Hilfe im Dilemma - Offen und ehrlich übers Klima reden
Publiziert

Hilfe im DilemmaOffen und ehrlich übers Klima reden

Umweltbewusst leben wollen viele. Doch über die Probleme reden, die damit verbunden sind? Das tut kaum jemand. Die «KlimaGespräche» wollen einen offenen Austausch ermöglichen – auch über unangenehme Themen.

von
Lukas Rüttimann
Umweltbewusst leben, aber wie? Die «KlimaGespräche» helfen bei Problemen, die mit einem umweltbewussten Lebensstil verbunden sind.

Umweltbewusst leben, aber wie? Die «KlimaGespräche» helfen bei Problemen, die mit einem umweltbewussten Lebensstil verbunden sind.

© Silvan Hohl

Darum gehts

  • Ein nachhaltiger Lebensstil bringt Veränderungen mit sich.

  • Über Probleme oder Ängste spricht aber kaum jemand.

  • Die «KlimaGespräche» bieten Hilfe – und haben Erfolg.

Nachhaltig leben, den eigenen CO2-Fussabdruck reduzieren, unnötige Belastungen der Umwelt vermeiden – die meisten von uns wollen umweltbewusst leben. Sie sind bereit, ihren Lebensstil anzupassen. Doch kein Wandel geschieht ohne Nebengeräusche. Und wenn es um konkrete Folgen geht, hört für viele der Spass auf.

Nicht in die Ferien fliegen, weil Flugreisen schlecht für die CO2-Bilanz sind? Auf ein neues Handy, eine Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder gar das Auto verzichten? Viele wollen umweltbewusst leben und wissen um die Dringlichkeit des Wandels. Aber sie sind nicht bereit oder haben Mühe, mit den Konsequenzen zu leben.

Der Mensch im Zentrum

Bei diesem Dilemma Hilfe zu bieten, das ist das Ziel der «KlimaGespräche». Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte – und setzt dabei auf die Unterstützung der Gruppe. Geleitet werden die Gespräche von Moderatorinnen und Moderatoren, die früher selbst an Klimagesprächen teilgenommen haben und sich ausbilden liessen. Im Zentrum stehen nicht der wissenschaftliche Diskurs, sondern der Mensch und seine Emotionen.

«Die Wissenschaft liefert die Grundlage. Aber es geht vor allem darum, Erfahrungen auszutauschen und über Probleme, Druck und Widerstände sprechen zu können», sagt Lorenz Kummer, Medienverantwortlicher bei Brot für alle, zu 20 Minuten. Die Auseinandersetzung mit eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfe, Gefühle der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine langfristige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht.

CO2-Ausstoss halbiert

Dieser psychologische Ansatz zeigt durchaus Erfolg. Untersuchungen der Universität von Southampton zeigen, dass es Teilnehmerinnen und Teilnehmern dank den «KlimaGesprächen» gelungen ist, ihren CO2-Ausstoss innert vier bis fünf Jahren um die Hälfte zu verringern.

In der Deutschschweiz finden die Gespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Städten, Kantonen, Kirchgemeinden und Pfarreien unterstützt werden, seit 2019 statt. Seither haben mehr als 280 Personen daran teilgenommen. Rund 60 davon haben sich im Anschluss zu Moderatorinnen und Moderatoren ausbilden lassen.

Motivation statt Belehrung

«Die Methode setzt dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Pascale Schnyder, Verantwortliche für die «KlimaGespräche» in der Deutschschweiz. Die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationsvermittlung allein nicht genügt, um Menschen zum Handeln zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema und klare und einfache Wege, um die Vorhaben in die Tat umzusetzen».

Die «KlimaGespräche» sind das jüngste Projekt von Brot für alle und Fastenopfer im Rahmen ihres langjährigen Engagements für mehr Klimagerechtigkeit. Ab 9. September finden sie erstmals in Basel statt. Anmelden kann man sich via Website.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

5 Kommentare