Flughafen: Angestellte verstecken sich vor Touristen
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FlughafenAngestellte verstecken sich vor Touristen

Stéphane Dähler führt in Costa Rica ein Reisebüro. Derzeit erlebt der Ostschweizer eine turbulente Zeit. Eine Freundin erzählt, wie er überall zu helfen versucht.

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mig
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Stéphane Dähler half am Dienstag vielen Leuten am internationalen Flughafen von San José in Costa Rica.

Stéphane Dähler half am Dienstag vielen Leuten am internationalen Flughafen von San José in Costa Rica.

Wikipedia/Ivanmartinez
Der Ostschweizer meint: «Die Leute waren unsicher bezüglich der Flüge. Die Flüge werden aufgrund des Coronavirus abgesagt, verschoben oder sind dann doch plötzlich planmässig.»

Der Ostschweizer meint: «Die Leute waren unsicher bezüglich der Flüge. Die Flüge werden aufgrund des Coronavirus abgesagt, verschoben oder sind dann doch plötzlich planmässig.»

iStock/Jhvephoto
Viele Leute seien auch ohne gültiges Flugticket an den Schalter gegangen. Er habe die Leute angesprochen, ihnen teils Flugtickets organisiert oder an die zuständigen Stellen vermittelt, so Dähler.

Viele Leute seien auch ohne gültiges Flugticket an den Schalter gegangen. Er habe die Leute angesprochen, ihnen teils Flugtickets organisiert oder an die zuständigen Stellen vermittelt, so Dähler.

Wikipedia/Mariordo

Desirée Müller ist beeindruckt von ihrem Kollegen Stéphane Dähler, Sohn des Schweizer «Ananaskönigs» Johann Dähler, und was dieser gerade vor Ort in Costa Rica für Touristen leiste. Der 35-Jährige führt seit rund zehn Jahren ein Reisebüro in Costa Rica. Am Dienstag brachte der Ostschweizer Kunden an den internationalen Flughafen in San José. Dort hätten sich einige Flughafenangestellte sogar vor den Menschenmassen versteckt, da sie überfordert waren mit der Situation. Doch Dähler habe vermitteln können und das nicht nur für seine Kunden. Für sie sei er damit ein «kleiner Held des Alltags».

Dähler habe sich vor Ort direkt mit Angestellten abgesprochen und dafür gesorgt, dass die verängstigten Touristen mit den Fragen zuerst zu ihm und seinen Mitarbeitern kamen. Dähler spreche mit Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch vier Sprachen. «Das hat ihm geholfen», so Müller. Die Schaltermitarbeiter hätten so weiter arbeiten können, und Dähler habe sich um Reisende gekümmert.

Spürbare Angst

Der Ostschweizer selbst sagt rückblickend: «Am Flughafen spürst du die Angst und den Stress der Leute.» Er habe vor Ort versucht, ein grösseres Chaos zu verhindern, die Panik zu bremsen. Sein oberstes Ziel sei gewesen, die Leute zu beruhigen. Er habe die Leute angesprochen, ihnen teils Flugtickets organisiert oder an die zuständigen Stellen vermittelt, so Dähler.

Doch nicht nur am Flughafen versucht der Ostschweizer zu helfen, sondern auch sonst. Er hat Flyer erstellt und breit verteilt. In diesen gibt er den Reisenden Tipps. Dazu sagt der 35-Jährige: «Das wichtigste ist, dass die Leute nur mit einem gültigen Flugticket an den Flughafen gehen, sonst droht ein Chaos.»

Die Zusammenarbeit mit allen anderen involvierten Stellen funktioniere gut. Seien es Transportunternehmen oder Hotels, viele würden den Gästen entgegenkommen. «Untereinander in Costa Rica kommunizieren wir in dieser speziellen Lage umso mehr. Alle halten zusammen.»

Dankbarkeit überrascht Dähler

Seine Bemühungen schätzen die Leute. Ein Paar hat etwa geschrieben: «Herzlichen Dank für deinen unermüdlichen Einsatz. Ohne dich hätten wir es nicht auf den Flieger zurück in die Schweiz geschafft.» Auch von anderen Personen erhalte er ähnliche Nachrichten. Diese Dankbarkeit schätzt Dähler. Erwartet habe er sie aber nicht.

Zu seiner Motivation sagt Dähler: «Alles was ich bisher erlebt habe, treibt mich an. Ich mache das freiwillig und werde nicht vom Flughafen oder Fluggesellschaften bezahlt.» Er sei in Afrika aufgewachsen und seine Familie habe damals selbst alles verloren. Doch Leute hätten ihnen geholfen. Heute könne er nun anderen helfen. Bereits am Freitag will Dähler wieder an den Flughafen in San José, wieder zuhören und Lösungen suchen. Als Held sieht er sich selbst nicht. Er wolle einfach nur helfen.

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