Aktualisiert 06.11.2015 06:11

Arbeitslose Teens

«Ohne das Projekt würde ich nur herumsiffen»

Damit junge Berner nicht auf die schiefe Bahn geraten, bietet ihnen der Kanton ein Motivationssemester. Nun erhält das Projekt 1,56 Millionen Franken zugesprochen.

von
Mira Weingartner
Die Motivation der Projekt-Teilnehmer ist gross: Sie alle peilen ehrgeizig eine Lehre an.

Die Motivation der Projekt-Teilnehmer ist gross: Sie alle peilen ehrgeizig eine Lehre an.

Puff mit dem Chef, schlechte Noten oder falsche Berufswünsche: Einen Platz in der Berufswelt zu finden, fällt einigen jungen Leuten schwer – schweizweit sind zurzeit rund 20'000 Jugendliche ohne Anstellung. Um arbeitslosen 15- bis 20-jährigen Berner zu helfen, wird vom Kanton Bern ein sogenannten Motivationssemester angeboten. Das Projekt des Kompetenzzentrums Arbeit ist für die Behörden ein Erfolg – der bernische Regierungsrat hat am Donnerstag einen Kredit in der Höhe von 1,56 Millionen Franken bewilligt, um die bereits über zehnjährige Institution weiter fortzuführen.

Rund 450 Jugendliche besuchen zurzeit das Angebot. «Wenn es das Motivationssemster nicht gäbe, würde ich nur herumsiffen», sagt ein 19-jähriger Teilnehmer, dem vor Kurzem sein Lehrvertrag als Detailhändler gekündigt wurde. In der Berner Lorraine –an einem der vier Schul-Standorte im Kanton– besucht er fünfmal pro Woche den Unterricht. Davon büffelt er zweimal pro Woche verpassten Unterrichtsstoff nach und feilt an seinen Bewerbungen, drei Tage arbeitet er in der Werkstatt des Projektes. Gemütliches Werkeln steht dabei nicht auf dem Programm: «Wir haben genaue Vorgaben, einen einzuhaltenden Zeitplan und ganz klare Linien», sagt Susanne Seiler vom Kompetenzzentrum – die Schüler sollen sich so für die Berufswelt wappnen.

«Es ist eine Lebensschule»

«Es ist ein Lebenschule hier», meint der 19-jährige Projektteilnehmer. Mit dem Frust seiner gescheiterten Lehre sei er erst demotiviert und auf Drängen des RAVs hin in das Projekt eingestiegen – nun sei er überrascht, wie viel er bereits nach zwei Monaten davon profitiere. Auch seine gleichaltrige Kollegin, deren erster Versuch als Fachangestellte Gesundheit misslungen ist, konnte im Projekt neues Selbstbewusstsein tanken. So hat sie schnell eine neue Stelle in einem Altersheim gefunden – dort wird sie die zweijährige Ausbildung als Assistentin Gesundheit und Soziales absolvieren.

Job-Chancen sind gut

Rund 40 Prozent der Projektteilnehmer finden in der Zeit eine EFZ-Lehrstelle, ein Viertel wird später eine Attestausbildung vorweisen können. Für solche, die während des neunmonatigen Projektes den Schritt nicht in die Berufswelt schaffen, werden Alternativen gesucht. Zudem wird auch das Motivationssemester todo Plus angeboten; dies für junge Erwachsene mit mehfacher Problematik: «Dort werden in erster Linie Sozialkompetenzen gelehrt und eine Grundarbeitmarktsfähigkeit wird trainiert», so Seiler. Sei eine Berufsintegration nicht möglich, würden auch IV-Übertritte abgeklärt. Das Brücken-Semester soll den Jugendlichen jedenfalls Klarheit über ihre Zukunft bringen. So meint ein Kursteilnehmer: «Alle wollen so schnell wie möglich wieder aus dem Projekt verschwinden – aber nicht weil es uns hier nicht gefällt, sondern weil wir unsere Zukunft nun selbständig anpacken wollen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.