Aktualisiert 08.12.2008 11:33

Real Madrids KriseOffensiv Weltklasse – defensiv desaströs

Real Madrid taumelt weiter von einem Tiefschlag zum nächsten. Kein Wunder bei einer Abwehr, die löchriger ist als ein Schweizer Käse. Und jetzt warten die Zauberfussballer aus Barcelona – doch dieses Duell könnte für die Königlichen kaum gelegener kommen.

von
Reto Fehr

Es regnete in Strömen im Santiago-Bernabeu-Stadion von Madrid. Real hatte soeben in einem dramatischen Spiel mit 3:4 gegen Sevilla verloren. Die sonst so leuchtenden weissen Trikots hingen wie nasse Lumpen an Raul, Guti und Co. Die einzigen Farbtupfer waren die Regenschütze und –schirme der Fans der Königlichen. Wie versteinert sassen diejenigen noch auf ihren Sitzen, welche nicht nach dem 4:3-Siegtreffer Sevillas in der 85. Minute das Stadion verliessen. Wie üblich zeigten sie ihre Unzufriedenheit mit dem Winken von weissen Taschentüchern – das Zeichen der Aufgabe.

Weltklasse-Verteidiger wie eine Schüler-Abwehr

Real war in diesem Spiel zur Pause 1:3 zurückgelegen. Innert zwei Minuten glich das Starensemble von der Hauptstadt aus und war danach drückend überlegen. Raul scheiterte an einer mirakulösen Parade von Sevillas Palop, Robben sah wenig später seinen Ball an den Aussenpfosten prallen und Higuains Schuss wurde – weil dieser penaltyreif zurückgezogen wurde - an die Latte abgelenkt. Real war offensiv wie so oft in dieser Saison nicht nur spektakulär, sondern auch erfolgreich. 33 Mal haben die Königlichen in 14 Partien getroffen. Besser ist nur der souveräne Leader Barcelona (44 Tore). Trotzdem hat der grosse Rivale neun Punkte mehr auf dem Konto. Wieso das so ist, zeigte sich in der verhängnisvollen 85. Minute. Sevillas Kanouté konnte bei einem Entlastungsangriff seelenruhig flanken und in der Mitte standen wohl zwei Madrilenen gegen einen Sevillista, aber Renato köpfte trotzdem fast ungestört zum 4:3 ein (siehe Video unten). Weltklasseverteidiger wie Fabio Cannavaro, Salgado oder Sergio Ramos kamen einmal mehr zu spät – zum insgesamt 24. Mal in dieser Saison. Nur drei Teams haben bisher mehr Tore kassiert als das stolze Real. Dies sind die Abstiegskandidaten Numancia, Gijón und Mallorca. Nicht gerade die Crème de la Crème in Spaniens Fussball.

«Unmöglich gegen Barcelona zu gewinnen»

«Nur Stolz reicht nicht», schreibt die «As» am Tag nach der Niederlage. Derweil «20 Minutos» weiss: «Nur ein Sieg gegen Barcelona kann einer so tief gesunkenen Mannschaft noch helfen.» Und wie es der Zufall will, taucht diese Rettungsboje am Samstag gleich neben Bernd Schuster und Co. auf. Der Trainer steht schon bis zu den Ohren im Wasser. Ein Erfolg im «Clásico» und Schuster dürfte seinen Job behalten – wenn er sich denn überhaupt noch so lange im Amt hält. Allerdings ist beim blonden Engel nichts vom von der «As» angesprochenen Stolz zu spüren. Es scheint, dass der vielkritisierte Coach diesen auch nicht mehr hat: «Die Partie gegen Barcelona macht mir überhaupt keine Sorgen. Im Camp Nou ist es unmöglich zu gewinnen. Ich glaube, das wird Barcelonas Jahr.» Solch einen Spruch aus dem Mund eines Real-Trainers haben Spaniens Fussballfans wohl noch nie gehört. Wieso gibt er denn nicht auf? «Ich trete nicht zurück, weil meine Spieler alles geben. Aber es fehlt das Glück. Wir brauchen einen Befreiungsschlag.» Es wird eine heisse Woche in Madrid.

Renatos Tor zum 4:3 für Sevilla kurz vor Schluss. Die Abwehr Reals inexistent$$VIDEO$$

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