Pizzabäcker entlastet: Ofen-Sadist kommt straflos davon

Aktualisiert

Pizzabäcker entlastetOfen-Sadist kommt straflos davon

Laut Anklage hat ein Pizzabäcker wiederholt seine Frau vergewaltigt und versucht, ihren Kopf in einen heissen Ofen zu stecken. Das sei nicht zu beweisen, befand nun das Gericht, und sprach den Mann frei.

von
Attila Szenogrady

Ein türkischer Pizzabäcker aus dem Limmattal hat seit dem September 2011 über ein Jahr lang in Haft verbracht und musste sich am Montag vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Wegen mehrfacher Vergewaltigung, Drohungen, Körperverletzungen sowie Tätlichkeiten drohten ihm eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren und eine Busse von 1000 Franken. Laut Anklage soll der Beschuldigte seine Ehefrau über mehrere Monate hinweg massiv drangsaliert, geschlagen und mehrfach gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Die grausamste Tat soll sich der Mittdreissiger im Oktober 2010 geleistet haben. Damals hielt er sich mit seiner Frau an seinem Arbeitsort in einem Kebabstand an der Zürcher Langstrasse auf. Als der Beschuldigte bemerkte, dass seine anwesende Partnerin neben dem Vorhang in den Barbereich des Betriebes schaute, drehte der Mann durch. Er packte seine Frau am Hals und führte sie zum heissen und geöffneten Ofen. Dabei erklärte er ihr, dass er jetzt ihren Kopf verbrennen werde. Bereits beim Ofen angelangt, gelang es ihr in letzter Sekunde, die Offentüre zu schliessen. Wobei sie sich aber ihre rechte Hand verbrannte.

Vier-Augen-Fall

Der Beschuldigte soll die Geschädigte zudem wiederholt massiv verprügelt und bedroht haben. Er würde ihre Ohren abschneiden und in ihren Mund stecken, erklärte er. Oder er werde sie für alle Moslems opfern.

Die happigen Vorwürfe der Anklage basierten ausschliesslich auf den Belastungen der türkischen Staatsangehörigen, die ihren Mann im Spätsommer 2011 bei der Polizei verzeigt hatte. Es handelte sich demnach um einen klassischen Vier-Augen-Fall. Da der Mann alle Vorwürfe als erfundene Geschichten in Abrede stellte, standen vor Gericht beim kinderlosen Noch-Ehepaar Aussage gegen Aussage. Allerdings hatte die Frau unterdessen ihr Desinteresse am ganzen Fall mitgeteilt.

Zu viele Widersprüche: Freispruch

Vor Gericht verlangten der Angeklagte und sein Verteidiger mangels Beweisen Freisprüche. Mit Erfolg, da die Dietiker Richter keinen schlüssigen Schuldnachweis erkennen konnten. Die Aussagen der Geschädigten hätten nicht nur Ungereimtheiten aufgewiesen, sondern seien auch zu widersprüchlich ausgefallen. Die Ehe sei zudem von Anfang unter einem schlechten Stern gestanden. Es sei immer wieder zu unschönen Szenen gekommen, befanden die Bezirksrichter. Dem freigesprochen Türken wurde für die 382 Tage zu Unrecht erlitten Haft eine Genugtuung von 38 200 Franken sowie ein Schadenersatz von 6175 Franken zugesprochen. Er wurde vom Gericht nach der Urteilseröffnung in die Freiheit entlassen.

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