Gemeinsame RS: Österreicher loben «beste Armee der Welt»

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Gemeinsame RSÖsterreicher loben «beste Armee der Welt»

Die Schweiz und Österreich prüfen eine gemeinsame Rekrutenschule. Man könne von den Schweizern viel lernen, sagt ein österreichischer Oberst.

von
Pascal Michel
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Könnten bald mit österreichischen Rekruten Dienst leisten: Schweizer Grenadiere in Isone, TI.

Könnten bald mit österreichischen Rekruten Dienst leisten: Schweizer Grenadiere in Isone, TI.

Keystone/Gaetan Bally
Der österreichische Oberst und Pressesprecher des Bundesheeres, Michael Bauer, ist begeistert von einer gemeinsamen Rekrutenschule: «Die Schweizer Armee verfügt über einen ausgezeichneten Ruf, fällt durch eine hohe Professionalität auf und arbeitet immer sehr geplant und strukturiert.»

Der österreichische Oberst und Pressesprecher des Bundesheeres, Michael Bauer, ist begeistert von einer gemeinsamen Rekrutenschule: «Die Schweizer Armee verfügt über einen ausgezeichneten Ruf, fällt durch eine hohe Professionalität auf und arbeitet immer sehr geplant und strukturiert.»

Bundesheer/HARALD MINICH

Die Schweizer Armee und das Österreichische Bundesheer prüfen eine gemeinsame Rekrutenschule. Dies soll in Form einer Übung am Ende der Grundausbildung geschehen und drei bis vier Wochen dauern. Laut dem Verteidigungsdepartement VBS werden 30 bis 40 Soldaten beider Länder daran teilnehmen. «Das Ziel ist der gegenseitige Wissenstransfer», sagt VBS-Sprecher Renato Kalbermatten. Details müssten nun allerdings von einer Arbeitsgruppe erarbeitet werden.

Der österreichische Oberst und Bundesheer-Sprecher Michael Bauer ist vom Vorhaben begeistert: «Wir können sehr viel von den Schweizer Rekruten lernen.» Für ihn ist klar, warum Verteidigungsminister Ueli Maurer die Schweizer Streitkräfte als die «beste Armee der Welt» bezeichnet: «Die Schweizer Armee verfügt über einen ausgezeichneten Ruf, fällt durch eine hohe Professionalität auf und arbeitet immer geplant und strukturiert.» Auch der Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé (SP) gefällt die Idee: «Es ist wichtig, dass wir die internationale Kooperation vorantreiben.» Mit Österreich habe man einen Partner, der über ein knappes Verteidigungsbudget verfüge. «Mit solchen gemeinsamen Projekten können die Gelder effizient eingesetzt werden», sagt Galladé.

Oberst Michael Bauer erhofft sich von der gemeinsamen RS einen Austausch unter den Rekruten: «Österreichische Rekruten sollen sehen, wie es den Schweizern im Dienst ergeht und welche Anforderungen an sie hier gestellt werden.» Er spricht aus eigener Erfahrung. Im Jahr 2000 liess er sich in der Schweiz zum Presseoffizier schulen. Sein Fazit: «Die Schweizer Armee ist absolut professionell organisiert.»

«Demokratische Kontrolle geht verloren»

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) bremst die Euphorie und meldet beim Vorhaben grosse Bedenken an. «Wir lehnen solche militärischen Kooperationen strikt ab, weil durch länderübergreifende Operationen jegliche demokratische Kontrolle verloren geht», sagt Sprecher Lewin Lempert. Die Schweiz könne beispielsweise nur die Spielregeln für die Schweizer Armee festlegen, über die österreichischen Soldaten auf Schweizer Boden habe man dagegen keine Aufsichtsmöglichkeit.

Auch die Gruppe Giardino, die sich für die Milizarmee stark macht, versteht die Avancen des VBS an die Österreicher nicht. Dies jedoch aus anderen Gründen: «Die Armee krankt nicht an der Rekrutenschule, sondern daran, dass sie ihren Verfassungsauftrag, die Landesverteidigung, nicht mehr gewährleisten kann», sagt Sprecher Markus Müller. Daran ändere auch die Zusammenarbeit mit Österreich nichts.

«Wir teilen viele Werte mit der Schweiz»

Oberst Michael Bauer kann die Kritik nicht verstehen, denn für ihn teilen die Schweiz und Österreich viele gemeinsame Werte, «wie etwa das Bekenntnis zur Demokratie». Er sieht deshalb keine Probleme bei der militärischen Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Staaten. «Für uns stellt sich die Frage nach einem Interessenskonflikt nicht.»

Wie es nach dem Pilotversuch 2016 weitergeht, ist laut VBS noch nicht klar. Nach der geplanten gemeinsamen Übung werde Bilanz gezogen und entschieden, ob das Projekt weiterverfolgt werde.

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Die Wehrpflicht in Österreich

Das Österreichische Bundesheer ist ähnlich aufgebaut wie die Schweizer Armee. Auch unsere Nachbarn setzen auf das Milizsystem: Alle volljährigen Österreicher werden zum obligatorischen «Grundwehrdienst» eingezogen. Dieser dauert sechs Monate ohne Unterbruch. Im Gegensatz zur Schweiz absolvieren die jährlich 22 000 Rekruten nach geleistetem Dienst keine Wiederholungskurse mehr. Nur Offiziere und Berufsmilitärs werden für diese aufgeboten. Insgesamt umfasst das österreichische Bundesheer 47 000 Mann, darunter 14 000 Berufsmilitärs und 25 000 Milizsoldaten in Reserve, wobei die Rekruten in dieser Zahl nicht berücksichtigt sind.

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