Abstimmung BL: «Ohne Gegenvorschlag hätten wir gewonnen»

Aktualisiert

Abstimmung BL«Ohne Gegenvorschlag hätten wir gewonnen»

SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser kämpfte für den Dialekt in Basler Kindergärten – er und das Initiativkomitee mussten eine hauchdünne Niederlage einstecken.

von
Adrian Jäggi

222 Stimmen machten am Ende den Unterschied. Sind Sie enttäuscht?

Es ist ein hauchdünner Entscheid des Volkes, den es zu akzeptieren gilt.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Nein. Wir hatten und haben gute Argumente. Ohne Gegenvorschlag hätten wir die Abstimmung gewonnen. Wir blicken nach vorne. Wir kämpfen weiter für erstklassigen Unterricht in Dialekt und Standarddeutsch.

Wie wollen Sie das machen?

Jetzt sind Regierung, Erziehungsrat und so weiter am Zug. Ich erwarte ein Konzept zur Umsetzung des Gegenvorschlags. Als Grossrat werde ich mit allen mir zur Verfügung stehenden parlamentarischen Mitteln daran mitarbeiten, dass den Kindern Dialekt und Standarddeutsch gleich hochwertig vermittelt werden.

Ihnen ist also nicht Angst und Bange um den Dialekt?

Kommt drauf an. Es geht bei der Umsetzung primär um die Qualität, nicht um die Quantität des Dialektgebrauchs im Kindergarten. Wichtig ist, dass der Dialekt in seiner Vielfalt gelebt und dadurch die Sprachsensibilität, ja das Sprachmusikgehör entwickelt wird. Das kommt später den Kindern beim Lernen aller Sprachen zugute.

Ja zur Auslagerung der Spitäler

Die Auslagerung der ­Spitäler in öffentlich-rechtliche Anstalten wurde gestern mit über 55 Prozent vom Volk gut­geheissen. Gewerkschaften und linke Parteien hatten gegen den Grossratsbeschluss das Referendum ergriffen. Sie fürchten eine Verschlechterung der Anstellungsbedingungen der über 6000 Spitalangestellten und ­bekräftigten gestern noch einmal, dass sie die weitere Entwicklung genau beobachten werden. Die bürgerlichen Parteien hatten sich für die Vorlage starkgemacht. Die in den meisten Kantonen schon vollzogene Ausgliederung tritt ­gemeinsam mit der neuen Spitalfinanzierung des Bundes auf den 1. Januar 2012 in Kraft.

Linke gewinnen Richterwahlen

Die linken Parteien haben gestern bei den kantonalen Gerichtswahlen fast auf der ganzen Linie abgeräumt. So wurden alle ihre Kandidaten für das Appellationsgericht gewählt. Christian Hoehnen, Claudius Gelzer, Eva Christ und Olivier Steiner amten neu als Präsidenten. Bei der Wahl zum Zivilgerichtspräsidenten schaffte hingegen nur SP-Grossrätin Anita Heer das absolute Mehr. Die Kandidaten für den verbleibenden Sitz müssen in einem zweiten Wahlgang nochmals gegeneinander antreten.

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