Pandemie-Massnahmen: ÖV-Betriebe zahlen trotz Lockdown keine Abokosten zurück
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Pandemie-MassnahmenÖV-Betriebe zahlen trotz Lockdown keine Abokosten zurück

Wegen Homeoffice-Pflicht sind die Züge in der Schweiz oft weniger voll. Abo-Besitzer erhalten anders als beim ersten Lockdown aber keine Gutschrift.

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Raphael Knecht
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Derzeit sind nicht mehr viele Pendler unterwegs.

Derzeit sind nicht mehr viele Pendler unterwegs.

20min/Sonja Mulitze
Wer ein Generalabo oder ein anderes Abonnement besitzt, sollte aber nicht mit der Kulanz der Bahnbetriebe rechnen.

Wer ein Generalabo oder ein anderes Abonnement besitzt, sollte aber nicht mit der Kulanz der Bahnbetriebe rechnen.

20min/Taddeo Cerletti
Die Schweizer  Verkehrsbetriebe wollen beim zweiten Lockdown keine Aboverlängerungen gewähren.

Die Schweizer Verkehrsbetriebe wollen beim zweiten Lockdown keine Aboverlängerungen gewähren.

Adriel Monostori

Darum gehts

  • Im zweiten Lockdown gibt es keine Kulanz der ÖV-Betriebe.

  • Abo-Kunden erhalten keine Gutschrift.

  • Dafür wird die Branche kritisiert.

Wegen der Homeoffice-Pflicht wird der öffentliche Verkehr (ÖV) merklich weniger genutzt. Seit Montag fahren die Fernzüge teils fast leer, wie es in einem Bericht der «Handelszeitung» heisst. Selbst in den Stosszeiten sitze im Nahverkehr grad noch eine Person pro Viererabteil.

Ein grosser Teil der Bevölkerung hält sich an die Homeoffice-Pflicht und pendelt nicht mehr. Wer ein Generalabo oder ein anderes Abonnement besitzt, sollte aber nicht mit der Kulanz der Bahnbetriebe rechnen.

Die Schweizer Verkehrsbetriebe wollen beim zweiten Lockdown keine Aboverlängerungen gewähren. Auch andere Kulanzhandlungen wie Rückzahlungen an betroffene Kunden soll es nicht geben, wie es im Bericht weiter heisst. Der Verbund Alliance Swisspass argumentiert, dass der Bund nicht von der Nutzung des ÖV abgeraten habe. Auch das Angebot sei nicht reduziert. Entsprechend sei den Kunden auch nichts geschuldet.

100 Millionen Franken

15 Tage Gutschrift im ersten Lockdown

Für GA-Besitzer gabs nach dem ersten Lockdown eine Gutschrift von 15 Tagen. Viele Verkehrsverbünde taten das Gleiche. Laut der «Handelszeitung» kosteten diese Verlängerungen rund 100 Millionen Franken. Für einen Teil davon kam allerdings der Bund auf.

Anders sieht es Pro Bahn: Es könne nicht sein, dass die Einnahmeausfälle der SBB auf die treue Kundschaft übergewälzt werden, sagt Präsidentin Karin Blättler. In anderen Branchen könne man nicht genutzte Abmachungen schliesslich auch stornieren und erhält das Geld zurück.

Auch Politiker sind nicht mit der Haltung der ÖV-Branche einverstanden. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen etwa schlägt vor, dass die Hinterlegung des Abos wegen der Pandemie länger möglich sein sollte. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es allerdings bei der SBB, dass es derzeit nicht zu ausserordentlich vielen GA-Hinterlegungen komme – im Gegensatz zum Lockdown im Frühling 2020, als die Zahl der Hinterlegungen effektiv angestiegen war.

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