2. Chance auf 1. Ausbildung: «Ohne Diplom kommt man in der Schweiz nicht weit»
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2. Chance auf 1. Ausbildung«Ohne Diplom kommt man in der Schweiz nicht weit»

Eine Stiftung ermöglicht es 50 Erwachsenen im Kanton Bern, eine Erstausbildung abzuschliessen. Valérie Clerc (39) hat beim Pilotversuch mitgemacht.

von
Annina Häusli

Valerie Clerc erzählt, wie ihr das Projekt geholfen hat. (Video: aha)

Nach einem erfolgreichen Pilotversuch geht das Projekt 2. Chance auf eine 1. Ausbildung in die zweite Runde. Die Stanley Thomas Johnson Stiftung bietet mit Unterstützung des Kantons Bern 50 Erwachsenen die Möglichkeit, eine Erstausbildung zu absolvieren und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Nach der Schule andere Pläne

Valérie Clerc ist eine der Erwachsenen, die am 2016 lancierten Pilotprojekt teilgenommen hat. Dank der Stiftung kann sie nun eine kaufmännische Ausbildung mit einem Diplom abschliessen. «Ohne die finanzielle und auch organisatorische Unterstützung durch die Stiftung hätte ich keine Erstausbildung absolvieren können», ist die 39-Jährige sicher.

«Für mich kam eine Lehre nach Abschluss der 9. Klasse einfach nicht in Frage», erinnert sich Clerc, als 20 Minuten sie an ihrem Arbeitsplatz, dem Alterszentrum Domicil Baumgarten in Bümpliz trifft. «Ich habe damals die Chance bekommen, in den USA Hunde auszubilden und diese ohne zu zögern gepackt.» Ganz ausgewandert sei sie aber nie – wegen dem Visum sei sie immer wieder zurück in die Schweiz gekommen.

Vielseitig begabt und interessiert

Sie habe viele verschiedene Dinge in ihrem Leben gemacht, so Clerc: Als kaufmännische Angestellte in einem Übersetzungsbüro, Pferdeimporteurin und -verkäuferin, Fotografin und als selbstständige Unternehmerin habe sie bereits gearbeitet. «Jetzt weiss ich aber, dass ich als Sozialpädagogin arbeiten will», erklärt Clerc. Für ihre Wunschausbildung aber braucht sie erst einen Abschluss. «Da spielt es keine Rolle, was ich bisher geleistet habe», bedauert Clerc. «Ohne Diplom kommt man in der Schweiz nicht weit.»

Valérie Clerc hat drei Kinder im Schulalter. «Da können wir es uns nicht einfach leisten, dass ich nichts oder nur einen Lehrlingslohn verdiene.» Genau deshalb sei sie über die finanzielle Unterstützung der Thomas Stanley Johnson Stiftung sehr froh: «So kann ich mich voll auf meine Ausbildung fokussieren.»

Es braucht Motivation und Durchhaltewillen

Dank der Stiftung hat sie ein kaufmännisches Praktikum gefunden, mit dem sie sich auf die KV-Abschlussprüfung vorbereiten kann. Daneben besucht sie an drei Tagen pro Woche die Berufsschule. «Ich kann jedem nur empfehlen, sich zu bewerben. Ich hatte selbst nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden, doch wenn man motiviert ist, endlich ein Diplom in den Händen halten zu wollen, dann hilft dieses Projekt ungemein», so Clerc.

Bedingungen

Eine Aufnahme in das Projekt ist an diverse Bedingungen geknüpft. So müssen die Bewerbenden älter als 25 Jahre sein, im Kanton Bern wohnen und nicht über genügend Geld verfügen, um die Ausbildung selbst zu finanzieren.

Die Teilnehmenden werden individuell beraten und bei Bedarf auch während der Ausbildung gecoacht. Je nach Bildungsweg, Lebens- und Arbeitssituation werden sie durch die Stiftung finanziell unterstützt. Die Bewerbungsfrist läuft bis Anfang Februar. (sda)

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