Diskriminierung: «ÖV ist so kinderfeindlich, dass ich das Auto nehme»
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Diskriminierung«ÖV ist so kinderfeindlich, dass ich das Auto nehme»

Ein Buschauffeur soll Müttern mit Kinderwagen den Eintritt verweigert haben. Das sei nur die Spitze des Eisbergs, sagen Eltern.

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«Die mit den Kinderwagen sollen bitte draussen bleiben. Jetzt sind zuerst die dran, die heute gearbeitet haben», soll ein Busfahrer zu zwei Müttern gesagt haben, die den ÖV in Zürich benutzen wollten. Das berichtet der «Tages-Anzeiger». (Symbolbild)

«Die mit den Kinderwagen sollen bitte draussen bleiben. Jetzt sind zuerst die dran, die heute gearbeitet haben», soll ein Busfahrer zu zwei Müttern gesagt haben, die den ÖV in Zürich benutzen wollten. Das berichtet der «Tages-Anzeiger». (Symbolbild)

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Auch Ellen Girod (35) ist Mami und kennt solche Situationen. «Am Anfang hat mich das sehr mitgenommen.» Mit der Zeit habe sie damit umzugehen gelernt: «Ich sagte mir: Hey, diese Person hat mit sich selbst ein Problem. Jemand, der mit sich im Reinen ist, würde nicht so auf andere Menschen reagieren.»

Auch Ellen Girod (35) ist Mami und kennt solche Situationen. «Am Anfang hat mich das sehr mitgenommen.» Mit der Zeit habe sie damit umzugehen gelernt: «Ich sagte mir: Hey, diese Person hat mit sich selbst ein Problem. Jemand, der mit sich im Reinen ist, würde nicht so auf andere Menschen reagieren.»

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Über den Buschauffeur, der die beiden Frauen mit Kinderwagen nicht befördern wollte, regt sich Girod trotzdem sehr auf. «Für mich geht das Richtung Woman-Shaming. Ich denke nicht, dass der Busfahrer einen Vater mit Kinderwagen ebenfalls draussen hätte stehen lassen.» (Symbolbild)

Über den Buschauffeur, der die beiden Frauen mit Kinderwagen nicht befördern wollte, regt sich Girod trotzdem sehr auf. «Für mich geht das Richtung Woman-Shaming. Ich denke nicht, dass der Busfahrer einen Vater mit Kinderwagen ebenfalls draussen hätte stehen lassen.» (Symbolbild)

Keystone/Ennio Leanza

«Die mit den Kinderwagen sollen bitte draussen bleiben. Jetzt sind zuerst die dran, die heute gearbeitet haben», soll ein Busfahrer zu zwei Müttern gesagt haben, die den ÖV in Zürich benutzen wollten. Das berichtet der «Tages-Anzeiger». Das ist kein Einzelfall: Mit Kindern im ÖV unterwegs zu sein, habe häufig negative Reaktionen zur Folge, sagen Eltern. Sie berichten von Anfeindungen und folgenlosen Beschwerden.

Mit den Kindern im Bus

M. S.* (30) hat drei Kinder (4, 2 und 1). Die schlimmste ÖV-Situation erlebte die Zürcherin, als sie nach einem Zooausflug den Bus nehmen musste und zwei ihrer Kinder weinten. «Während ich sie zu beruhigen versuchte, sagte der Busfahrer durch den Lautsprecher, er habe noch nie so schlimme Kinder erlebt und ich solle schauen, dass ich sie in den Griff kriege.» Daraufhin habe er ihr mit dem Rausschmiss gedroht.

In diesem Moment habe sie nur noch aussteigen wollen, was aber nicht gegangen sei. «Diese öffentliche Ansage war mir so peinlich», sagt S. Sie habe sich beim Busunternehmen über den Fahrer beschwert. Dort sei ihr gesagt worden, sie solle fortan wegen des Lärms mit den Kindern zuhinterst in den Bus einsteigen. «Dabei kommt man da mit dem Kinderwagen gar nicht rein.»

Auf den ÖV angewiesen

«Ich wuchs in der Stadt auf und benötigte bislang keine Autoprüfung», sagt S. Wenn sie mit ihren Kindern am Nachmittag einen Ausflug machen wolle, sei sie auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Und da die Kinder noch klein seien, besitze sie aus praktischen Gründen einen Doppelkinderwagen.

Weil sie zu Hause das Nachtessen vorbereiten müsse, komme es doch ab und zu vor, dass sie um 17 Uhr das Tram oder den Bus nehme, so S. Es habe schon zahlreiche Reaktionen auch vonseiten der Fahrgäste gegeben, von Blicken bis hin zu Kommentaren. «Ich hörte schon ‹Wieso hat die so viele Kinder?› oder auch ‹Gott, muss die genau jetzt hier mitfahren?›.»

S. fragt sich: «Was soll ich denn da machen? Mit den Kindern nur noch zu Hause bleiben und sie am Tablet spielen lassen?» Ihr Mann habe ihr geraten, die Autoprüfung zu machen. «Ich will meinen Kindern das zwar so nicht vorleben, aber es muss jetzt halt sein.» Dass Zürich eine besonders kinderfeindliche Stadt ist, glaubt S. nicht. Solche Situationen habe sie auch schon im Tessin oder im Aargau erlebt.

Fixe Kita-Zeiten

Auch die alleinerziehende K. H.* (30) sagt, das ÖV-Benutzen mit Kinderwagen sei extrem mühsam. «Ich habe kein Auto. Meist bringe ich meine Tochter zu Fuss mit einer Stunde Wegzeit zur Kita.» Wenn es aber stark regne, fahre sie auch mal Tram. «Das kostet mich immer Überwindung wegen der genervten Blicke und weil so gut wie niemand mit dem Wagen hilft.»

Viele Mitpassagiere würden zudem nicht einmal auf freundliches Bitten hin die Stellfläche für Wagen freimachen, auch wenn das Tram oder der Bus nicht überfüllt sind, so H. Sie verstünden oft nicht, dass sie sich die Zeiten, in denen sie ihr Kind von der Kita abholt und deshalb mit dem Kinderwagen im ÖV unterwegs ist, nicht aussuchen könne. Und H. sagt: «Die Mitfahrer sehen einer Frau mit Kinderwagen nicht an, woher sie gerade kommt. Trotzdem wird man immer als Hausfrau taxiert, die sich ihre Zeit anders einteilen könnte.»

Diskriminierung

Auch Ellen Girod (35), die den Elternblog Chez Mama Poule betreibt, ist Mami und kennt solche Situationen. «Am Anfang hat mich das sehr mitgenommen. Wenn das Kind noch klein ist, ist man als Mutter sowieso schon verunsichert. Und dann kommt all diese Kritik noch dazu.» Mit der Zeit habe sie damit umzugehen gelernt: «Ich sagte mir: Hey, diese Person hat mit sich selbst ein Problem. Jemand, der mit sich im Reinen ist, würde nicht so auf andere Menschen reagieren.»

Über den Buschauffeur, der die beiden Frauen mit Kinderwagen nicht befördern wollte, regt sie sich trotzdem sehr auf. «Für mich geht das Richtung Woman-Shaming. Ich denke nicht, dass der Busfahrer einen Vater mit Kinderwagen ebenfalls draussen hätte stehen lassen.» Dass der Fahrer mit einer blossen Rüge davongekommen sei, ist für sie unverständlich. «Ich finde, er hätte wegen Diskriminierung seinen Job verlieren müssen.»

In anderen Ländern sei man viel offener gegenüber Müttern mit oder ohne Kinderwagen, so Girod. «Die Schweiz ist leider vielerorts noch ein extrem familienunfreundliches Land. Hier gibt es noch sehr viel zu tun.»

*Namen der Redaktion bekannt

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