Augenzeugen in New York: «Oh mein Gott, da sind Kinder drin!»
Aktualisiert

Augenzeugen in New York«Oh mein Gott, da sind Kinder drin!»

Bei einer Terrorattacke mit einem Kleinlaster sind in New York mindestens acht Menschen getötet worden. Augenzeugen berichten, wie sie den Anschlag erlebt haben.

von
mch

«Auf der Kreuzung hat ein anderes Auto dieses hier gerammt»: Die Aufnahme von Sebastian Sobczak. (1. November 2017) Video: Tamedia/AP

Manhattan, New York. Es ist Dienstag, kurz nach 15 Uhr. Sebastian Sobczak ist gerade auf der Chambers Street unterwegs und sieht, wie ein Pick-up-Truck einen Schulbus rammt und zum Stehen kommt. Sobczak glaubt an einen Unfall und zückt sein Handy.

«Der andere Typ» habe den Schulbus auf der Kreuzung gerammt, schreit er. Als er näher an den Schulbus herangeht, sieht er, dass noch Schüler im Bus stecken. «Oh mein Gott, da sind Kinder drin!», schreit er den herbeieilenden Polizisten zu. Sobczak fürchtet um die Schüler im Bus. Erst später stellt sich heraus: Alle Insassen des Busses haben den Zusammenstoss überlebt, zwei Kinder und zwei Erwachsene wurden aber verletzt.

«Ein Schuss nach dem anderen»

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt ist John Williams gerade mit seinem Skateboard auf dem Weg zu einem Skaterpark. Dann hört er Schüsse. «Zwei Frauen mit Kindern rannten auf mich zu und jemand schrie: Er hat eine Pistole.» Williams ist verunsichert. Zunächst entfernt sich der 22-Jährige vom Ort des Vorfalls, wie auch die zwei Frauen. Was Williams nicht weiss: Ganz in der Nähe ist ein Mann mit einem Pick-up-Truck auf einen Fussgänger- und Fahrradweg gefahren und hat acht Menschen getötet.

30 Sekunden später hört Williams fünf bis zehn Schüsse. «Einen nach dem anderen», sagt er. Williams kehrt um und geht auf die Schüsse zu, um zu sehen, was vor sich geht. «Ich sah einen Mann am Boden liegen mit dem Gesicht nach unten. Es sah aus, als sei er verletzt. Gleich neben ihm wurde ein anderer Mann festgenommen.» Er habe gekniet und sich nicht gewehrt.

«Ich hörte fünf bis zehn Schüsse, einen nach dem anderen»: John Williams spricht mit den Medien. (1. November 2017) Video: Twitter/CGTN

Der Strassenblock an der Chambers Street wird schnell abgesperrt, Polizei und Feuerwehr sind vor Ort, Hubschrauber kreisen über der Gegend. Auf den Strassen stauen sich Tausende von Fahrzeugen. Wegen des Halloween-Fests sind zudem deutlich mehr Menschen auf den Strassen unterwegs als sonst.

Als Eugene Duffy die ersten Schreie hört, denkt er zunächst an Halloween. «Ich dachte, vielleicht wurde jemand erschreckt», sagt er später zu CNN. «Aber dann merkte ich, man kann gar nicht so fest erschreckt werden, dass man so schreit, wie diese Leute schrien.» Dann sieht Duffy den weissen Pick-up-Truck und zwei Männer, die am Boden liegen. «Sie hatten Abdrücke von Reifen auf ihrem Körper. Man sah, dass sie nicht mehr am Leben waren.» Auch Duffy berichtet, er habe neun bis zehn Schüsse gehört.

Dutzende Schüler der High School und Schaulustige stehen an den Absperrungen. Wie ABC News berichtet, war es einer der Schüler, der den Moment gefilmt hat, als der Täter aus dem Pick-up-Truck stieg. Gemäss der Polizei war er mit einer Paintball-Pistole und einem Luftgewehr bewaffnet. Kurze Zeit später wurde er von der Polizei angeschossen und festgenommen.

Aufnahmen des Täters nach Verlassen des Fahrzeugs und seiner Festnahme. (31. Oktober 2017) Video: CNN/Twitter/Snapchat (mch/sda)

Deine Meinung