22.06.2020 08:59

Corona-Lockerungen

ÖV, Clubs, Fabrik – wie gross ist die Ansteckungsgefahr?

Die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle wächst nach den jüngsten Lockerungen. Der Chef der Corona-Taskforce äussert sich zu möglichen Ansteckungs-Hotspots.

von
Daniel Waldmeier
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Feiern bis spät in die Nacht ist bald wieder möglich.

Feiern bis spät in die Nacht ist bald wieder möglich.

REUTERS
Auch die Homeoffice-Empfehlung für Unternehmen gilt nicht mehr.

Auch die Homeoffice-Empfehlung für Unternehmen gilt nicht mehr.

KEYSTONE
Dennoch hat nur ein Bruchteil der ÖV-Passagiere eine Hygienemaske an.

Dennoch hat nur ein Bruchteil der ÖV-Passagiere eine Hygienemaske an.

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Darum gehts

  • Letzte Woche gab der Bundesrat weitere Corona-Lockerungsschritte bekannt.
  • Experten finden, diese Entscheide seien zu früh gekommen und warnen vor einer zweiten Welle.
  • «Es gibt Experten und es gibt die Politik», sagt Bundesrat Berset zur Kritik.

Die Corona-Zahlen steigen wieder an: Am Sonntag meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 35 neue Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden. Am Sonntag vor einer Woche waren es 23, vor zwei Wochen 9 Fälle. Für Matthias Egger, Chef der nationalen Covid-19-Science-Taskforce, ist das kein gutes Zeichen.

Der Berner Epidemiologieprofessor hat in der Sonntagspresse kritisiert, der neue Lockerungsschritt des Bundesrates mit dem Wegfall der Sperrstunde und Veranstaltungen bis zu 1000 Personen komme zu früh. Auch weil das Contact-Tracing und die Isolation von Kontaktpersonen in den Kantonen noch nicht richtig funktionierten. Gegenüber 20 Minuten erklärt der Experte, in welchen Bereichen die Pandemie wieder aufflammen könnte.

ÖV

Der Bundesrat hat die Homeoffice-Empfehlung gekippt. Damit dürfte es im ÖV noch enger werden. Der Bundesrat ruft dazu auf, Maske zu tragen, bislang kommt dem Wunsch aber nur eine kleine Minderheit nach. Für Egger kann das Übertragungen begünstigen. Hinzu komme, dass das Contact-Tracing im Zug oder Bus sehr schwierig sei. Die Taskforce denke darüber nach, dem Bundesrat eine Maskenpflicht zu empfehlen.

Konzerte und Nachtclubs

Mit dem Wegfall der Polizeistunde machen viele Clubs wieder auf. «In Clubs wird getrunken und geknutscht. Viele werden wohl die Maske kaum länger als eine halbe Stunde tragen», heisst es bei Clubbetreibern. Egger kritisiert, dass es nicht einmal eine Pflicht gibt, die Kontaktdaten anzugeben. «Gibt es in einem Club oder an einem Rockkonzert mit bis zu 1000 Personen einen Superspreader, kann die Situation wieder entgleisen.»

Fabriken

Beim Fleischverarbeiter Tönnies oder beim Autobauer Tesla: Im Ausland kam es zu Corona-Ausbrüchen in Fabriken. Für Egger ist die Situation in der Schweiz eine andere: «Die Schlachtbetriebe sind bei uns kleiner und es gibt wohl weniger Gastarbeiter, die auf engem Raum wohnen.» Dennoch zeigten die Beispiele, dass die Unternehmen sich weiter streng an die Schutzkonzepte halten müssten.

Tourismus

Laut Egger ist der Bundesrat «mutig», weil er die Grenzen ohne Schutzkonzept geöffnet hat, da auf diese weise neue Fälle importiert werden könnten. Der Wissenschaftler spricht sich für Fiebermessen bei allen Passagieren am Flughafen sowie Quarantänebestimmungen je nach Ursprungsland aus.

Berset sieht kein Problem

Zur Kritik der Wissenschaft sagte Alain Berset am Freitag, Experten hätten auch Ende April vor Lockerungen gewarnt, Probleme seien dennoch nicht aufgetreten. «Es gibt Experten und es gibt die Politik», sagte der Gesundheitsminister.

Lukas Engelberger, der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), sagte zur «NZZ am Sonntag», die Kantone hätten die Situation insgesamt im Griff. Beim Contact-Tracing gebe es gewisse Schwierigkeiten. Die bisherige Entwicklung zeige aber, dass das angeschlagene Tempo stimme. Anders als die Wissenschaft müsse die Politik auch die wirtschaftlichen Kosten der Massnahmen in den Entscheid einbeziehen.

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151 Kommentare
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Ann

23.06.2020, 10:38

Wer wollte denn so bald als möglich wieder zum "Courant normale" zurückkehren? Party machen und feiern? Ins Ausland umd in die Ferien fahren? Genau die, welche jetzt wieder kritisieren, es wäre zu früh! Nehmt euch selber an der Nase und sucht nicht immer einen Schuldigen!

Label

23.06.2020, 05:49

BR sieht keine Gefahr?! Schauen wir was er in 1 Monat wieder sagt und dann jegliche Kritik von sich weisst weil die Lockerungen/Grenzöffnungen gemacht wurden. Sie hätten es nicht vorher sehen können..? Was ich nicht lache!

Brigitte

22.06.2020, 12:59

Die Maskenpflicht kostet uns wirtschaftlich am wenigsten. Lieber Bundesrat, gib zu, dass du anfangs aufgrund der Maskenknappheit Mist erzählt hast. Die Bevölkerung wird dir das verzeihen, aber nicht, wenn es zu einer zweiten Welle kommt.