Landeskennzeichen: Ohne CH-Kleber kann es teuer werden

Wer kontrolliert, dass Schweizer Fahrzeuge den CH-Kleber angebracht haben? Die AGVS-Expertin klärt auf. 

Wer kontrolliert, dass Schweizer Fahrzeuge den CH-Kleber angebracht haben? Die AGVS-Expertin klärt auf. 

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Landeskennzeichen Ohne CH-Kleber kann es teuer werden

Zwar wird im Ausland oft ein Auge zugedrückt, aber eigentlich ist der 11,5 bis 17,5 Zentimeter grosse, ovale CH-Kleber am Heck eines Autos obligatorisch. Und ein fehlendes Landeskennzeichen kann teuer werden, wie die AGVS-Expertin weiss.

von
Olivia Solari, AGVS

Frage von Marcel ans AGVS-Expertenteam

Bekanntlich müssen Fahrzeuge mit Schweizer Kennzeichen im Ausland am Heck einen CH-Kleber haben. Ich bin sehr viel im Dreiländereck unterwegs und hier sind gefühlt acht von zehn Schweizer Fahrzeugen ohne unterwegs. Wer kontrolliert dies, respektive sollte dies kontrollieren, und wer erteilt allenfalls Bussen bei Nichtvorhandensein dieses Schildes?

Antwort: 

Lieber Marcel


Du liegst richtig, dass Schweizer Fahrzeuge, wenn sie im Ausland unterwegs sind, das Schweizer Landeszeichen angebracht haben müssen. Dies wird in Art. 45 Abs. 1 der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) festgehalten. In Anhang 4 finden sich sodann die genauen Grössenvorschriften. Achtung: Die ebenfalls existierende «Kleinversion» des CH-Klebers entspricht nicht den vorgegebenen Massen der VTS und ist daher ungültig. Daher bitte immer die normale Grösse kaufen.


Witzig ist vielleicht noch der Ursprung dieses Klebers: Die Regelung der VTS führt auf das Wiener Übereinkommen über den Strassenverkehr vom 8. November 1968 zurück, welches auch die Schweiz ratifizierte. Darin verpflichten sich die Vertragsparteien dazu, den internationalen Strassenverkehr zu erleichtern und sicherer zu machen, indem z. B. die Staatsangehörigkeit direkt anhand des Nummernschilds erkennbar sein muss (Art. 37 Ziff. 1 Bst. A des Übereinkommens).

Für die Kontrolle der Umsetzung und für die Erteilung von Sanktionen sind die ausländischen Polizeibeamten zuständig.

Olivia Solari, AGVS


Absatz b desselben Artikels besagt, dass dieses Unterscheidungszeichen für den jeweiligen Staat entweder unabhängig vom Kennzeichen oder als Bestandteil davon angebracht werden kann. Da nach dem Wiener Übereinkommen ein Landeswappen diesen Anforderungen an ein Unterscheidungszeichen nicht entspricht, braucht es zusätzlich das ovale Nationalitätszeichen als Kleber.

Die Bussspanne reicht dabei von 15 Euro in Deutschland bis zu 335 Euro in Italien.

Olivia Solari


Für die Kontrolle der Umsetzung und für die Erteilung von Sanktionen sind die ausländischen Polizeibeamten zuständig. Zumal die Schweiz kein Mitglied der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) ist, werden von den Ländern individuelle Regelungen dazu erlassen. Ich nenne dir einige Beispiele unserer Nachbarstaaten, welche du anschauen kannst: Art. 133 Abs. 1 des Codice della strada (Italien), §21 Abs. 2 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (Deutschland), Art. 11 Arrêté du 1 julliet 1996 (Frankreich) und §82 Abs. 4 des Kraftfahrgesetzes (Österreich). Die Bussspanne reicht dabei von 15 Euro in Deutschland bis zu 335 Euro in Italien. Diese Beispiele sollen dir als Anschauung dienen und sind selbstverständlich nicht abschliessend. Sie machen aber alle deutlich: Es ist besser, den ovalen Kleber am Heck anzubringen, wenn du im Ausland unterwegs bist, statt eine Busse zu riskieren.


Gute Fahrt! 

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