Ancillo Canepa: «Ohne Abstieg wären wir vielleicht nicht so weit»
Aktualisiert

Ancillo Canepa«Ohne Abstieg wären wir vielleicht nicht so weit»

Für den FCZ endet heute mit dem Kantonsderby in Winterthur ein turbulentes Jahr 2016. Präsident Ancillo Canepa blickt positiv in die Zukunft.

von
A. Stäuble
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Vor etwas mehr als einem halben Jahr steckte der FCZ in einer riesigen Krise: Am 12. Mai 2016 muss er gehen: Der FCZ trennt sich nach dem 0:4-Fiasko zu Hause gegen Lugano von Trainer Sami Hyypiäe.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr steckte der FCZ in einer riesigen Krise: Am 12. Mai 2016 muss er gehen: Der FCZ trennt sich nach dem 0:4-Fiasko zu Hause gegen Lugano von Trainer Sami Hyypiäe.

Keystone/Walter Bieri
Tags darauf, am Freitag, 13. Mai 2016, wird Uli Forte als FCZ-Feuermann vorgestellt. Die Zeit ist knapp.

Tags darauf, am Freitag, 13. Mai 2016, wird Uli Forte als FCZ-Feuermann vorgestellt. Die Zeit ist knapp.

Keystone/Walter Bieri
Im Mai 2016 steht der FC Zürich am Abgrund. Uli Forte soll den Traditionsclub vor dem Gang in die Zweitklassigkeit bewahren.

Im Mai 2016 steht der FC Zürich am Abgrund. Uli Forte soll den Traditionsclub vor dem Gang in die Zweitklassigkeit bewahren.

Keystone/Ennio Leanza

Ancillo Canepa, wie denken Sie, sieht das Bild aus, das der FC Zürich in der Fussballschweiz abgibt?

Ich glaube der FCZ gibt aus verschiedenen Gründen ein sehr gutes Bild ab. Er ist ein erfolgreicher Club – wenn auch «nur» in der Challenge League. Er hatte gute Auftritte im Europacup, bessere, als ihm zugetraut worden waren. Er ist im Schweizer Cup eine Runde weiter und hat im Frühling ein wichtiges Spiel (Viertelfinal gegen Basel, die Red.) vor sich. Das wiederum sorgt für Vorfreude. Alle unsere Spiele werden live im TV übertragen. Und auch im Letzigrund haben wir mehr Zuschauer als im Vorjahr. Zudem herrscht Stabilität und eine Unaufgeregtheit im Club. Entsprechend positiv sind die Reaktionen, die ich erhalte. Man ist zufrieden damit, wie es beim FCZ momentan läuft.

Woher kommt das Feedback?

Von überall her und dies tagtäglich. Egal wo ich mich aufhalte, sei es auf der Strasse, beim Einkaufen, im Restaurant oder in meinem persönlichen Umfeld. Ich kann nirgendwo hingehen, ohne dass ich nicht auf den FCZ angesprochen werde. Auch medial ist eine gewisse Anerkennung zu spüren.

Und aus anderen Teilen der Fussballschweiz? Spüren Sie Neid?

Nein, eher im Gegenteil. Von den anderen Challenge-League-Clubs werden wir immer extrem gastfreundlich empfangen. Man freut sich, denn mit dem FCZ rückt die Challenge League mehr in den Fokus und ist medial viel präsenter und wir bringen sehr viele Zuschauer. Bei den Auswärtsspielen sind die Stadien mehr oder weniger voll besetzt und es herrscht immer eine sehr gute und faire Atmosphäre. Von da her ist es eine schöne Erfahrung.

Das unschöne Bild, das der FCZ im Frühling abgegeben hatte, die Tristesse und die Wut nach dem Abstieg waren im Nu ausradiert. Waren Sie überrascht, wie schnell dies passierte?

Dass meine Frau und ich unmittelbar nach dem Abstieg den strategischen Entscheid fällten, den sofortigen Wiederaufstieg anzustreben, und dies auch rasch kommunizierten, war wichtig. Damit konnten wir auch die wichtigsten Personalien wie jene des Cheftrainers und des sportlichen Leiters regeln. Wir haben dann gemeinsam mit ihnen die konkrete Kaderplanung vorgenommen. Wichtig war, dass wir nur Spieler holen wollten, die zum FCZ passen und unbedingt zum FCZ kommen wollten, um uns bei diesem Projekt zu unterstützen. Natürlich haben auch die sportlichen Erfolge zu Beginn der Saison geholfen. Das alles hat für ein gutes Klima und eine positive Dynamik gesorgt.

Waren Sie überrascht, dass es so reibungslos und rasant ging?

Natürlich habe ich mir dies erhofft. Während der Vorbereitung haben wir sehr intensiv an der Kaderzusammenstellung gearbeitet und gingen davon aus, eine gute Ausgangslage zu haben. Während dieser Zeit haben wir zudem die wichtige Neuzusammensetzung des gesamten Trainerstabes vorgenommen. Aber vieles hängt davon ab, was dann auf dem Platz passiert. Und was das angeht, kamen wir glücklicherweise schnell auf einen guten Weg.

Die neue FCZ-Welt ist derart heil, es ist fast unheimlich. Haben Sie das so schon erlebt?

Gute Frage. Das Klima und die Stimmung innerhalb der Mannschaft sind positiv wie lange nicht. Es hängt viel damit zusammen, dass wir die richtigen Spieler mit dem richtigen Charakter geholt haben. Die neuen Spieler haben Lebensfreude und eine vorbildliche Professionalität eingebracht und damit auch die anderen mitgezogen.

Der wichtigste Baustein ist jedoch Uli Forte, nicht?

Absolut! Unser Cheftrainer hat einen immens grossen Verdienst an dieser Entwicklung. Uli Forte ist ein erfahrener und sehr authentischer Trainer mit überdurchschnittlichen Führungsqualitäten. Einer, der den direkten Kontakt zu den Spielern sucht und kommunikativ sehr begabt ist, auch weil er mehrere Sprachen spricht. Das hilft. Er macht einen hervorragenden Job.

Die Mission Wiederaufstieg läuft, die Mission Europa war ein Erfolg, im Cup wartet der Viertelfinal-Knüller gegen Basel – zumindest in dieser Saison dürfte die FCZ-Welt heil bleiben?

Darüber mache ich mir keine Sorgen. Wir haben stabile Strukturen und sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Nach dem Aus in Europa können die Vorbereitungen starten.

Natürlich werden wir uns damit beschäftigen, wie das Kader nächste Saison ausschauen könnte. Aber vorerst nehmen wir Spiel für Spiel. Es gab auch schon Mannschaften, die führten in der Winterpause mit 15 Punkten Vorsprung die Tabelle an und sind dann trotzdem nicht aufgestiegen. Ich befürchte es nicht, aber es gilt, weiterhin sehr konzentriert und fokussiert zu bleiben.

Würde der aktuelle Kader für die Super League taugen?

Der aktuelle Kader wäre wahrscheinlich stark genug. Aber das gilt auch für andere Vereine in der Challenge League. Die Unterschiede zwischen Super und Challenge League sind in den letzten Jahren bedeutend kleiner geworden.

Sind Sie im letzten halben Jahr an einen Punkt gekommen, an dem Sie sagten, ja, der Abstieg war gut?

(lacht) So drastisch würde ich es nicht formulieren. Aber ja, er hat uns die Möglichkeit eröffnet, einen Stopp einzulegen, vieles zu hinterfragen und entsprechende Massnahmen – vor allem im personellen Bereich – umzusetzen. Ohne den Abstieg wären wir heute vielleicht nicht so weit.

Eine Art Selbstreinigung?

Ja, absolut.

Der FCZ gibt der Challenge League viel. Was gibt die Challenge League dem FCZ?

Es ist interessant und spannend, in der Meisterschaft gegen Teams zu spielen, denen man sonst nur in Testspielen oder im Cup gegenübersteht. Und auch die Atmosphäre, die in den Stadien herrscht, ist meistens sehr sympathisch. Heute reisen wir zum Derby nach Winterthur und spielen in einem ausverkauften Stadion – darauf freue ich mich besonders.

Es klingt, als würden Sie die Challenge League schon jetzt vermissen. Ich gehe davon aus, Sie wollen sie trotz allem Ende Saison wieder verlassen?

So hoffnungsvoll und zuversichtlich ich auch bin, dass wir nächste Saison wieder in der Super League spielen werden: Ich will mich nicht auf die Äste hinauslassen. Es geht jetzt primär darum, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

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