In Testcentern – «Oft führen Angestellte ohne Ausbildung Corona-Tests durch»
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In Testcentern«Oft führen Angestellte ohne Ausbildung Corona-Tests durch»

Testcenter-Mitarbeitende berichten, dass oft Laien ohne Gesundheitsausbildung oder Schulung Corona-Testungen vornehmen. «Der Kanton müsste hier aktiv werden», sagt Anwalt Nicolas Facincani.

von
Daniel Krähenbühl
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«Es kommt sehr oft vor, dass nicht ausgebildete Personen die Corona-Testungen vornehmen», sagt eine Person, die in Testcentern der Firma Youngcom AG arbeitet. (Symbolbild)

«Es kommt sehr oft vor, dass nicht ausgebildete Personen die Corona-Testungen vornehmen», sagt eine Person, die in Testcentern der Firma Youngcom AG arbeitet. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Er selbst meldete sich im Gruppenchat auch als Corona-Tester an und wurde – trotz fehlender fachlicher Gesundheitsausbildung – prompt auch als Tester eingesetzt. (Symbolbild) 

Er selbst meldete sich im Gruppenchat auch als Corona-Tester an und wurde – trotz fehlender fachlicher Gesundheitsausbildung – prompt auch als Tester eingesetzt. (Symbolbild)

20min/Celia Nogler
Ein solcher Vorfall sei bislang nicht gemeldet worden und würde klar gegen die Hygiene-Vorgaben verstossen, sagt Joel Meier, der Geschäftsführer von Youngcom AG. (Symbolbild)

Ein solcher Vorfall sei bislang nicht gemeldet worden und würde klar gegen die Hygiene-Vorgaben verstossen, sagt Joel Meier, der Geschäftsführer von Youngcom AG. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • In mehreren Testcentern sollen wiederholt Personen Tests durchgeführt haben, obwohl sie weder dafür geschult noch eine entsprechende Fachausbildung abgeschlossen hatten.

  • «Dass es dabei wegen fehlenden Wissens zu falsch-negativen Tests kam, dürfte wohl vorgekommen sein», sagt ein ehemaliger Teamleiter.

  • Die Firma will den Hinweisen nun nachgehen.

  • «Der Kanton müsste hier aktiv werden», sagt Rechtsanwalt Nicolas Facincani dazu.

Seit der Ausweitung der Zertifikatspflicht auf Restaurants, Bars, Fitnesscenter und zahlreiche Freizeitveranstaltungen kommt es zu einem Ansturm in Test-Centern. Auch die Agentur und Herausgeberin Youngcom AG mit Sitz in Rotkreuz ZG und Zürich profitiert. Die Firma, die unter anderem auch die Street Parade und das Rockstar Magazin zu seinen Kunden zählt, betreibt in der Schweiz und in Liechtenstein mit den Apotheken Dr. Stoffel aus Rapperswil SG zahlreiche Testcenter, auch das Impfzentrum Uster wird von der Agentur betrieben.

Eine bei der Firma Youngcom angestellte Person, die anonym bleiben möchte, erhebt nun schwere Vorwürfe: «Es kommt sehr oft vor, dass nicht ausgebildete Personen die Corona-Testungen vornehmen», so der Mann. Er selbst meldete sich im Gruppenchat auch als Corona-Tester an und wurde – trotz fehlender fachlicher Gesundheitsausbildung – prompt auch als Tester eingesetzt. «Andere machen das genau gleich. Wenn ein Tester fehlt – und das tut es oft – testen einfach die normalen Angestellten, bis die Lücke gefüllt wird.»

Testcenter will reagieren

Bis vor kurzem arbeitete auch ein Leser, der ebenfalls anonym bleiben möchte, als Teamleiter bei Youngcom. Er bestätigt die Aussagen: «Auf dem Papier dürfen nur ausgebildete Personen Nasen-Rachen-Abstriche machen. Praktisch kam es aber oft vor, dass auch normale Angestellte die Tests durchführten – entweder wegen Personalmangels oder wenn die testende Person eine Pause einlegte.» Dass es dabei wegen fehlenden Wissens zu falsch-negativen Tests kam, dürfte wohl vorgekommen sein, so der Ex-Teamleiter.

Ein solcher Vorfall sei bislang nicht gemeldet worden und würde klar gegen die Hygiene-Vorgaben verstossen, sagt Joel Meier, der Geschäftsführer von Youngcom AG. «Wir werden diesem Hinweis nachgehen.» Bei den Testcentern arbeite man mit den Apotheken Dr. Stoffel zusammen. «Sie definieren die Testprozesse, holen die kantonalen Bewilligungen ein, mieten Standplätze, stellen Test- und Schutzmaterial sowie die restliche Logistik bereit und kontrollieren das Testing», sagt Meier. Zudem bestellten die Apotheken das Fachpersonal, führten PCR-Tests durch, rechneten die Kosten ab und leiteten Meldungen ans BAG weiter.

Arbeitsweise widerspricht Covid-Verordnung

In der Schweiz herrsche seit der Ausdehnung der Zertifikatspflicht ein «regelrechter Testcenter-Notstand», so Meier. Viele Dörfer und Stadtquartiere seien jedoch «verzweifelt», weil ihre Bürgerinnen und Bürger nicht mehr zur Arbeit, in die Hochschule, Dorfbeiz, den Singkreis oder die Kirche gehen können. «Wir werden gerade von Anfragen überrannt und versuchen zu helfen, wo wir können.»

Wie der Bund in seinem Faktenblatt zur Kostenübernahme von Analysen auf Sars-CoV-2 schreibt, dürfen Schnelltests nur durch «dafür spezifisch geschulte Personen» und gemäss den Anweisungen der Testhersteller durchgeführt. Die Testergebnisse müssen «unter Aufsicht von Personen mit der notwendigen spezifischen Fachexpertise» interpretiert werden. Wie Rechtsanwalt Nicolas Facincani von der Kanzlei VFS und Partner sagt, widerspreche die Arbeitsweise der Firma der Covid-Verordnung. «Der Kanton müsste hier aktiv werden. Der Arbeitgeber hätte die Kosten der Einschulung zu bezahlen.»

Die Apotheken Dr. Stoffel reagierten nicht auf wiederholte Anfragen von 20 Minuten.

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