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Warten auf NATOOffensive auf Bani Walid verschoben

Die Truppen des Übergangsrates haben ihren Vormarsch auf die Gaddafi-Bastion Bani Walid gestoppt. Zuvor soll die NATO mit Luftangriffen die Stellungen in der Stadt zerstören.

Die Kämpfer des libyschen Übergangsrats haben am Samstag den Befehl zum Angriff auf die letzten Gaddafi-Bastionen abgewartet. Der Beginn der Offensive auf das nordwestliche Bani Walid und Gaddafis Heimatstadt Sirte an der Küste wurde verschoben.

Der Vormarsch auf die Wüstenstadt Bani Walid sei am Samstag offenbar in Erwartung der Verstärkung durch NATO-Luftangriffe gestoppt worden. Dies sagte der Chefunterhändler des Nationalen Übergangsrats, Abdullah Kenschil.

Rund 30 Kilometer vor Bani Walid zogen am Samstag weitere Einheiten für eine mögliche Erstürmung der Stadt auf, wie ein AFP- Korrespondent berichtete. An der östlichen Front der Stadt war Artilleriefeuer zu hören.

Aus einem Vorort von Bani Walid berichtete ein Reuters- Korrespondent von mindestens fünf NATO-Luftangriffen. Es seien schwere Explosionen zu hören gewesen und NATO-Kampfjets am Himmel gesichtet worden.

Der Nationale Übergangsrat hatte den Anhängern des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi in Bani Walid, Sirte sowie im zentrallibyschen Sebha und in der Oase Dschufra eine Frist bis Mitternacht in der Nacht zum Samstag gesetzt, um sich zu ergeben.

In Misrata, eine der Hochburgen des Übergangsrats, sammelten sich zahlreiche gut bewaffnete und ausgerüstete Kämpfer, um gegen Gaddafis Getreue in südlicher Richtung oder entlang der Küste in Richtung Sirte vorzugehen. Die Zahl der Kämpfer in Misrata lag unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 12 000 und 18 000.

Alte Gaddafi-Botschaft erneut ausgestrahlt

Inmitten der Kämpfe um die Gaddafi-Hochburg Bani Walid hat ein Radiosender in der libyschen Wüstenstadt am Samstag die letzte Audiobotschaft des langjährigen Machthabers wiederholt. Muammar al Gaddafi ruft darin die «Stunde Null» aus und fordert seine Kämpfer zum Kampf auf. «Schande über euch, wenn ihr nicht kämpft», heisst es in der mehrfach erneut ausgestrahlten Botschaft. «Wenn ihr nicht kämpft, werdet ihr in die Hölle kommen.»

Dschalil in Tripolis

Der Chef des Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, begab sich am Samstag zu seinem ersten Besuch in die Hauptstadt Tripolis, seit dem Fall von Gaddafis Hauptquartier am 23. August. Der Übergangsrat werde sich erst nach der «vollständigen Befreiung» des Landes in Tripolis niederlassen, sagte Dschalil.

Bei einem Zwischenstopp in Misrata wies er darauf hin, dass Gaddafi «noch immer am Leben» sei und über «Geld und Gold» verfüge. Damit könne er sich «Männer kaufen», warnte der ehemalige Justizminister unter Gaddafi.

Bisheriger und neuer Botschafter

In Washington nahm US-Präsident Barack Obama am Freitag das Beglaubigungsschreiben des neuen libyschen Botschafters an. Ali Suleiman Aujali war bereits unter Gaddafi Botschafter in den USA.

Nach dem Beginn der Proteste in Libyen zu Jahresbeginn hatte er wie Dschalil die Seiten gewechselt und sich hinter die Forderungen der Rebellen gestellt.

In Bengasi demonstrierten am Samstag mehrere hundert Menschen gegen «Opportunisten» und «Wendehälse» im regierenden Übergangsrat. Das Gremium müsse sich von Mitgliedern trennen, die noch bis kurz vor Ausbruch des Volksaufstandes dem System des Diktators Gaddafi gedient hatten, verlangten die Demonstranten, wie der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete.

Die Revolte gegen Gaddafi hatte am 17. Februar in Bengasi begonnen. Ihr hatten sich etliche Minister, Funktionäre und Kader des Gaddafi-Regimes angeschlossen.

Gaddafi-Leute fliehen nach Niger

Weitere Gaddafi-Getreue setzten sich unterdessen in das Nachbarland Niger ab. Wie aus nigrischen Sicherheitskreisen verlautete, traf am Freitag etwa ein Dutzend Fahrzeuge aus Libyen in der Stadt Agadez ein - eskortiert von nigrischen Soldaten. Nach Angaben eines örtlichen Journalisten fuhren die Fahrzeuge später in die Hauptstadt Niamey weiter.

Zuvor hatte der nigrische Justizminister Marou Amadou mitgeteilt, drei am Donnerstag im Niger eingetroffene hochrangige Gaddafi- Generäle befänden sich unter Militäraufsicht in einem grossen Hotel in Agadez (sda/dapd)

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