Brisante Recherche enthüllt: Offizielle WM-Hotels in Katar lehnen Schwule ab
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Gastgeber in der KritikHomophobie in Katar – offizielle WM-Hotels lehnen Schwule ab

Neuer Wirbel um WM-Gastgeber Katar. Gemäss verdeckten Recherchen, sollen es im Wüstenstaat einige Hotels ablehnen, homosexuelle Menschen zu beherbergen. Die Fifa verspricht eine Reaktion.

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Kein Zugang für Schwule in einigen katarischen Hotels? Dies enthüllt eine neue Recherche aus Skandinavien.

Kein Zugang für Schwule in einigen katarischen Hotels? Dies enthüllt eine neue Recherche aus Skandinavien.

EXPA/ PIXSELL/freshfocus
Zahlreiche Fans fordern immer wieder zu einem Boykott der WM auf. Hier etwa bei einem Bundesligaspiel in Freiburg.

Zahlreiche Fans fordern immer wieder zu einem Boykott der WM auf. Hier etwa bei einem Bundesligaspiel in Freiburg.

IMAGO/MIS
Das WM-Gastgeberland steht zudem auch wegen Ausbeutungen von Arbeitern seit längerer Zeit in der Kritik.

Das WM-Gastgeberland steht zudem auch wegen Ausbeutungen von Arbeitern seit längerer Zeit in der Kritik.

IMAGO/Pixsell

Darum gehts

  • Neue Recherchen rücken WM-Gastgeber Katar in ein schlechtes Licht.

  • Offenbar sollen mehrere Hotels homosexuellen Menschen keine Zimmer anbieten.

  • Die Fifa reagiert und sagt, dass sie für einen diskriminierungsfreien Empfang der Gäste sorgen will.

Bei der Fussball-WM in Katar müssen Schwule und andere Menschen der LGBTQI+-Gemeinschaft damit rechnen, in einigen Hotels keine Zimmer zu bekommen. Das ergab eine gemeinsame Recherche der drei skandinavischen TV-Sender NRK (Norwegen), DR (Dänemark) und SVT (Schweden). Journalisten hatten sich demnach als schwules Paar ausgegeben und bei insgesamt 69 offiziellen WM-Hotels des Fussball-Weltverbandes Fifa ein Zimmer angefragt.

Die Abkürzung LGBTQI+ fasst Menschen unterschiedlicher Identitäten und sexueller Orientierungen zusammen, also Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell sind. In Katar ist Homosexualität grundsätzlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

«Anständig gekleidet» sind Schwule willkommen

59 Hotels antworteten, drei davon lehnten die Anfrage direkt ab. Als Begründung hiess es, dass man das Paar gemäss der Hotelrichtlinie nicht unterbringen könne oder dass man keine schwulen Paare akzeptiere. Ein Hotel antwortete, dass ein solcher Check-in nicht möglich sei. 20 weitere Hotels wollten demnach nicht, dass die Gäste offen ihr Schwulsein zeigen.

In der Vergangenheit habe es Vorfälle gegeben, bei denen die Polizei homosexuelle Katarer aus Hotels geholt habe, hiess es von einem Hotel. Zudem würde man gegen die Landespolitik verstossen, wenn man «sich schminkt und homosexuell kleidet». «Anständig gekleidet» und ohne sexuelle Handlungen sei das Paar aber willkommen. 33 Hotels hatten keine Einwände, 13 antworteten nicht oder sind derzeit nur Corona-Quarantäne-Hotels.

«Fifa sorgt für diskriminierungsfreien Empfang»

«Die Fifa wird dafür sorgen, dass die genannten Hotels erneut auf unsere strengen Anforderungen in Bezug auf einen diskriminierungsfreien Empfang der Gäste hingewiesen werden. Hotels und anderen Dienstleistern, die mit der WM in Verbindung stehen, wird der Vertrag gekündigt, wenn sie die hohen Anforderungen der Organisatoren nicht erfüllen», teilte die Fifa am Freitag auf Anfrage mit.

Fifa-Boss Gianni Infantino hatte bereits beim 72. Fifa-Kongress Anfang März gesagt: «Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQI+ sprechen.» Das WM-Turnier findet vom 21. November bis 18. Dezember in dem arabischen Emirat statt. Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

Amnesty International erhob bereits Vorwürfe

Vor einigen Wochen erhob bereits Amnesty International schwere Vorwürfe gegen das WM-Gastgeberland Katar, da gemäss Informationen der Menschenrechtsorganisation in Katar Arbeitsmigranten ausgebeutet wurden und die Behörden das Recht auf Meinungsfreiheit vor der WM «noch stärker eingeschränkt haben».

Zudem hatte ein katarischer Offizieller sich gegen das Zeigen von Regenbogenfahnen bei der WM in Katar ausgesprochen – weil er mögliche Angriffe befürchtete. Zudem drohen laut «Spiegel» einer 27-jährigen Frau, die als Mitarbeiterin einer Fifa-Organisation in Katar war, nach einer Vergewaltigung 100 Peitschenhiebe – wegen «Sex ausserhalb der Ehe». 

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

(flo/dpa)

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