Aktualisiert 28.07.2004 18:07

Ölpreis in Richtung Allzeithoch

Hohe Nachfrage, Querelen beim russischen Jukos-Konzern und Sorgen der Käufer treiben den Ölpreis schon wieder in Richtung Allzeithoch.

In New York lag der Preis pro Barrel zeitweise über 42 Dollar und schloss am Dienstagabend mit 41,84 Dollar für die Sorte WTI. Der historische Höchstpreis betrug 42,33 Dollar Anfang Juni. Auch OPEC-Öl wird immer teurer: Ein Barrel kostete 37,27 Dollar am Dienstag. Besonders stark nachgefragt ist Nordseeöl: Brent stieg am Mittwoch zeitweise auf 39,05 Dollar pro Barrel.

Wegen der hohen Gewinnmarge in der Verarbeitung kaufen die Raffinerien in Rotterdam den Markt leer, ausserdem fliesst auch weiterhin Brent in Richtung USA, was unüblich ist. In der Folge bleibt auch Benzin in Deutschland teuer: Ein Liter Super kostete nach Industrieangaben am Mittwoch rund 1,19 Euro, ein Liter Diesel etwa 96 Cent.

Eine Reihe von Gründen treibt offenbar zur Zeit die Preise: Vor allem ist es die grosse Nachfrage in Asien, insbesondere China. Gleichzeitig produzieren die grossen Ölförderländer kurz vor der Kapazitätsgrenze, was die Organisation vergangene Woche einräumte. Die OPEC kündigte grosse Investitionen an, um neue Quellen anzubohren.

Doch bis tatsächlich zusätzliches Öl fliessen kann, kann ein Jahr vergehen. Bis dahin würde eine Unterbrechung der Lieferungen, etwa durch Krieg oder Terror, die Preise erneut explodieren lassen. Bis Ende 2005 soll die mögliche Tagesförderleistung 2,5 bis 3,5 Millionen Barrel über der jetzigen offiziellen OPEC-Produktionsmenge von 25,5 Millionen Barrel liegen.

Am Wochenende hatte der saudiarabische Ölminister Ali al Naimi die aktuellen Ölpreise um 40 Dollar im «Spiegel» als zu hoch bezeichnet. Offenbar fehlt dem wichtigsten Ölproduzenten der Welt aber die Kraft, die Preise durch höhere Förderung sinken zu lassen.

Kurzfristig sind die Ölhändler auch besorgt wegen der Krise um den russischen Ölkonzern Jukos. Jukos-Chef Steven Theede warnte die Behörden in einem Brief, dass die Öllieferungen per Bahn nächste Woche eingestellt werden könnten, wenn der Konzern nicht an sein von der Staatsanwaltschaft eingefrorenes Vermögen komme. Der Konzern exportiert 55 Millionen Barrel Öl im Jahr per Bahn nach China. Ausserdem verunsichern Berichte über weltweit mehrere Produktionsstörungen in grossen Raffinerien die Märkte. (dapd)

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