Untersiggenthal AG : «Oh Gott, ich komme!» nervt die Nachbarn
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Untersiggenthal AG «Oh Gott, ich komme!» nervt die Nachbarn

In einer Siedlung betreibt ein Pärchen offenbar ihr Liebesspiel sehr laut. Ein Nachbar mahnt sie mit einem Schreiben ab, das für alle ersichtlich in der Tiefgarage hängt – ein heikles Unterfangen.

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som
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Ein Anwohner in einer Neubausiedlung in Untersiggenthal nervt sich ab seinen lauten Nachbarn, wie der Ausschnitt aus diesem Mahnschreiben zeigt.

Ein Anwohner in einer Neubausiedlung in Untersiggenthal nervt sich ab seinen lauten Nachbarn, wie der Ausschnitt aus diesem Mahnschreiben zeigt.

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Es hängt für jeden ersichtlich in der Tiefgarage der Siedlung.

Es hängt für jeden ersichtlich in der Tiefgarage der Siedlung.

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Nicht alle im Quartier können den Unmut des anonymen Absenders verstehen. «Sex in den eigenen vier Wänden soll doch wohl noch erlaubt sein», sagt ein Anwohner.

Nicht alle im Quartier können den Unmut des anonymen Absenders verstehen. «Sex in den eigenen vier Wänden soll doch wohl noch erlaubt sein», sagt ein Anwohner.

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Nur der Rasenmäher ist an jenem Morgen in der Neubausiedlung zum Rosengarten im Untersiggenthal zu hören. Kein Gestöhne oder der Ausruf «Oh Gott, ich komme!», wie in einem Schreiben zu lesen ist, das derzeit für alle ersichtlich an der Türe zur Tiefgarage hängt. Dort schreibt der anonyme Absender unter anderem: «Zu Anfang war es ja noch ganz amüsant, durch die Wände und Fenster hindurch ihrem lauten Paarungsritual zuzuhören, aber auf Dauer muss ich sagen, dass es als Nachbar einfach nur noch nervt.»

Er bittet sie deshalb den Lärmpegel im Interesse der Nachtruhe etwas runterzuschrauben und schalldämmende Massnahmen zu treffen. Vor allem höre man es im ganzen Haus, wenn das Bettgestell rhythmisch gegen die Wand knalle, steht im Brief und: «Tagsüber und am Wochenende ist es jedoch einfach nur peinlich, wenn man Besuch hat und durch die Wände hört, wie die Nachbarschaft am Rammeln ist.»

«Sex in der eigenen vier Wänden sollte doch noch erlaubt sein»

Ein Leser-Reporter aus dem Quartier bestätigt, dass ein Paar besonders laut ist: «Bei offenen Fenster höre ich sie, obwohl ich nicht im gleichem Gebäude wohne.» Er könne den Unmut der direkten Nachbarn verstehen. Doch längst nicht alle in der Siedlung teilen die Meinung – ein Anwohner nervt sich vielmehr ab dem Schreiben: «Sex in den eigenen vier Wänden soll doch wohl noch erlaubt sein.»

Ist es auch, sagt Walter Angst, Sprecher des Mieterverbandes: «Trotzdem gibt es immer wieder Fragen von Mietern, die sich durch Sexgeräusche gestört fühlen. Vereinzelt werden solche Themen auch vor den Schlichtungsbehörden verhandelt.» Bei Nachbarschaftskonflikten fordere man die Mieter immer zum Gespräch und zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf. Meist gäbe es einfache Lösungen:«Man kann etwa während des Verkehrs die Fenster schliessen.» Allerdings brauche es auch die Toleranz der Nachbarn – vor allem, wenn das Haus hellhörig sei.

Gespräch unter vier Augen statt anonyme Abmahnung

«Dass man still sein soll beim Sex oder gar Sperrzeiten für sexuelle Aktivitäten verlangt, ist weder kontrollier- noch zumutbar», so Angst. Stossend findet er, wenn genervte Anwohner die Nachbarn mit anonymen Anschlägen blossstellen, anstatt sich direkt bei ihnen zu melden. «Mit solchen Aktionen kann man sich auch eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung einhandeln.» Wenn man die Nachbarn nicht persönlich ansprechen wolle, müsse man sich bei der Verwaltung melden,

die mit der nötigen Zurückhaltung und professionell mit solchen Fragen umgehen kann.

Auch bei der Immobilienverwalterin Livit sähe man es lieber, wenn man in einem solchen Fall direkt mit dem Nachbarn Kontakt aufnimmt. Sprecherin Marietta Hersche: «Wenn das nichts nützt, sollte man sich beim Bewirtschafter melden, welcher vermittelnd Unterstützung bietet.» Vom Schreiben habe man bisher keine Kenntnis: «Ziel ist aber, mit den Parteien Kontakt aufnehmen, um eine Lösung zu finden, mit der alle leben können.»

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