Tourismus-Rivalität: Österreich freut sich über reiche Schweizer Gäste
Aktualisiert

Tourismus-RivalitätÖsterreich freut sich über reiche Schweizer Gäste

Während Schweizer Touristiker den starken Franken beklagen, freut sich der Nachbar im Osten. Österreich verzeichnete im Winter Rekordzahlen – auch dank Schweizern. Zuversicht herrscht auch für den Sommer.

von
S. Spaeth

Marcel Hirscher gegen Didier Défago – Serfauss und Sölden gegen Schönried und Savognin. Was im Skiweltcup gilt, gilt auch für die Touristiker. Die Schweiz und Österreich sind «Erzfeinde». Wie im Skizirkus haben die Österreicher auch im Tourismus die Nase vorn. Der touristische «Angstgegner» erzielte im vergangenen Winter Höchstwerte.

Laut neusten Zahlen von Statistik Austria sorgten 17 Millionen Gäste für insgesamt 65,5 Millionen Logiernächte. Das entspricht einem Plus von 1,9 Prozent. Tiefe Spuren hinterlassen haben auch Schweizer Gäste. Sie sorgten in der Wintersaison 2012/13 für etwas mehr als 2 Millionen Logiernächte. Das entspricht einem Zuwachs von 3,6 Prozent oder 72'000 Übernachtungen.

Schweizer geben mehr aus

Interessant sind Herr und Frau Schweizer laut der Tourismus-Marketingorganisation Österreich Werbung vor allem wegen ihrer hohen Tagesausgaben. Ein Schweizer Gast gibt laut Erhebungen der Tourismusbranche im Winter pro Tag durchschnittlich 155 Euro aus. Im Sommer sind es 135 Euro. Zum Vergleich: Über alle Gästegruppen betrachtet, belaufen sich die Ausgaben pro Tag auf lediglich 120 Euro im Winter bzw. 99 Euro im Sommer.

Die höheren Ausgaben der Schweizer spiegeln sich auch in der gewählten Hotelkategorie wider. Im Jahr 2012 entfielen über 60 Prozent der Schweizer Übernachtungen auf die Kategorie der Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Rund 17 Prozent machen Drei-Stern-Betriebe aus.

Österreich punktet mit Preis-Leistungs-Verhältnis

Laut der Gästebefragung Tourismus Monitor Austria schätzen die Schweizer vor allem die hohe Qualität von Hotellerie und Gastronomie sowie ein intaktes Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Schnitt verweilten die Schweizer Gäste im Winter 2012/13 rund 3,8 Nächte in Österreich.

Die Lust der Schweizer auf Skiferien in Ischgl, Sölden & Co. ist ungebrochen: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei den Übernachtungen von Schweizer Gästen betrug zwischen dem Jahr 2000 und 2012 im Schnitt fast 4 Prozent. Rekordwachstum herrschte im Winter 2011/2012 mit 14,4 Prozent.

Schweiz: Drittwichtigster Markt

Der touristische Hauptkonkurrent im Osten buhlt auch im Sommer erfolgreich um helvetische Gäste: Letzte Saison sorgten Schweizer in Österreich für rund 2,5 Millionen Logiernächte (+2,2 Prozent), was die Schweiz nach Deutschland und den Niederlanden zum drittwichtigsten ausländischen Markt macht.

Auch für den bevorstehenden Sommer sind Österreichs Touristiker zuversichtlich und gehen von einem weiteren Wachstum aus. «Die seit Jahren kontinuierlich steigende Anzahl Gäste beweist, dass sowohl das Ferienangebot als auch das Marketing erfolgreich sind», sagte Sprecherin Carmen Breuss.

Schweiz: Erste Anzeichen für Besserung

Noch keine offiziellen Zahlen gibt es zur Schweizer Wintersaison (November bis Ende April). Die Konjunkturforscher von Bak Basel gehen jedoch von einer Zunahme bei den Hotelübernachtungen von rund einem Prozent aus. Grund dafür sind die guten Schneeverhältnisse. Im Winter davor resultierte ein Minus von 3,5 Prozent. Hauptgrund für die Misere: der starke Franken.

Im bevorstehenden Sommer dürften die Übernachtungszahlen in der Schweiz laut Schätzungen von Bak Basel 0,7 Prozent wachsen, nach einem Minus von 2,2 Prozent im Sommer 2012. Zuversichtlich gab sich kürzlich auch Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid. Es gebe erste vorsichtige Signale der Reiseveranstalter, dass die Gästezahlen aus Deutschland und Grossbritannien sanft ansteigen könnten, sagte er zur «SonntagsZeitung». Er geht von einer Steigerung zwischen 0 und plus 2 Prozent aus.

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