak treibt die Ölpreise schier unaufhaltsam nach oben.

Am Freitag mussten an der New Yorker Rohstoffbörse für die Sorte Light Crude zeitweise 49,29 Dollar bezahlt werden. Inzwischen werde selbst ein Barrel-Preis von 60 Dollar für denkbar gehalten, erklärte ein Öl-Experte. Allein seit Ende Juni sind die Preise um 31 Prozent gestiegen.

Im Irak überfielen schiitische Aufständische die Zentrale der staatlichen Ölgesellschaft für Südirak in Basra. Mindestens zehn Lagerhäuser brannten ab. «Der Markt nimmt die Störungen der irakischen Ölförderung sehr ernst», sagte James Steel von der New Yorker Brokerfirma Refco. Für zusätzlichen Druck auf die Ölpreise sorgen zudem die innenpolitischen Probleme in Venezuela und das Vorgehen der Behörden gegen den russischen Ölkonzern Jukos sowie eine hohe Nachfrage in den USA und China.

Bei der nächsten Tagung am 15. und 16. September in Wien will die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) sich mit der angespannten Lage befassen, sagte Präsident Purnomo Yusgiantoro in Jakarta. «Ich erwarte ein bedeutendes Ergebnis des Treffen, um dieses grosse Problem zu überwinden», sagte er. Die OPEC plane auch Treffen mit Nicht-Mitgliedern. Nach OPEC-Angaben wollen die arabischen Mitgliedsländer bis zum Jahr 2006 rund 46 Milliarden Dollar in Energieprojekte investieren, darunter die Förderung von Gas und den Ausbau von Raffinerien.

Bislang keine grosse Wirkung auf Konjunktur

Der hohe Ölpreis wird nach Ansicht von EU-Kommissar Joaquin Almunia die Wirtschaftserholung in der Gemeinschaft nicht behindern. Die Ölpreisentwicklung bereite zwar Sorgen, er sei aber zuversichtlich, dass die Eurozone den Sturm überstehen werde, sagte der für Wirtschaft und Währung zuständige Kommissar der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press. «Ich erwarte, dass wir die Erholung fortsetzen und sogar unsere letzte Wachstumsprognose übertreffen», erklärte er. Die derzeitige Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone für 2004 liegt bei 1,7 Prozent.

Der Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank, Jürgen Pfister, hält aktuelle Ängste vor nachteiligen Folgen des hohen Ölpreises für übertrieben. «Die Wirkung des hohen Ölpreises ist sicherlich eine Übertreibung. In den Konjunkturprognosen sehen wir auch noch keine grosse Wirkung», sagte er dem Fernsehsender DW-TV. Man habe ohnehin im zweiten Halbjahr mit einer schwächeren Entwicklung gerechnet, «insofern halten sich die Korrekturen der Prognosen auch noch in Grenzen».

Erst ein Ölpreis, «der längere Zeit um 40 US-Dollar je Fass bleibt, hätte sicher spürbare Konsequenzen», sagte der Konjunkturexperte. Da aber zurzeit auf Grund der verschiedenen Krisenherde, vor allem im Irak, eine Risikoprämie von acht bis zehn Dollar auf den Ölpreis aufgeschlagen werde, «ist davon auszugehen, dass wir in die mittleren Dreissiger wieder zurückkommen, und dann glaube ich, halten sich die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen auch 2005 durchaus in Grenzen». (dapd)

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