Gutes Geschäft: ÖV-Screens – BVB fahren eigene Schiene
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Gutes GeschäftÖV-Screens – BVB fahren eigene Schiene

Die Vermarktung der Screens in Tram und Bus überlassen alle Schweizer ÖV-Betriebe einer privaten Firma. Nur die BVB fahren ihren eigenen Kurs.

von
mak
Die BVB gehen mit dem City Kanal Basel eigene Wege in der Bildschrimbewirtschaftung.

Die BVB gehen mit dem City Kanal Basel eigene Wege in der Bildschrimbewirtschaftung.

Die neuen Busse rollen. Die ersten drei der insgesamt 55 neuen Gelenkbusse verkehren seit Dienstagmorgen auf den Strassen von Basel. Diese bestechen durch ihre komfortablen Ledersitze, den geringeren Energieverbrauch – und sie sind auch mit zwei Doppelbildschirmen ausgestattet. Neben der Fahrgastinformation auf der linken Seite kann auf dem rechten Screen auch Werbung gezeigt werden. «Das ist ein lukratives Geschäft», sagt BVB-Direktor Erich Lagler.

Schweizweiter Marktführer in der visuellen Fahrgastinformation ist die Firma Livesystems. Mit Passenger-tv bietet das Unternehmen ein nationales Konzept zur Verbreitung von Bewegtbildern im öffentlichen Verkehr an. Inhalt ist eine Mischung aus News und Werbung. «Die Bewirtschaftung und Vermarktung des Inhalts überlassen sämtliche ÖV-Betriebe uns», sagt Markus Riedel, Sales Manager von Livesystems in Basel. Eine Ausnahme im Schweizer ÖV-Screenmarkt sei Basel: «Die BVB köcheln völlig ihr eigenes Süppchen», so Riedel. Mit dem City Kanal Basel hat die BVB ihr eigenes Vertriebssystem.

Fehlende Qualität

«Wir haben mit den BVB verhandelt, doch diese sind aus den Verhandlungen ausgestiegen, als sie erfuhren, dass wir einen Deal mit der BLT haben», mutmasst Riedel über die Absagegründe der BVB. Dem widerspricht Hans-Georg Bell, Leiter Werbung bei den BVB: «Das ist völlig aus der Luft gegriffen. Das Problem war die fehlende Qualität im Angebot.»

Basel sei die erste Grossstadt in der Schweiz, die das System mit der Bildschirm-Bewirtschaftung einführe. Auf dem rechten Bildschirm sei 25 Prozent Werbung zu sehen. Der Rest werde mit News- und Kulturinhalten versehen. Verschiedene Medienpartner in der Region lieferten lokale und internationale News, Basel Tourismus zeige seinen Veranstaltungskalender und mit der BLT sei ein System zur Echtzeitinformation in Entwicklung. «Damit können Fahrgäste zu jeder Zeit auf Verspätungen und Änderungen hingewiesen werden.»

Bis 2017 werden insgesamt über 600 Bildschirme in der Flotte der BVB installiert.

Gewinn in Millionenhöhe

Das Bewegtbild werde das klassische Plakat nicht ersetzen, betont Bell. Mit dem Gewinn aus der Screen-Werbung werden die Bildschirminstallationen finanziert. In fünf Jahren soll die Investition amortisiert sein. Ab dann kalkuliert Bell einen Gewinn: «Wir rechnen mit einem Ertrag im siebenstelligen Bereich.»

Lärmende Werbeeinspieler wird es jedoch keine geben. «Ton zur Werbung im ÖV bleibt ein absolutes Tabu», so Bell.

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