Ölpreis kratzt an 100 Dollar
Aktualisiert

Ölpreis kratzt an 100 Dollar

Der Ölpreis hat die Marke von 100 Dollar im Visier und Sprit ist so teuer wie noch nie.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht mittlerweile sogar Gefahren für den weiteren Aufschwung. Diesel kostete nach Angaben der Mineralölbranche vom Mittwoch im Bundesschnitt etwa 1,33 Euro je Liter. Für Superbenzin wurden bis zu 1,46 Euro fällig. Auch Heizöl liegt mit rund 70 Cent je Liter auf Rekordniveau.

Glos sagte am Mittwoch in Berlin, die Dollarabwertung dämpfe zwar den Anstieg des Ölpreises im Euroraum: «Trotzdem ist davon auszugehen, dass der steigende Ölpreis die Konjunkturrisiken erhöht.» Der Preisanstieg habe sowohl spekulative als auch realwirtschaftliche Hintergründe.

Ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl kletterte am Mittwoch im elektronischen Handel an der New Yorker Rohstoffbörse zwischenzeitlich auf den Rekordwert von 98,62 Dollar je Fass. Marktbeobachter nannten die hohe Nachfrage, den schwachen Dollar und einen Anschlag auf eine wichtige Ölpipeline im Jemen als Gründe für die Rekordjagd beim Ölpreis. Ferner gibt es Berichte über Förderausfälle in der Nordsee wegen des schlechten Wetters.

«Es gibt einen Trend zur Marke von 100 Dollar», erklärte der Energiefachmann Victor Shum von Purvin & Gertz in Singapur. Über allem liegt die Sorge, ob die Vorräte für die beginnende Heizperiode auf der Nordhalbkugel ausreichen.

Auch die für Europa wichtige Nordseesorte Brent verteuert sich immer weiter. In London legte die Notierung am Mittwoch um 86 Cent auf 94,12 Dollar je Fass zu. Brent-Öl ist nach Angaben des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) damit seit Jahresbeginn über 70 Prozent teurer geworden.

«Einige Händler an den Börsen scheinen einen sportlichen Ehrgeiz entwickelt zu haben, den Ölpreis auf 100 Dollar zu treiben», sagte MWV-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow der Nachrichtenagentur AP. Fundamental sei ein solcher Preis nicht gerechtfertigt: «Es ist ganz viel Spekulation im Markt.» Es sei nicht verwunderlich, dass vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage die Spekulationen auf steigende Preise zielten, betonte auch der Experte vom Hamburger Energie-Informationdienst (EID), Heino Elfert.

Eine Tonne Diesel erzielte unterdessen am zentralen europäischen Handelsplatz in Rotterdam den Höchststand von 940 Dollar, deutlich mehr als in der letzten Hochpreisphase. Dort beschaffen sich die Mineralölkonzerne Fertigprodukte wie Diesel, Heizöl oder Benzin. (dapd)

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