Aktualisiert 05.08.2008 13:01

Kein Herz für TiereÖlsuche für Alaska wichtiger als Eisbären

Vor drei Monaten stufte der US-Innenminister den Eisbären als bedrohte Tierart ein. Die Regierung des Bundesstaats Alaska klagt gegen diesen Entscheid. Sie fürchtet um geplante Ölbohrungen im Eismeer.

Umweltschutz zählt nicht zu den Prioritäten der Regierung von George W. Bush. In diesem Frühjahr allerdings entschied Innenminister Dirk Kempthorne, den Eisbär in die Liste der bedrohten Tierarten aufzunehmen und unter gesetzlichen Schutz zu stellen. Das Polareis sei für das Überleben des Eisbären lebenswichtig, so der Minister. In den letzten Jahren jedoch sei die Eisdecke im Nordmeer dramatisch geschrumpft. Im Sommer 2007 war sie 40 Prozent kleiner als im langjährigen Durchschnitt zwischen 1979 und 2000.

Der Regierung des Bundesstaats Alaska passte dies überhaupt nicht. Sie hat Klage gegen Kempthorne eingereicht und verlangt die Rücknahme der Entscheidung. «Sie basiert nicht auf den besten wissenschaftlichen und kommerziellen Daten, die derzeit erhältlich sind», begründete die republikanische Gouverneurin Sarah Palin die Klage gemäss US-Medienberichten. Hintergrund ist die Befürchtung, der Schutz des Eisbären könnte die geplante Suche nach Öl und Gas in den nördlichen Gewässern Alaskas beeinträchtigen. Dort leben die einzigen Eisbären in Hoheitsgebiet der USA.

Die Klage hält unter anderem fest, dass die Bundesbehörden bei ihrem Entscheid das Überleben der Eisbären während Wärmeperioden in früheren Jahrhunderten nicht genügend berücksichtigt hätten. Die Behauptung, der Eisbär könne innerhalb von drei Generation oder 45 Jahren ausgestorben sein, sei «willkürlich». Die Bärenpopulation in Alaska sei im Gegenteil gesund, wissenschaftliche Beweise für die Fähigkeit der Eisbären, sich an Klimaänderungen anzupassen, seien nicht beachtet worden.

Klage ist «vollkommen lächerlich»

Die meisten Eisbär-Experten widersprechen dieser Ansicht. Die Tiere bräuchten das Eis, um Seehunde zu jagen. An Land hätten sie gegen die im nördlichen Alaska lebenden Grizzlybären keine Chance. Kassie Siegel vom Zentrum für Biodiversität, eine treibende Kraft jener Bewegung, die zum Schutz des Eisbären führte, bezeichnete die Klage als «vollkommen lächerlich»; sie verschwende nur die Zeit der Gerichte.

«Die Klage und ihre Kopf-in-den-Sand-Haltung gegenüber der globalen Erwärmung hilft nur den Ölfirmen, nicht aber Alaska und schon gar nicht den Eisbären», sagte Siegel an die Adresse von Gouverneurin Palin. Diese solle sich besser für die Entwicklung nachhaltiger und sauberer Energien einsetzen «als für die Ausrottung der Eisbären».

(pbl)

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