Gesichter der Zuwanderung: «Ohne Arbeit würde ich nach Polen zurückgehen»
Aktualisiert

Gesichter der Zuwanderung«Ohne Arbeit würde ich nach Polen zurückgehen»

Der 26-jährige Lukasz Kobylisnki aus Polen arbeitet im Gartenbau. Er kam in die Schweiz, um Geld zu verdienen und Erfahrungen zu sammeln. Seine Zukunft sieht er in seinem Heimatland.

von
Christoph Bernet

Herr Kobilinsky, warum sind Sie in die Schweiz gekommen?

Ich habe in Polen eine Gartenbauausbildung gemacht. Nach dem Abschluss habe ich aber keine Arbeit gefunden. Ich bin in die Schweiz gekommen, weil ich hier Geld verdienen und Erfahrungen in der Gartenbaubranche sammeln kann.

Ist Ihre Familie dabei?

Meine Familie lebt in Polen. Allerdings habe ich noch keine Kinder. Meine Freundin lebt ebenfalls in der Schweiz. Ich sehe sie jeweils an den Wochenenden. Sie arbeitet bereits seit zwei Jahren auf einem Bauernhof im Kanton St. Gallen und hätte die Möglichkeit, langfristig hierzubleiben. Allerdings möchte sie später auch wieder nach Polen zurück, weil ihre ganze Familie und ihre Freunde dort leben.

Welcher Arbeit gehen Sie nach?

Ich helfe beim Anpflanzen, beim Pflegen und beim Versand von Blumen, Ziersträuchern und Obstbäumen hier im Betrieb.

Wie wohnen Sie?

Ich teile mit einem Arbeitskollegen eine 2.5-Zimmerwohnung im Wohnhaus meines Chefs.

Pendeln Sie zum Arbeitsort?

Ich wohne zum Glück nur 700 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt. Die Firma hat mir ein Fahrrad zur Verfügung gestellt, damit fahre ich auch zum Einkaufen ins Dorf.

Was würden Sie machen, wenn Sie Ihren Job verlieren würden?

Ich würde nach Polen zurückkehren. In der Schweiz fehlen mir das soziale Umfeld und die Bezugspersonen, um hier zu bleiben. Allerdings habe ich hier eine Festanstellung für ein Jahr, solange habe ich meine Arbeit also auf sicher.

Unter welchen Umständen würden Sie in ihr Heimatland zurückkehren?

Nach Ablauf meines befristeten Arbeitsvertrages hier in der Schweiz habe ich vor, wieder in Polen zu arbeiten. Bevor ich hierher gekommen bin, habe ich als Saisonarbeiter bei einer Gärtnerei gearbeitet. Danach hatte es dort aber keine freie Stelle für mich. Der Chef dort hat mir gesagt, nach meinem Einsatz in der Schweiz könne er mir eine Stelle verschaffen. Wenn das nicht klappen sollte, würde ich wohl versuchen, auf dem landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern mit einen Gärtnereibetrieb anzufangen.

Fühlen Sie sich in der Schweiz willkommen?

Ja, ich fühle mich sehr wohl hier. In der Schweiz herrscht ein gutes Klima, die Leute sind sehr freundlich und offen. Ich habe bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht mit den Schweizern. In meiner Zeit hier will ich Ausflüge unternehmen, um möglichst viel vom Land zu sehen.

Verstehen Sie, dass viele Schweizer denken, die Schweiz stosse bei der Zuwanderung an Grenzen?

Ich kann das verstehen, schliesslich kommen sehr viele Leute in die Schweiz. Es ist nicht einfach für ein Land, wenn viele Leute mit verschiedenen Hintergründen, mit unterschiedlichen Mentalitäten einwandern. Hier ist die Herausforderung, ein gutes Gleichgewicht zu finden.

Das sind die Einwanderer

Im Hinblick auf die Abstimmung über die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP stellt 20 Minuten in einer Serie die Menschen vor, die hinter der Zuwanderung stehen. Wir portätieren Einwanderer aus verschiedenen Herkunftsländern, die in ganz unterschiedlichen Berufen arbeiten.

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