Kurz verkündet harten Lockdown«Treffen Sie niemanden»

Trotz eines Teil-Lockdowns steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Österreich weiter stark an. Nun verschärft die Regierung um Kanzler Sebastian Kurz die Massnahmen drastisch. Alle News im Ticker.

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«Treffen Sie niemanden!»: Bundeskanzler Sebastian Kurz informierte am Samstag über den zweiten Lockdown in Österreich.

«Treffen Sie niemanden!»: Bundeskanzler Sebastian Kurz informierte am Samstag über den zweiten Lockdown in Österreich.

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Von Dienstag bis zum 6. Dezember gelten verschärfte Massnahmen. Man wolle die Infektionszahlen drastisch senken. «Wenn wir nicht massiv reagieren, besteht das Risiko, dass die Zahlen weiter steigen», sagte Kurz.

Von Dienstag bis zum 6. Dezember gelten verschärfte Massnahmen. Man wolle die Infektionszahlen drastisch senken. «Wenn wir nicht massiv reagieren, besteht das Risiko, dass die Zahlen weiter steigen», sagte Kurz.

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Der Handel wird ab Dienstag geschlossen. Offen bleiben Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken.

Der Handel wird ab Dienstag geschlossen. Offen bleiben Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken.

Keystone

Der zweite Lockdown in Österreich:

  • Der Handel wird geschlossen - offen bleiben Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs.

  • Schulen stellen auf Fernunterricht um.

  • Private Treffen sind auf einzelne engste Angehörige oder Bezugspersonen beschränkt.

  • Das Verlassen des privaten Wohnraums ist nur aus triftigen Gründen erlaubt.

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Samstag, 14.11.2020

Zusammenfassung

Angesichts weiter steigender Infektionszahlen verschärft Österreich seinen Kampf gegen die Corona-Pandemie und ruft zum zweiten Mal in diesem Jahr einen vollständigen Lockdown aus. «Treffen Sie niemanden», appellierte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Samstag an seine Landsleute. Jeder soziale Kontakt sei einer zuviel.

Von Dienstag an soll bis zum 6. Dezember eine ganztägige Ausgangssperre gelten. Alle Geschäfte, die nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs nötig seien, müssen schliessen, ebenso Friseure und Kosmetikstudios. Nach Oberstufen und Universitäten müssen nun auch Schulen der jüngeren Jahrgangsstufen auf Fernunterricht umstellen. Die Unternehmen sollen überall dort, wo es möglich sei, auf Homeoffice setzen. «Ich weiss, dass diese Massnahmen extrem einschneidend sind», sagte Kurz. Aber sie seien nötig, um die Infektionszahlen drastisch zu senken.

Österreich hatte Anfang November einen Teil-Lockdown verhängt. Gastronomie sowie Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen mussten schliessen. Diese Massnahmen, darunter eine nächtliche Ausgangssperre, konnten die rasende Ausbreitung des Virus aber nicht eindämmen. Die Zahl der Neuinfektionen stieg am Freitag auf einen neuen Rekord von 9586. Das ist neun Mal mehr als beim Höchststand der ersten Welle.

«Treffen Sie niemanden»

In Österreich kommt es zu strengen Corona-Massnahmen. Kanzler Kurz kündete am Samstag einen harten Lockdown bis zum 6. Dezember an.

Innenminister Karl Nehammer

Innenminister Karl Nehammer fordert einen «gemeinsamen Schulterschluss», um die Infektionszahlen zu senken. Die Polizei werde an der Seite der Bevölkerung stehen und den Dialog suchen, aber dort durchgreifen «wo es nötig ist», so Nehammer.

Die Belastung müsse gemeinsam getragen werden. Nehammer mahnt, das Virus ernst zu nehmen und fordert weniger Kontakte. Es solle sich jeder fragen, wo er seinen Beitrag leisten könne, um die Infektionszahlen zu senken. «Das Coronavirus ist eine Zumutung. Das ist uns bewusst», so der Innenminister.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober

Seit dem 23. Oktober steige die Zahl der Neuinfektionen fast explosionsartig an, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Für die nächste Woche sei laut Experten mit 7000 neuen Fällen pro Tag zu rechnen. «Die Lage in den Spitälern ist sehr, sehr ernst.» Es ist die Rede von ersten Engpässen. 584 Corona-Erkrankte befänden sich auf den Intensivstationen, so Anschober.

Man wisse, warum die Zahlen gestiegen seien. Im Frühjahr seien die Bewegungen um über 50 Prozent reduziert worden. Das sei dieses Mal, beim Lockdown light, «bei Weitem nicht gelungen».

Die aktuelle Welle sei dynamischer als die erste. Das sehe man nicht nur in Österreich, sondern auch in den Nachbarländern. Österreich müsse jetzt die «Notbremse ziehen» um die Zahlen nach unten zu drücken, so Anschober.

Vizekanzler Werner Kogler

Auch Vizekanzler Werner Kogler appelliert an die Österreicher: «Mit ihrem Verhalten können Sie Leben retten.» Er betont, dass jeder Covid-Patient, der ein Intensivbett benötige, auch eines bekommen werden.

Für die Wirtschaft sei der neuerliche Lockdown eine «Hiobsbotschaft», sagt der Vizekanzler. Man werde aber «rasch und unbürokratisch helfen».

Nun brauche es Konsequenz und Geduld, so Kogler. «Bleiben Sie bitte zu Hause», richtet er sich an die Bevölkerung.

Handel als erstes wieder geöffnet

Nach dem Lockdown sollen die Pflichtschulen und der Handel als erstes wieder geöffnet werden. «Niemand will, dass die Schulen und der Handel geschlossen sind und die Gastronomie still steht, aber wir müssen diesen Schritt gemeinsam setzen», sagt Kurz.

Zweiter Lockdown

Die Verschärfungen im Überblick:

  • Der Handel wird geschlossen. Offen bleiben Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken.

  • Schulen stellen auf Fernunterricht um und bieten wie auch Kindergärten Betreuung bei Bedarf.

  • Home Office soll überall realisiert werden, wo es möglich ist.

  • Private Treffen sind auf einzelne engste Angehörige oder Bezugspersonen beschränkt.

  • Das Verlassen des privaten Wohnraums ist nur aus triftigen Gründen wie Grundbedürfnissen, der Arbeit, der Hilfe etwa für Angehörige und zur Erholung im Freien erlaubt.

«Treffen Sie niemanden!»

Von Dienstag bis zum 6. Dezember wird es nun einen weiteren Lockdown geben. Geschäfte und Schulen müssen dann schliessen, das Verlassen des privaten Wohnraums ist nur aus triftigen Gründen wie Grundbedürfnissen, der Arbeit, der Hilfe etwa für Angehörige und zur Erholung im Freien erlaubt. Die Ausgangsbeschränkungen gelten den ganzen Tag. Kurz appelliert: «Treffen Sie niemanden!»

Man wolle die Infektionszahlen drastisch senken. «Nur so können wir das Weihnachtsfest würdig verbringen», so Kurz. Der Lockdown sei ein verlässliches Mittel, das wirke.

Über 7000 Fälle pro Tag

Zurzeit zähle man durchschnittlich über 7000 Fälle pro Tag. Die 7-Tage-Inzidenz liege aktuell bei etwa 550, der Zielwert wäre 50. Man liege also bei den Ansteckungen pro 100 000 Einwohner zehnmal über dem Soll-Wert. «Wenn wir nicht massiv reagieren, besteht das Risiko, dass die Zahlen weiter steigen», sagt Kurz.

Teil-Lockdown wirkt nicht genügend

Seit zwei Wochen gilt in Österreich ein Teil-Lockdown. Noch hätte dieser nicht die erwünschte Wirkung, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz vor den Medien. Da die Infektionszahlen nicht sinken, würde eine weitere Verschärfung der Massnahmen notwendig.

Lockdown bis am 6. Dezember

Die österreichische Regierung will zur Eindämmung des Coronavirus für drei Wochen Geschäfte und Schulen schliessen und Ausgangsbegrenzungen rund um die Uhr verordnen. Das geht aus einem Verordnungsentwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in Wien vorliegt. Bundeskanzler Sebastian Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und weitere Regierungsmitglieder sollen den Plan um 16.30 Uhr bei einer Pressekonferenz verkünden.

109 Kommentare
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Pascal

15.11.2020, 22:14

Solange nicht mehr Leute sterben als in den letzten Jahren, unsere Spitäler über Jahre "optimiert" wurden und keine Evidenz für die Wirksamkeit der Massnahmen da ist, kann ich den Gugus nicht ernst nehmen.

susi

15.11.2020, 16:42

Trefft um Himmels willen keinen Menschen. Ich versteh gar nichts mehr. Weiss den Hr Kurz nicht, dass wir soziale Wesen sind ? Oder steckt hinter einer solchen Aufforderung wohl etwas ganz anderes?

Machchtgeil

15.11.2020, 14:21

Bin ich froh haben wir hier keinen Kurz.