Unerwünschter Import: Offene Türen für Insekten
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Unerwünschter ImportOffene Türen für Insekten

Immer mehr schädliche Insekten werden mit Warentransporten nach Europa eingeschleppt. Der Grund: An vielen Grenzen sind die Kontrollen lückenhaft.

von
Fee Riebeling
An vielen Flughäfen sind die Kontrollen lückenhaft – auch in der Schweiz. (Bild: Flughafen Zürich AG)

An vielen Flughäfen sind die Kontrollen lückenhaft – auch in der Schweiz. (Bild: Flughafen Zürich AG)

Nicht nur Mangos, Bananen oder Kaffee werden aus Übersee mit dem Flugzeug nach Europa importiert. Häufig verstecken sich in der Fracht auch Insekten, die hierzulande grossen Schaden anrichten können. So wie der Maiswurzelbohrer, der ursprünglich aus den USA kommt, aber mittlerweile auch in der Schweiz verbreitet ist und Maiskulturen zerstören kann. Um ihn und andere invasive Insekten an der Einreise zu hindern, finden an den Flughäfen Zürich und Genf spezielle Kontrollen statt (siehe Box).

Von welchen Warensendungen das grösste Risiko ausgeht, haben nun Forscher der Unis Freiburg und Neuenburg sowie der Forschungsanstalt Agroscope untersucht. Dazu dokumentierten sie die weltweite Verbreitung von rund 200 invasiven Insektenarten. Ausserdem untersuchten sie, auf welchen Agrarprodukten sich diese Eindringlinge am wohlsten fühlen und wie viele dieser Waren in welche Länder importiert werden. Ergebnis: «Nicht immer werden die Produkte kontrolliert, bei denen die Gefahr am grössten ist», sagt Sven Bacher, Co-Autor der Studie.

So würden beispielsweise Früchte aus tropischen Ländern häufig untersucht, während die riesigen Warenflüsse aus den USA oder Argentinien nur wenig kontrolliert würden – obwohl von diesen gemäss Studie eine grössere Gefahr ausgeht. So können Schädlinge unbemerkt einreisen. Alarmierend sei, so Bacher, dass in jenen europäischen Ländern, welche in den Kontrollen die grössten Lücken zeigen, bereits die meisten fremden Schädlinge vorkommen. Auch in der Schweiz. Nun sind die Behörden gefordert, die Kontrollen zu verbessern.

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So wird kontrolliert

Alle Agrarprodukte aus Ländern ausserhalb der EU, die von Schadorganismen befallen sein können, werden geprüft. Die Kontrolleure des Bundes öffnen aus jeder Lieferung stichprobenweise einzelne Kisten und nehmen diese in Augenschein. Bei Verdacht werden Proben entnommen und im Labor untersucht. Ausgenommen sind Waren aus Ländern, bei denen es gemäss Statistik noch nie Beanstandungen gab. Diese werden nur in unregelmässigen Abständen untersucht.

Die Kontrolle bei der ersten Landung in Europa ist wichtig. Denn sobald die Ware einmal eingereist ist, kann sie ungehindert die innereuropäischen Grenzen passieren.

(fee)

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