Steigende Fallzahlen und Hospitalisationen – Österreich plant Lockdown für alle – Schweiz wartet weiter ab
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Steigende Fallzahlen und HospitalisationenÖsterreich plant Lockdown für alle – Schweiz wartet weiter ab

Während die Nachbarländer die Massnahmen-Schraube wieder anziehen, sieht der Bundesrat von weiteren Einschränkungen ab. Die Booster-Impfung soll es richten – könnte aber zu spät kommen.

von
Bettina Zanni
Daniel Krähenbühl
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Seit Montag gilt in ganz Österreich ein Lockdown für alle ungeimpften Personen. 

Seit Montag gilt in ganz Österreich ein Lockdown für alle ungeimpften Personen.

AFP/Hans Punz
Nun diskutiert die Regierung über einen totalen Lockdown für alle.

Nun diskutiert die Regierung über einen totalen Lockdown für alle.

imago images/photonews.at
Verschärft wurden bereits die Einreiseregeln nach Österreich: Ungeimpfte Reisende müssen an der österreichischen Grenze künftig einen PCR-Test vorweisen. Nur noch für Grenzgänger sind diese Tests gültig. 

Verschärft wurden bereits die Einreiseregeln nach Österreich: Ungeimpfte Reisende müssen an der österreichischen Grenze künftig einen PCR-Test vorweisen. Nur noch für Grenzgänger sind diese Tests gültig.

Matthias Balk/dpa

Darum gehts

  • Die österreichischen Spitäler sind aufgrund der hohen Infektionszahlen am Anschlag.

  • Trotz 2G-Regel und Lockdown für Ungeimpfte: Die Regierung prüft nun offenbar einen Lockdown für alle.

  • Obwohl Virginie Masserey vom BAG vor einer Überlastung der Intensivstationen warnt, wollen die Behörden vorerst noch abwarten.

Die fünfte Welle ist angerollt. Mit Booster-Impfungen, 2G-Regeln und Lockdowns für Ungeimpfte kämpfen Nachbarländer dagegen an. In Deutschland vermelden die Behörden täglich neue Höchststände, in Salzburg bereiten sich Kliniken trotz Ausgangssperre für Ungeimpfte auf die Triage vor – nur noch Patienten mit hohen Überlebenschancen würden intensivmedizinisch behandelt. In Österreich drohen laut Medienberichten gar ein neuer Lockdown und die Impfpflicht für alle – trotz strengeren Einreiseregeln und der Impfpflicht für das Gesundheitspersonal.

In der Schweiz hingegen bleiben neue Massnahmen vorerst aus. Seit einer Woche können sich Personen ab 65 zur dritten Corona-Impfung anmelden. Aufgrund beschränkter Öffnungszeiten müssen impfwillige Seniorinnen und Senioren aber vielerorts auf einen Termin warten. Für einige ist es bereits zu spät: Bereits Ende Oktober war etwa eine Mehrheit der hospitalisierten Patienten über 60 geimpft, es kam zu Todesfällen. In Arbon TG erlitten alle 20 Bewohnerinnen und Bewohner der Demenzabteilung im Pflegeheim Sonnhalden einen Impfdurchbruch. «Es ist wahnsinnig bitter», sagt Heimleiterin Marlene Schadegg gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» (Bezahlartikel).

Booster verhindere über 10’000 Spitaleinweisungen

Mit einer Booster-Empfehlung für die gesamte Bevölkerung ist in der Schweiz derweil erst in einigen Wochen zu rechnen. Und dies, obwohl die Science Taskforce des Bundes bei der dritten Impfung Druck macht. So bezeichnet sie die Drittimpfung in der neuesten epidemiologischen Lagebeurteilung als ein «effektives Werkzeug», um die Zahl der Infektionen diesen Winter zu reduzieren. Eine dritte Impfdosis erhöhe das Level neutralisierender Antikörper im Vergleich zur zweiten Impfung um das Zehnfache. Insbesondere erhöhe sie den Schutz bei den über 80-Jährigen. «Eine dritte Impfdosis in dieser Alterskategorie kann in der Schweiz bis zu 10’000 Hospitalisierungen verhindern.»

Während die Behörden bei Drittimpfungen abwarten, warnt Virginie Masserey vom BAG: «Eine Überlastung der Intensivstationen in den nächsten Wochen kann nicht ausgeschlossen werden.» In einigen Kantonen wird es bereits jetzt eng. Etwa im Kantonsspital Schaffhausen sind alle sieben Intensivbetten belegt, im Kanton Freiburg sind gemäss BAG 90 Prozent der Betten ausgelastet, in Zürich und Thurgau sind es jeweils über 85 Prozent.

«Hoffentlich keine weiteren Massnahmen nötig»

Der oberste Kantonsarzt, Rudolf Hauri, schliesst eine weitere Verschärfung der Massnahmen, etwa eine ausgedehnte Maskenpflicht, nicht aus. Die Erfahrungen aus den letzten Wellen hätten jedoch gezeigt, dass die einfachen Hygiene- und Abstandsregeln einen grossen Einfluss hätten. «Wir alle sollten in der aktuellen Lage diese Grundsätze wieder stärker befolgen – dann sind hoffentlich keine weiteren Einschränkungen nötig.»

Michael Jordi von der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) pflichtet ihm bei: «Die Massnahmen, die wirksam die Virusübertragung einschränken, sind weitgehend bekannt: Kontakte einschränken, Masken in Innenräumen tragen, Übertragungsketten durch Testen erkennen und brechen.» Sollten die Zahlen und Hospitalisationen jedoch weiterhin so stark ansteigen, stelle das unser Gesundheitssystem und das -personal auf die Probe, so Jordi. «Massnahmen dürften sich dann in der Tat aufdrängen.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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