Gjon’s Tears verrät im Gespräch mit 20 Minuten: «Ohne den Support meines Grossvaters wäre ich nie soweit gekommen.»
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Gjon’s Tears«Ohne den Support meines Grossvaters wäre ich nie soweit gekommen»

Nach seinem ESC-Erfolg stehen für Gjon’s Tears stressige Zeiten an. Uns erzählt er, wie er die ersten Tage nach dem Finale verbracht hat und wohin die Reise als nächstes geht.

von
Katrin Ofner
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Beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertrat Gjon’s Tears mit seinem Song «Tout L’Univers» die Schweiz.

Beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertrat Gjon’s Tears mit seinem Song «Tout L’Univers» die Schweiz.

imago images/TT
Mit seiner unglaublichen Performance der melancholischen Ballade erreichte er den dritten Platz im Finale.

Mit seiner unglaublichen Performance der melancholischen Ballade erreichte er den dritten Platz im Finale.

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Beim Jury-Voting lang der 22-Jährige sogar kurzzeitig sogar auf dem ersten Platz. Zahlreiche Länder gaben ihm zwölf Punkte.

Beim Jury-Voting lang der 22-Jährige sogar kurzzeitig sogar auf dem ersten Platz. Zahlreiche Länder gaben ihm zwölf Punkte.

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Darum gehts

  • Mit dem Song «Tout L’Univers» erreichte Gjon’s Tears für die Schweiz beim diesjährigen Eurovision Song Contest den dritten Platz.

  • Der 22-Jährige freute sich nach seinem Erfolg auf reichlich Schlaf.

  • Wie er die ESC-Zeit erlebt hat, welche Termine im nächsten Monat anstehen und warum er sich über die Doppeladler-Frage geärgert hat, verrät er im Gespräch mit 20 Minuten.

Gjon, nach dem ESC-Finale warst du nun eine Woche zuhause in der Schweiz. Wie fühlst du dich?

Ich war sehr glücklich, wieder zuhause zu sein. Es war eine verrückte Zeit, aber natürlich auch etwas ermüdend. Man muss sehr viele Interviews geben. Ich freute mich auf ein bisschen mehr Schlaf. Aber wie ich gerne sage: Ich habe ja noch Zeit zu schlafen, wenn ich tot bin.

Wir haben uns ja kurz nach deinem Sieg am ESC am Flughafen getroffen und eine Frage zur Diskussion zu deiner Doppeladler-Geste gestellt. Das hat dich wütend gemacht. Warum?

Um ehrlich zu sein, war ich nicht richtig verärgert, sondern sehr müde. Ich hatte nur eine Stunde Schlaf im Flugzeug. Daher war ich ohnehin nicht in der besten Stimmung. Als ich gelandet bin, war ich überwältigt, wie viele Menschen mir gratuliert haben. Bei den Medien, die vor Ort waren, sah ich es etwas anders. Natürlich hattet ihr nicht viel Zeit, mir Fragen zu stellen, da ich einerseits sehr müde war und andererseits ein Interview bei SRF wartete. Dennoch war mein Gefühl, dass euch und den anderen bei der kurzen Interview-Zeit nur die Doppeladler-Geste, nicht aber meine Leistung interessierte. Anfangs war ich sehr bestürzt darüber.

Gibt es einen Grund, warum man als Gesellschaft oder in den Medien nicht über diese Geste sprechen sollte?

Man sollte sich erst darüber informieren, bevor man über die Geste spricht. Wenn ich beispielsweise zu Palästina und Israel gefragt werde, werde ich nichts sagen. Der Grund: Ich weiss nicht genug darüber und habe nicht die nötigen Informationen. Ich habe das Zeichen gemacht, um mich bei Albanien für die zwölf Punkte zu bedanken. Sowohl in Serbien als auch in Albanien hat man den Doppeladler auf der Flagge, daher ist nichts Schlechtes an der Geste. Wie gesagt: Ich bin ein Sänger und kein Politiker.

Gibt es denn auch einen Grund, warum man über diese Geste dringend sprechen sollte?

Wenn wir in Erwägung ziehen, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen, dann vielleicht. Wir sollten über alles diskutieren und reden, wenn wir denken, dass es von Bedeutung ist. Als wir am Flughafen waren und ihr nur drei Fragen zur Verfügung hattet, hat es mich einfach traurig gemacht, dass ihr dachtet, dass diese Geste in dem Moment tatsächlich eines der drei wichtigsten Themen war. Es hätte so viele andere Fragen gegeben, die ihr mir hättet stellen können. Ich bin aber sehr glücklich, dass wir nun dieses Interview machen. Ich habe grossen Respekt vor Journalisten und Journalistinnen, die hart und viel arbeiten und ihre Recherchen machen, sich auf den Künstler oder die Künstlerin einlassen und daher danke ich sehr für dieses Gespräch.

Wir danken ebenfalls. Nach deinem Erfolg beim ESC hast du mittlerweile eine internationale Fanbase. Und wenn Rihanna ihre «Navy» hat und Justin Bieber seine «Beliebers» - Wie lautet der Name der Gjon's Tears-Fans?

Ich habe gesehen, dass ein paar Leute ihren Namen nun mit «s’ Tears» schreiben. Zum Beispiel Amanda’s Tears oder Lydia’s Tears – vermutlich sieht so der Name meiner Fanbase aus (lacht).

Was ist eigentlich die Geschichte hinter «Tears»?

Als ich das erste Mal für meinen Grossvater sang – da war ich ungefähr acht Jahre alt -, hat er angefangen zu weinen. Seine Tränen waren für mich so symbolisch, daher trage ich sie nun in meinem Stage-Namen. Mein Grossvater hat mal zu mir gesagt, dass ich irgendwann sehr berühmt sein werde, er aber nicht mehr da sein wird, um den Erfolg zu sehn. Daher wollte ich ihn so nah wie möglich bei mir haben. Ohne seine Unterstützung wäre ich nie soweit gekommen.

Konntest du mit deinem Grossvater schon über den Eurovision Song-Contest reden?

Nach dem Auftritt habe ich ihn direkt per Video-Call angerufen. Noch bevor ich ihn fragen konnte, wie er meine Performance fand, sah ich, dass er weinte. Es machte mich so glücklich, weil es bedeutete, dass meine Superpower erneut bei ihm funktioniert (lacht!) hat. Er ist sehr stolz auf mich.

Zu Recht. Auch Die ESC-Jury hat dich geliebt. Was denkst du, war der Grund für so viele Punkte?

Ich wollte stets authentisch sein und die Zuschauer und Zuschauerinnen berühren. Obwohl meine Performance für die Jury gar nicht meine beste war, haben sie mich auf den ersten Platz gevotet. Unglaublich, und darauf bin ich sehr stolz. Jetzt habe ich die Bestätigung von den Profis in der Musikindustrie, dass meine Leistung und meine Stimme qualitativ und gut sind.

Was steht bei dir denn als nächstes an?

Am Wochenende war ich in Albanien. Nun geht es nach Frankreich, um an meinem Album zu arbeiten, und dann geht es weiter nach Spanien, wo ich in einer Show singen werde.

Könntest du dir auch vorstellen, in einer anderen Sprache als Französisch zu singen?

Mir ist die persönliche Weiterentwicklung sehr wichtig, daher ja. Ich singe in Englisch und Albanisch sehr gerne. Und wer weiss, vielleicht wird es auf dem Album auch ein Lied auf Chinesisch geben. (lacht)

Was dürfen deine Fans vom Album erwarten?

Die Platte wird durch und durch ich sein. Natürlich würde ich dann auch gerne auf Tour gehen. Wir müssen aber erst schauen, ob es mit Covid überhaupt klappt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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