Aktualisiert 04.03.2011 12:52

Vermisste Zwillinge

Ohne Kindersitz und Kleider nach Marseille

Der Fall der entführten Zwillingsmädchen bleibt mysteriös: Der Vater liess Kleider und Kindersitze zurück. Am Nachmittag will die Familie informieren.

von
Antonio Fumagalli

Die ungeklärten Fragen rund um den Entführungsfall von Alessia und Livia bleiben auch am neunten Tag zahlreich: Wollte der Vater Matthias S., der sich in der Nacht auf Freitag im süditalienischen Cerignola das Leben genommen hat, mit dem Kauf von drei Fährtickets von Marseille nach Korsika eine falsche Fährte legen? Haben die Zwillingsmädchen die Schweiz womöglich gar nie verlassen? Für diese Hypothese spricht, dass der Vater am Wohnort sowohl die Kleider von Alessia und Livia als auch deren Kindersitze zurückliess – als beabsichtige er gar nicht, seine Töchter auf eine längere Reise mitzunehmen. Dennoch weitete die Polizei am Dienstagmorgen die Suche auch in Apulien aus: Hundeeinheiten und Polizeihubschrauber suchten das Gebiet rund um die Autobahn ab, die zur Kleinstadt Cerignola führt. Zudem schliessen die Fahnder nicht aus, dass Matthias S. via Sardinien nach Apulien gelangte. Die Untersuchungen wurden deshalb auch auf die Insel ausgeweitet.

«Wir glauben noch immer an ein einigermassen versöhnliches Ende der Geschichte, die Hoffnung schwindet aber mit jeder Stunde», sagt Roberto Mestichelli, Cousin der Zwillingsmutter, gegenüber von 20 Minuten Online. Er bekräftigt, dass er – entgegen einschlägiger Medienberichte – die Arbeit der Schweizer Polizei keinesfalls kritisiere. «Sie können sich vorstellen, dass unsere Familie äusserst schwere Stunden erlebt. Ich würde es mir aber nie anmassen, die Arbeit der Behörden in Frage zu stellen. Stellen Sie dies bitte richtig», so der Anwalt aus dem mittelitalienischen Ascoli Piceno.

Auf Fähre nicht gesichtet

Das Fährunternehmen La Méridionale, bei welchem Matthias S. am Montag die drei Tickets für die Überfahrt nach Korsika kaufte, hat gestern Abend alle potenziell betroffenen Seeleute zum Fall befragt: «Zwei Matrosen haben Matthias S. noch am Hafen erkannt. Dies heisst aber nicht, dass er dann tatsächlich auch ins Schiff stieg», sagt Generaldirektor Marc Reverchon auf Anfrage. Die beiden Mädchen seien hingegen weder am Hafen noch auf dem Schiff gesichtet worden.

Die Waadtländer Polizei gibt sich derweil bedeckt: «Zu unseren Angaben von gestern können wir derzeit nichts hinzufügen», sagt die Polizeisprecherin. Auch in Frankreich weiss man nicht mehr zu berichten: «Die Ermittlungen dauern an, derzeit können wir keine zusätzlichen Informationen geben», heisst es aus dem Büro des zuständigen Staatsanwalts. Bei der Polizei im korsischen Ajaccio ist der verantwortliche Polizeikommandant «den ganzen Tag abwesend und nicht zu sprechen».

Die Familie der entführten Zwillinge will heute um 14 Uhr vor die Medien treten. 20 Minuten Online ist vor Ort.

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