Wilson A. verliert: «Offensichtlicher kann Racial Profiling nicht sein»
Aktualisiert

Wilson A. verliert«Offensichtlicher kann Racial Profiling nicht sein»

Die drei Zürcher Stadtpolizisten, die einen Ausländer zusammengeschlagen haben sollen, wurden vom Bezirksgericht Zürich freigesprochen.

von
tam
Wilson A. hatte Anzeige gegen die drei Zürcher Stadtpolizisten erhoben.

Wilson A. hatte Anzeige gegen die drei Zürcher Stadtpolizisten erhoben.

Keystone/Ennio Leanza

Freispruch für zwei Polizisten und eine Polizistin der Stadtpolizei Zürich – als die Richter das Urteil am Mittwochmorgen im Racial-Profiling-Prozess verkündeten, ging Kopfschütteln durch die Reihen. Man hatte das Urteil zwar erwartet, doch für die Sympathisanten der Allianz gegen Racial Profiling war das Urteil des Bezirksgerichts Zürich dennoch enttäuschend. Für die Urteilsverkündung waren mehrere Dutzend Personen angereist.

Das Bezirksgericht Zürich begründete das Urteil mit der ungenügenden Beweislage. Der genaue Hergang der Auseinandersetzung werde von den Beschuldigten und dem Kläger unterschiedlich dargestellt und die Verletzungen des Klägers liessen ebenfalls keinen eindeutigen Schluss auf den Sachverhalt zu.

Gericht glaubte Kläger nicht

Die drei Stadtpolizisten standen vor Gericht, weil sie ihm Rahmen einer Kontrolle den aus Nigeria stammenden Kläger Wilson A. zusammengeschlagen haben sollen, obwohl er mehrmals darauf hingewiesen habe, dass er erst kürzlich am Herzen operiert worden sei.

Die Aussagen von A. erachtete das Gericht als wenig glaubhaft. Es sprach die drei Polizisten deshalb vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der Gefährdung des Lebens frei. Eine Gefährdung des Lebens habe nicht bestanden. Die Polizisten hätten beim kräftigen und gesund aussehenden Mann nicht davon ausgehen können, dass er krank ist.

«Es war kein Racial Profiling»

Bezüglich Amtsmissbrauch argumentiert das Gericht, dass es beim vorliegenden Fall um eine rechtmässige Kontrolle und nicht um Racial Profiling handelte. Das Signalement von A. habe auf einen gesuchten Verdächtigen zugetroffen und sei der Grund für die Kontrolle gewesen.

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich Tarek Naguib, Sprecher der Allianz gegen Racial Profiling, bestätigt in der Auffassung, dass es für die Untersuchung solcher Fälle unabhängige Gremien braucht: «Wieder einmal wurde das Vertrauen in die Justiz erschüttert. Offensichtlicher kann Racial Profiling nicht sein.» Man habe den Kläger im Prozess als unkontrollierten Gegner der Polizei dargestellt.

Entschädigung ist überraschend hoch

Der Kläger selbst war enttäuscht vom Urteil: «Ich habe ein faires Urteil erwartet.» Die Überzeugung des Gerichts, er habe sich unkooperativ verhalten, stört ihn. Wie es nun weiter geht, sei derzeit noch offen. Der Anwalt von Wilson A. sagte, dass man sich «sehr genau überlegen» müsse, ob man Berufung einlegen werde

Überraschend am Urteil sind die Entschädigungssummen für die Anwaltskosten. Sie sind zwischen 65'000 und 48'000 Franken angesetzt. Die Richter begründeten das mit der langen Verfahrensdauer. Auch die Genugtuung von je 5000 Franken für die Polizisten ist eher hoch.

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