Aktualisiert 21.03.2019 16:35

Frauen belästigt«Ohne Pfefferspray gehe ich nicht aus dem Haus»

Mitten am Nachmittag auf offener Strasse belästigen Männer in Luzern junge Frauen. Zwei Betroffene erzählen, was ihnen passiert ist. Und was es in ihnen auslöst.

von
mik
1 / 4
Beim Kreuzstutz in Luzern verfolgte ein Mann eine Frau, die aus dem Bus stieg.

Beim Kreuzstutz in Luzern verfolgte ein Mann eine Frau, die aus dem Bus stieg.

Google Maps
An dieser Bushaltestelle stieg die Frau aus. Der Mann folgte ihr. Sogar dann noch, als sie extra die Richtung wechselte.

An dieser Bushaltestelle stieg die Frau aus. Der Mann folgte ihr. Sogar dann noch, als sie extra die Richtung wechselte.

Google Street View
Der zweite Fall ereignete sich am Kasernenplatz in der Unterführung.

Der zweite Fall ereignete sich am Kasernenplatz in der Unterführung.

Google Street View

«Ich war im Bus und da war ein Mann, von dem ich mich beobachtet gefühlt habe. Er stieg an der gleichen Haltestelle wie ich aus», sagt eine Leser-Reporterin*. Die Haltestelle befand sich in Luzern am Kreuzstutz. «Normalerweise bin ich nicht ängstlich, aber da hatte ich einfach ein komisches Gefühl. Der Mann folgte mir. Ich wechselte die Richtung, um zu schauen, ob ich mich irre. Er wechselte ebenfalls die Richtung. Ich lief also schneller und hängte mich an eine Frau mit Kind. Erst das schien ihn abzuschrecken und er verschwand hinter einem Haus.» Anzeige habe die junge Frau nicht erstattet. «Es ist ja nichts passiert und wahrscheinlich würde man mich für paranoid halten», fürchtet sie.

«Ich schlug ihm den Arm weg, die Männer lachten»

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Eine weitere Leser-Reporterin* schildert einen Fall, wo gar körperliche Gewalt im Spiel war. «Ich wurde in einer Unterführung nahe der Luzerner Altstadt beim Kasernenplatz von drei Männern bedrängt. Einer drückte mich an die Wand.» Sie liess sich dies aber nicht bieten: «Ich schlug ihm den Arm weg, die Männer lachten daraufhin. Dann bin ich weggerannt.»

«Seit diesem Vorfall gehe ich nicht mehr ohne Pfefferspray aus dem Haus», sagt die Frau. Grundsätzlich fühle sie sich im idyllischen Luzern sicher. «Trotzdem bin ich nicht so gerne nachts alleine unterwegs. Es kann überall was passieren.»

Sexuelle Belästigung hat zugenommen

Die Polizei nimmt solche Fälle ernst. «Wir erhalten immer wieder Hinweise von Personen, die eine verdächtige Wahrnehmung melden, weil sie sich unwohl oder verfolgt fühlen – sowohl tagsüber wie auch nachts», sagt Kommunikationschef Christian Bertschi von der Luzerner Polizei. Die Statistik zeige, dass es 2018 eine Zunahme von sexueller Belästigung gab gegenüber dem Vorjahr.

Die Polizei empfiehlt Frauen in solchen Situationen, möglichst schnell auf sich aufmerksam zu machen. «Es geht darum, dass man nicht mehr alleine ist», sagt Bertschi. Wenn die Möglichkeit besteht, solle man sofort die Polizei unter 117 anrufen. Im Bus könne man bei Belästigungen den Chauffeur informieren, der via Leitzentrale die Polizei aufbieten kann. Oder man könne andere Passanten um Beistand bitten.

Die Polizei nehme keine Frauen als paranoid wahr, die sich melden. Im Gegenteil, sagt Bertschi: «Lieber einmal zu viel melden als zu wenig. Wir nehmen jeden Hilferuf ernst. Es kann sogar sein, dass bei Vorfällen, die uns nicht gemeldet werden, mutmassliche Täter im Spiel sind, die polizeibekannt sind. Und je mehr Hinweise wir zu solchen Personen haben, desto besser können wir ermitteln.»

Besseres Sicherheitsgefühl

Derweil rüsten sich viele Frauen mit Pfefferspray aus: «Wir verkaufen täglich Pfefferspray an Frauen und Männer, aber schon mehrheitlich an Frauen», sagt Martin Küng, Inhaber von Stampfli Waffen in Luzern. «Es ist legal und das Effizienteste für ein besseres Sicherheitsgefühl. Ich kann es nur jedem empfehlen.»

*Namen der Redaktion bekannt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.