Kampf um Flixbus-Linien: Jetzt wollen Österreicher profitieren
Aktualisiert

Kampf um Flixbus-LinienJetzt wollen Österreicher profitieren

Der Busanbieter Eurobus stellt seine innerschweizerischen Verbindungen ein. Der Bund kritisiert das Unternehmen, die Konkurrenz wittert ihre Chance.

von
Stefan Ehrbar
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Seit anderthalb Jahren fuhr Eurobus für Flixbus durch die Schweiz.

Seit anderthalb Jahren fuhr Eurobus für Flixbus durch die Schweiz.

Keystone/Leandre Duggan
Am 15. November ist jedoch Schluss damit. Die Konzession wurde aufgehoben.

Am 15. November ist jedoch Schluss damit. Die Konzession wurde aufgehoben.

Keystone/Leandre Duggan
Eurobus begründet den Entscheid mit der ungenügenden Nachfrage und der fehlenden Praxis bei der Gesetzgebung.

Eurobus begründet den Entscheid mit der ungenügenden Nachfrage und der fehlenden Praxis bei der Gesetzgebung.

Eurobus swiss-express

Es war ein kurzes Abenteuer: Der Anbieter Eurobus, der mit Flixbus zusammen arbeitet, stellt seine Verbindungen in der Schweiz auf den 15. November ein – nach knapp eineinhalb Jahren. In einer Mitteilung kritisiert das Unternehmen die Behörden: Die Gesetzeslage ermögliche es nicht, schnell und flexibel auf die Nachfrage zu reagieren.

Bis heute müsse Eurobus Teilstrecken beibehalten, für die keine Nachfrage bestehe, so Geschäftsführer Roger Müri. Im Juli 2019 reichte Eurobus ein Gesuch um eine Anpassung der Konzession ein und wollte statt der bisherigen Verbindungen neue Nacht- und Frühverbindungen an die Flughäfen anbieten. Doch das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat die Änderung bis heute nicht bewilligt. Bei «geklärten Rahmenbedingungen» sei Eurobus bereit, wieder ins Geschäft einzusteigen.

«Eurobus wählte Linien selbst»

Der Bund spielt den Ball zurück. «Das BAV hat Eurobus eine Konzession für die nationalen Fernbus-Linien erteilt. Das bringt Vorteile, etwa einen gewissen Konkurrenzschutz», sagt Sprecher Michael Müller. «Andererseits erwarten wir aber auch ein kontinuierliches, verlässliches Angebot, das in die Tariforganisation eingebunden ist.»

Es widerspreche diesem Gedanken, «sofort neue Bewilligungen zu erteilen respektive Konzessionen zu ändern, wenn eine Linie nicht läuft». Eurobus habe die Linien selbst gewählt und den Fahrplan selbst gemacht. «Es war dem Unternehmen klar, dass das BAV Kontinuität erwartet», so Müller.

Konkurrenz kritisiert Eurobus

Kritik an Eurobus kommt auch von der Konkurrenz. Der österreichische Anbieter Dr. Richard will selbst ein innerschweizerisches Fernbus-Angebot aufbauen und hat dazu ein Konzessionsgesuch eingereicht. Der Schweizer Fernbus-Chef bei Dr. Richard, Patrick Angehrn, sagt: «Eurobus hat gegen unser Konzessionsgesuch Einsprache erhoben und massiv dagegen opponiert.» Dabei sei klar gewesen, dass Eurobus keinen Erfolg haben könne, wenn auf den einzelnen Linien nur zwei- bis dreimal täglich gefahren werde.

«Das ist zu wenig. Deshalb sind wir auf Eurobus zugegangen und haben angeboten, zusammenzuarbeiten», sagt Angehrn. Das habe Eurobus abgelehnt. «Der Rückzug ist tragisch, weil nun das ganze Verkehrsmittel für die nächsten Jahre ein Vertrauensproblem hat. Wir hätten schon erwartet, dass Eurobus wenigstens zwei Jahre durchhält.» Dr. Richard wolle mit dem eigenen Angebot, das Fernbusse auf den Linien Zürich Flughafen-Zürich-Bern, Zürich-Basel-Bern und Zürich-Luzern-Bern vorsieht, so schnell wie möglich starten.

«Fernbusse funktionieren»

Es fehle nur noch die Bewilligung des BAV. Auf allen Linien wolle man vier- bis siebenmal täglich fahren, so Angehrn. «Das Konzept Fernbus kann auch in der Schweiz funktionieren, in Österreich fahren wir etwa zwischen Wien und Graz im Halbstundentakt.» Ob man wie Eurobus ebenfalls mit dem deutschen Anbieter Flixbus zusammenarbeiten werde, werde nun angeschaut.

Laut dem Bundesamt für Verkehr startet die Anhörung zum Gesuch von Dr. Richard demnächst. Angehört würden andere Transportunternehmen, betroffene Kantone und der Zürcher Verkehrsverbund. «Aufgrund der Konkurrenzsituation war zusätzlicher Abklärungsbedarf entstanden, was den Prozess verlangsamte», so Sprecher Müller. Da diese Situation nun geklärt ist, dürfte Dr. Richard nichts mehr im Weg stehen.

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