Schläge: Ohne Prügelstrafe gibt es weniger Jugendgewalt
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SchlägeOhne Prügelstrafe gibt es weniger Jugendgewalt

In Ländern, in denen es verboten ist, Kinder zu schlagen, sind Schlägereien unter Jugendlichen seltener. Besonders bei Mädchen.

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jcg
FCZ-Ultras und GC-Fans gehen im Frühjahr 2018 bei der Zürcher Hardbrücke aufeinander los. (Archivbild)

FCZ-Ultras und GC-Fans gehen im Frühjahr 2018 bei der Zürcher Hardbrücke aufeinander los. (Archivbild)

Stadtpolizei Zürich

Kinder, die in einer Gesellschaft mit Züchtigungsverbot aufwachsen, erleben eine sicherere Jugend. Das ist das Ergebnis einer Studie, die von 2003 bis 2014 88 Länder miteinander verglich, die entweder ein Verbot, ein Teilverbot oder gar keine Gesetze gegen elterliche Schläge kennen. Demnach erfahren in Ländern, die ein Verbot kennen, Jungen 42 Prozent und Mädchen 69 Prozent weniger Schlägereien oder andere Formen der Jugendgewalt als in Ländern ohne Regelung.

In 31 untersuchten Länder galt ein totales Züchtigungsverbot, in 20 gab es keine entsprechenden Gesetze. 38 Länder hatten ein Teilverbot. Dazu gehört die Schweiz. Hier wurde zwar das Recht der Eltern, ihre Kinder zur Erziehung körperlich zu züchtigen, 1978 abgeschafft. Ein ausdrückliches Verbot existiert aber bis heute nicht. In den Ländern mit Teilverbot konnten die kanadischen Forscher nur bei den Mädchen ein Minus von 56 Prozent verglichen mit Ländern ohne Gesetz feststellen, wie sie im Fachjournal «BMJ Open» schreiben.

Hinweis auf die Wirksamkeit von Verboten

Die Forscher halten fest, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie können nicht sagen, ob Züchtigungsverbote an sich zu einem besseren Verhalten führen oder ob Schläge und Jugendgewalt in Ländern, die Verbote erlassen haben, sowieso schon seltener waren. Für Dirk Baier, den Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der ZHAW, der nicht an der Studie beteiligt war, liefert die Untersuchung trotzdem einen Hinweis auf die Wirksamkeit gesetzlicher Vorgaben.

So stützt sie laut Baier die Ergebnisse früherer Studien, in denen die Jugendgewalt in einzelnen Ländern vor und nach der Einführung eines Züchtigungverbots verglichen wurde. Diese Analysen hätten gezeigt, dass die Einführung eines Züchtigungsverbots mit einem Rückgang der Gewalt in der Erziehung verbunden ist. Unzählige Studien weltweit seien zudem zum Ergebnis gekommen, dass elterliche Gewalterfahrungen das Risiko nachweisbar erhöhen, dass Kinder selbst Gewalt ausüben. Für Baier sollte deshalb «ein Verbot der elterlichen Züchtung gesetzlich verankert werden – auch in der Schweiz».

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