Aktualisiert 15.10.2004 10:01

Ölpreise: Autos ohne Benzin immer beliebter

Die Benzinpreise jagen von einem Rekordhoch zum nächsten. Alternative Treibstoffe werden daher immer attraktiver - trotz Umrüstkosten am Auto. Angebote gibt es ausreichend; sie schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Das Interesse an Erd- und Biogas steigt in der Schweiz, stellt der TCS fest. Alternative Treibstoffe sind in der Schweiz um rund einen Drittel billiger als Benzin. Kein Wunder steigt in der Schweiz die Nachfrage nach so genannten Bifuel-Autos - also nach Autos, die sowohl Erd- und Biogas als auch Benzin schlucken. Laut dem Touring Club Schweiz (TCS) sind hier zu Lande rund 1.000 solcher Fahrzeuge unterwegs - mit stark steigender Tendenz. Nach Schätzungen der Branche werden es bis ins Jahr 2010 bereits 30.000 sein.

«Ab wann sich der Kauf eines Erd- oder Biogas-betriebenen Autos finanziell lohnt, ist leider gar nicht so einfach auszurechnen», sagt Andre Porchet, Leiter der Abteilung Umwelt und Verkehr beim TCS. Je nach Region variieren die Preise für Erdgas zwischen 1,38 Franken und über zwei Franken pro Kilo. Auch die Anschaffung eines Bifuel-Autos ist nicht überall gleich teuer: Einzelne Gasversorger unterstützen den Kauf mit bis zu 3.000 Franken, und einige Kantone erlassen oder vergünstigen die Motorfahrzeugsteuer bei Autos mit umweltfreundlichen Antrieben.

Die Autohersteller beiten zurzeit sieben serienmässig produzierte Bifuel-Autos her. Sie kosten in der Regel nur wenig mehr als Benzin- oder Dieselfahrzeuge des selben Typs. Das günstigste Bifuel-Auto ist für rund 18.000 Franken der «Fiat Punto 1.2 60 Bi-Power». Fahrzeuge können auch nachträglich auf Erdgas umgerüstet werden: für Kosten zwischen 5.000 und 9.000 Franken.

Bald flächendeckende Versorgung

In der Schweiz warten heute über 50 Erdgastankstellen auf ihre Kunden. Bis im Jahr 2010 sollen es laut TCS bereits 100 sein. «Dann gibt es mit Ausnahme des Alpenraums eine flächendeckende Versorgung in der Schweiz», sagt Porchet. «Und sollte dennoch einmal keine Tankstelle in Reichweite sein, tankt der Kunde ganz einfach Benzin.» Zwischen Gas- und Benzinbetrieb könne in Bifuel-Autos problemlos umgeschaltet werden, sogar während der Fahrt.

Weltweit sind heute 1,2 Millionen Erdgasfahrzeuge in Betrieb, 400.000 davon in Italien. «Die Schweiz hinkt leider noch ein bisschen hinterher», bedauert Porchet. Die Gashändler hätten jedoch das Potenzial des Erd- und Biogases in den letzten Monaten erkannt und Millionen in die Tankstellen-Infrastruktur investiert. Der TCS testet zurzeit die serienmässig hergestellten Bifuel-Autos und veröffentlicht in seinen Publikationen regelmässig die Resultate.

Der Bund könnte laut Porchet mehr für die Verbreitung von alternativen Kraftstoffen unternehmen. Er würde es begrüssen, wenn Erdgas schon heute versuchsmässig für zwei Jahre vergünstigt würde. Die Parlamentarier beraten zwar über eine Treibstoffsteuerermässigung für Erdgas um 30 Rappen pro Kilo; in Kraft treten würde sie allerdings erst 2007. Biogas ist nach dem heutigen Mineralölsteuergesetz bereits in beschränktem Rahmen vergünstigt. (dapd)

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