777'000 Franken weg: Offiziere meutern gegen ihren Verbandschef
Aktualisiert

777'000 Franken wegOffiziere meutern gegen ihren Verbandschef

Die Schweizerische Offiziersgesellschaft schreibt seit Jahren rote Zahlen. Nun protestiert die Aargauer Sektion in einem offenen Brief gegen den Vorstand und dessen Präsident Stefan Holenstein.

von
jdr
In der Kritik: SOG-Präsident und Oberst im Generalstab Stefan Holenstein, hier während einer Ansprache nach seiner Wahl im März 2016 in Chur.

In der Kritik: SOG-Präsident und Oberst im Generalstab Stefan Holenstein, hier während einer Ansprache nach seiner Wahl im März 2016 in Chur.

Schweizerische Offiziersgesellschaft

Die Aargauer Sektion der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) meutert gegen die Organisationsspitze. In einem offenen Brief an den SOG-Präsidenten beklagen Oberst Peter Balzer und sieben weitere Offiziere Missstände und Mittelverschwendung.

Die Aargauer werfen der SOG vor, in den vergangenen fünf Jahren 777'000 Franken «vernichtet» zu haben. Die Führungsspitze habe die Rückstellungen der Stiftung «missbraucht», unter anderem um ein «aufgeblähtes Generalsekretariat» zu finanzieren. Zudem mangele es auf Leitungsebene an kreativen Ideen für die alternative Mittelbeschaffung – dafür macht die Aargauer Sektion «geistige Faulheit» verantwortlich.

Rücktritt gefordert

Als Konsequenz fordern Balzer und seine Mitstreiter den Rücktritt der involvierten Vorstandsmitglieder und eine Überprüfung der finanziellen Umstände von unabhängiger Seite. Bevor die Führungsspitze – wie geplant – die Mitgliederbeiträge erhöhe, solle die Organisation zunächst ihre Kosten in den Griff kriegen.

Die Schweizerische Offiziersgesellschaft ist die grösste Milizorganisation der Schweiz, ihr Einfluss reicht weit – auch bei Fragen der Sicherheitspolitik können die Führungskräfte nicht selten ein Wort mitreden.

Vorstand widerspricht

Der Adressat des offenen Briefes, SOG-Präsident Stefan Holenstein, zeigt sich laut «Tagesanzeiger/Newsnet» enttäuscht über das Vorgehen der Kritiker: «Bevor sie an die Öffentlichkeit treten, sollten sie intern das Gespräch suchen.»

Holenstein, der letztes Jahr sein Amt als Generaldirektor des ACS wegen internen Querelen verlor, hat den Posten als SOG-Präsident erst seit März 2016 inne – damals waren die Finanzen bereits in der Schieflage.

Seitdem seien die Kosten von bisher rund 380'000 Franken bereits um 100'000 Franken gesenkt worden. Gespart werde laut Holenstein unter anderem beim Sekretariat und bei den Spesen des Präsidenten. Auch die Suche nach Sponsoren laufe, offizielle Zusagen gebe es aber noch keine. Die Offiziersgesellschaft hätte allerdings Wichtigeres zu tun, als über Mitgliederbeiträge zu streiten – wichtige Projekte wie die Weiterentwicklung der Armee, oder die Fliegerbeschaffung müssten begleitet werden.

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