Knatsch im Kreis 5: «Offenbar will man uns nicht dabeihaben»
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Knatsch im Kreis 5«Offenbar will man uns nicht dabeihaben»

Mehrere Bewohner des Zürcher Kreis 5 wollen dem Quartierverein beitreten. Doch dieser lässt die Gesuche bewusst liegen, so der Vorwurf. Ein Fall nun sogar für die Stadtpräsidentin.

von
rom

«Die 25 Quartiervereine in der Stadt Zürich stehen als politisch und konfessionell neutrale, privatrechtlich organisierte Vereine allen interessierten Personen und Organisationen offen.» So zumindest steht es in einer 2011 getroffenen Vereinbarung zwischen der Stadt und den Vereinen geschrieben. Dass dem nicht immer so ist, müssen Mischa Froidevaux und mehrere weitere Bewohner des Kreis 5 derzeit erleben: «Wir möchten gerne dem Quartierverein Zürich 5 Industrie beitreten, doch die Anmeldungen werden ignoriert – offenbar will man uns nicht dabeihaben.»

Froidevaux, der die neue Quartierzeitung Röntgenblick mit herausgibt, äusserte im März bei einem Gespräch mit dem Vereinspräsidenten Helmuth Werner den Wunsch, Mitglied zu werden: «Nachdem längere Zeit keine Reaktion gekommen war, meldete ich sogar schriftlich Interesse am Beitritt an.» Doch wieder sei nichts geschehen. An mehreren Quartieranlässen traf Froidevaux inzwischen auf andere Bewohner, die das Gleiche erlebt hätten: «Gegen 20 Personen versuchen vergeblich, Mitglied zu werden.»

Stadt unterstützt Quartiervereine finanziell

Dabei könne der überalterte Quartierverein eine Auffrischung gebrauchen. «Der Kreis 5 ist mit den vielen neuen Wohnhäusern in Zürich-West im Umbruch – deshalb ist es wichtig, dass alle Bevölkerungsschichten vertreten sind und darum wollen wir mitmachen», so Froidevaux. Ein rein privater Verein könne sich sicher so restriktiv verhalten, «bei einem Quartierverein sieht die Sache aber anders aus, da dieser Geld von der Stadt erhält.» Weil das Präsidialdepartement dafür zuständig ist, hat sich Froidevaux nun an Stadtpräsidentin Corine Mauch gewendet.

Deren Sprecher Nat Bächtold bestätigt, dass die Stadt aus dem Quartier auf das Problem aufmerksam gemacht worden sei: «Wir gehen dieser Sache nach.» Grundsätzlich seien die Quartiervereine privatrechtlich organisiert. «Es ist aber korrekt, dass sie von der Stadt finanziell unterstützt werden», so Bächtold. Damit honoriere man deren Beitrag zum Quartierleben. «Zur Kontrolle fordert die Stadt die Jahresrechnungen und Jahresberichte der Quartiervereine ein und überprüft die Angaben über die durchgeführten Veranstaltungen.»

«Bei uns ist jeder willkommen»

Helmuth Werner, der den Quartierverein mit seinen aktuell rund 130 Mitgliedern seit über 20 Jahren ehrenamtlich leitet, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar – stattdessen aber Vizepräsident und SP-Stadtammann Thomas Zeller. Er bestreitet die Vorwürfe: «Bei uns ist jeder willkommen, doch die Interessenten müssen einfach Geduld haben.» Zudem seien nicht 20 Gesuche hängig, sondern «vielleicht drei oder vier». Dass man mit der Behandlung zuwartet, begründet er mit der Generalversammlung von nächster Woche, wo sich der Vorstand für weitere zwei Jahre aufstellen lässt. «Einige im Verein befürchten, dass die Neuen bloss Helmuth Werner aus dem Amt drängen wollen.» Dabei habe dieser in letzter Zeit genug gelitten.

Vergangenes Jahr war Werner in die Schlagzeilen geraten in seiner Funktion als Präsident der reformierten Kirchenpflege. Nach einem heftigen Machtkampf mit dem Kirchenrat setzte dieser die gesamte Kirchenpflege ab. Gegen Werner wurde wegen Nötigung und ungetreuer Geschäftsbesorgung Strafanzeige erstattet – er sass deswegen in Untersuchungshaft. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

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