Reto Berra: Ohne Groll das NHL-Abenteuer beendet
Aktualisiert

Reto BerraOhne Groll das NHL-Abenteuer beendet

Mit seinem Shutout hat Reto Berra den Grundstein zum 2:0 gegen die Slowakei an der WM in Kopenhagen gelegt. Das Thema NHL hat der Zürcher indes definitiv abgehakt.

von
Marcel Allemann
Kopenhagen
1 / 25
Torhüter: 20 Reto Berra (Anaheim Ducks).

Torhüter: 20 Reto Berra (Anaheim Ducks).

Keystone/Christian Beutler
Torhüter: 63 Leonardo Genoni (Bern).

Torhüter: 63 Leonardo Genoni (Bern).

Keystone/Peter Schneider
Torhüter: 62 Gilles Senn (Davos).

Torhüter: 62 Gilles Senn (Davos).

Keystone/Alexandra wey

«Dass ich mit der Mannschaft und auch persönlich einen so guten Start haben konnte, ist schon wichtig für mich. Speziell wenn man das ganze Jahr weg war, sind zu Beginn die Augen immer auf dich gerichtet. Ich fühle mich wirklich sehr wohl und bin gut in Form. So gute Statistiken wie in dieser Saison hatte ich während meiner ganzen Zeit in Nordamerika nie», sagt Reto Berra, der zuletzt bei Anaheim unter Vertrag stand.

Die spezielle Beziehung zu Leonardo Genoni

Dazu, dass er sich so wohl fühlt, trägt sicher auch bei, dass es für Berra einfach passt, wenn er zusammen mit Leonardo Genoni, der gegen Österreich (3:2 n. V.) ebenfalls überzeugte, das Goalie-Duo in der Nati bilden kann. «Wir kennen uns schon so lange und unterstützen uns gegenseitig, es ist natürlich und echt zwischen uns.» Das sei schon etwas anderes als in der NHL, wo das Konkurrenzdenken viel grösser sei. «Ich freue mich jeweils riesig, wenn Leo einen tollen Match hat. Wir sind hier, um gemeinsam Erfolg zu haben.»

In den letzten fünf Jahren hat Berra versucht, sich in der NHL fest zu beissen. Er war bei den Calgary Flames, den Colorado Avalanche, den Florida Panthers und zuletzt den Anaheim Ducks. Zwischenzeitlich war er auf gutem Weg, doch in den letzten drei Jahren war sein Hauptbetätigungsfeld die AHL. «Ich hatte sicher auch etwas Pech, als es mir in meinem dritten NHL-Jahr, damals in Colorado, sehr gut lief, ehe mich eine Fussverletzung zurück warf.»

«Lieber in der Schweiz Verantwortung übernehmen, als in der AHL spielen»

Nun hat der Bülacher die Konsequenzen gezogen. Auf die nächste Saison hin, kehrt er definitiv zurück und tritt mit einem Jahr Verspätung (2017 machte er noch von einer NHL-Klausel Gebrauch) seinen Vertrag bei Fribourg an. «Ich bin jetzt 31 und möchte lieber eine grosse Verantwortung in der Schweiz haben, als noch weiter in der AHL zu spielen. Ich freue mich wirklich auf Fribourg, es wurden ja noch zwei, drei gute Transfers getätigt», so Berra.

Groll, dass seine Beharrlichkeit nicht für mehr als 76 NHL-Spiele ausgereicht hat, verspürt er keinen: «Ich will nicht jammern. Ich habe ein schönes Leben, mir geht es sehr gut und meinen Traum habe ich verwirklicht. Und wäre ich der Super-Goalie in der NHL geworden, dann hätte ich vieles anderes, das ich in den letzten Jahren erleben konnte, nicht erlebt.»

Er hätte in Nordamerika bleiben können, wenn er gewollt hätte. «Und vielleicht hätte ich es auch nochmals geschafft, die Nummer 2 zu werden und auf meine NHL-Spiele zu kommen. Doch auch dies wäre nicht einfach geworden, denn es stossen viele gute, junge Goalies nach.»

«Wir müssen uns von Spiel zu Spiel steigern»

An der WM steht als nächstes das schwierige Spiel gegen Tschechien an. Ob Berra nach seinem Shutout im Tor bleibt oder Genoni, der gemäss dem eingeschlagenen Turnus wieder an der Reihe wäre, spielen wird, verrät Nationaltrainer Patrick Fischer der Öffentlichkeit jeweils erst am Matchtag.

Für Berra ist jedoch so oder so klar: «Gegen die Tschechen müssen wir nochmals eine Schippe drauf legen. Es ist ohnehin wichtig, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern, denn einfacher wird es nicht. Gut wäre, wenn es jedem gelingt, ein kleines Detail in seinem Spiel von Tag zu Tag noch besser zu machen.» Gelinge dies, dann müssten sie sich hier in Kopenhagen vor keinem Gegner fürchten.

Deine Meinung