Altersheim in Zollikofen BE: «Ohne Besetzung finden wir kein Gehör»
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Altersheim in Zollikofen BE«Ohne Besetzung finden wir kein Gehör»

Gegen die Besetzung eines ehemaligen Altersheimes in Zollikofen regt sich Widerstand: Ein Bürgerkomitee fordert die umgehende Räumung. Die Besetzer erklären sich.

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sul
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Am Donnerstagmorgen begann die Polizei mit der Räumung des besetzten Gebäudes.

Am Donnerstagmorgen begann die Polizei mit der Räumung des besetzten Gebäudes.

KM
Mehrere Polizisten in Kampfmontur sind bereits in den Gebäudekomplex eingedrungen.

Mehrere Polizisten in Kampfmontur sind bereits in den Gebäudekomplex eingedrungen.

KM
Wegen des Grosseinsatzes musste der Verkehr an der an der Wahlackerstrasse in Zollikofen teilweise gesperrt werden.

Wegen des Grosseinsatzes musste der Verkehr an der an der Wahlackerstrasse in Zollikofen teilweise gesperrt werden.

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Seit vergangenem Donnerstag besetzt ein Kollektiv das ehemalige Betagtenheim an der Wahlackerstrasse in Zollikofen. Mit ihrer Aktion protestieren die Besetzer gegen den bald zwei Jahre dauernden Leerstand des Gebäudes und haben dieses darum nach eigener Aussage «wiederbelebt».

Weil die Gemeinde unter einer Wiederbelebung etwas anderes versteht und die von ihr gesetzte Frist zum freiwilligen Verlassen des Hauses am Freitag verstrichen ist, will sie Strafanzeige einreichen und das Gebäude durch die Polizei räumen lassen. Dies teilt die Behörde auf ihrer Homepage mit.

Aber auch aus der Bevölkerung bläst den Aktivisten ein scharfer Wind entgegen. Ein Bürgerkomitee, das sich als Sprachrohr der «schweigenden und erschrockenen Zolliköfler» sieht, unterstützt den Gemeinderat in seiner Haltung.

Liegenschaft geht an Gebäudeversicherung

«Die akribisch und von langer Hand geplante Besetzung durch eine grosse Aktivistengruppe löst bei den Anwohnern Angst aus», schreibt das Komitee in einer Mitteilung. Für Unbehagen würden insbesondere das vermummte Auftreten, nächtliche Kontrollgänge auf dem Dach und Sprayereien auf den Fassaden sorgen. «Die Eltern in der unmittelbaren Nachbarschaft und den umliegenden Quartieren, deren Kinder nach den Ferien am besetzten Gebäude vorbei auf den Schulweg gehen, sind sehr besorgt.»

20 Minuten hat die Besetzer mit den Befürchtungen des Bürgerkomitees konfrontiert: «Da uns mit der polizeilichen Räumung gedroht wurde und wir uns vor Repressionen schützen möchten, haben wir uns entschieden, unsere Gesichter nicht zu zeigen», teilt das Kollektiv auf Anfrage mit. Allerdings werde versucht, den Anwohnern möglichst unvermummt und «auf Augenhöhe» zu begegnen. «Da das Bürgerkomitee ebenfalls auftritt, ohne Gesichter zu zeigen, verstehen wir den Vorwurf nicht», teilen die Besetzer weiter mit. Ausserdem würden sie bedauern, dass Mitglieder des Komitees eine Gesprächseinladung ausschlugen.

«Wir geniessen lediglich die Aussicht»

Diese gelte jedoch noch immer: «Das Bürgerkomitee ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen.» Auch Menschen, die sich unsicher fühlten, seien herzlich willkommen – es sei ein offenes Haus. Und das Kollektiv stellt klar: «Wir führen keine Kontrollgänge auf dem Dach durch. Wir und auch Besucher geniessen dort lediglich die schöne Aussicht.»

Gegenüber 20 Minuten erklären die Besetzer, warum sie das ehemalige Betagtenheim besetzten: Sie wollen dort ein sogenanntes Mehrgenerationenhaus einrichten. «Durch die Besetzung eines Hauses schaffen wir uns eine Verhandlungsgrundlage», heisst es. «Ansonsten finden wir kein Gehör.» In der Vergangenheit seien solche Anliegen nicht wahrgenommen worden. Man habe bereits viele Ideen gesammelt.

Gespräche mit dem Gemeindepräsidenten

Eigentümerin der Liegenschaft ist aktuell die Gemeinde Zollikofen. Am Montagnachmittag fanden erneut Gespräche zwischen den Besetzern und Gemeindepräsident Daniel Bichsel statt. Die Gemeinde gibt den Besetzern bis Dienstagmittag Zeit das Gebäude zu verlassen, allenfalls will sie die polizeiliche Räumung in die Wege leiten.

Die Gebäudeversicherung will das Haus an der Wahlackerstrasse übernehmen und ihrerseits in ein Mehrgenerationenhaus umwandeln. Eine rechtskräftige Baubewilligung liegt jedoch noch nicht vor. Nutzen und Schaden der Liegenschaft gehen erst bei deren Vorliegen an die Gebäudeversicherung über. Im Vertrag wird zudem eine Übergangsnutzung ausgeschlossen.

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