22.08.2019 08:21

ÖV verliert Anteile

«Ohne Road-Pricing bleibt Autofahren attraktiv»

Der öffentliche Verkehr verliert Marktanteile. Der Verkehrsexperte Rolf Steinegger rechnet nicht damit, dass sich das ändert.

von
ehs
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Der ÖV in der Schweiz verliert an Marktanteilen – auf Kosten des Autos. Das zeigen neue Zahlen, die der Informationsdienst Litra veröffentlicht hat.

Der ÖV in der Schweiz verliert an Marktanteilen – auf Kosten des Autos. Das zeigen neue Zahlen, die der Informationsdienst Litra veröffentlicht hat.

Keystone/Gaetan Bally
Zwar steigt die Zahl der Kilometer, die per Bahn, Bus, Tram oder Schiff zurückgelegt werden. Doch noch stärker ist das Wachstum bei den Kilometern, die im privaten Auto gezählt werden.

Zwar steigt die Zahl der Kilometer, die per Bahn, Bus, Tram oder Schiff zurückgelegt werden. Doch noch stärker ist das Wachstum bei den Kilometern, die im privaten Auto gezählt werden.

Keystone/Gaetan Bally
Im Jahr 2017 wurden knapp 135'000 Millionen Kilometer mit dem ÖV, zu Fuss, auf dem Velo oder im Privatauto zurückgelegt. Der Anteil des ÖV betrug 19,2 Prozent – 3,1 Prozentpunkte weniger als 2010.

Im Jahr 2017 wurden knapp 135'000 Millionen Kilometer mit dem ÖV, zu Fuss, auf dem Velo oder im Privatauto zurückgelegt. Der Anteil des ÖV betrug 19,2 Prozent – 3,1 Prozentpunkte weniger als 2010.

Keystone/Ennio Leanza

Neue Zahlen des Informationsdiensts Litra belegen: Obwohl immer mehr Kilometer im öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden, verlieren Bahn, Bus und Tram Marktanteile. Der grösste Teil des Wachstums wird vom Auto übernommen (20 Minuten berichtete). Warum das so ist und wieso sich das nicht so schnell ändern dürfte, sagt der Verkehrsexperte Rolf Steinegger.

Herr Steinegger, der Anteil des ÖV ist in den letzten Jahren gesunken. Wieso?

Ich vermute, dass die gestiegenen ÖV-Preise einen dämpfenden Einfluss haben. Die verkehrs- und raumplanerische Vernunft sprechen aber für eine Priorisierung der effizienteren Verkehrsmittel – und das ist der ÖV, nicht das Auto.

Wie könnte das erreicht werden?

Wie sich der Verkehr entwickelt, ist abhängig vom Angebot. Gibt es neue Strassen, wird mehr Auto gefahren. Gibt es neue Zug-, Tram und Busverbindungen, steigt der ÖV-Anteil.

Der ÖV wird ausgebaut, dafür werden Milliarden investiert. Reicht das nicht?

Natürlich bringt das längerfristig etwas, aber gleichzeitig wird auch der Strassenverkehr ausgebaut. Auch für ihn wurde ein milliardenschwerer Fonds geschaffen. Es gibt zwei Geldflüsse, die munter weitersprudeln. Eine Priorisierung des ÖV durch die Politik ist nicht sichtbar, die Entwicklung scheint ungesteuert.

Schon heute wird der ÖV stark subventioniert. Soll der Steuerzahler noch mehr Geld investieren?

Der ÖV und das Autofahren werden beide stark subventioniert. Jede Gemeindestrasse und die Folgekosten etwa in Form von Umweltschäden, Unfällen oder Lärmschäden werden vom Steuer- oder Prämienzahler bezahlt. Solange es kein Road-Pricing gibt, bleibt Autofahren finanziell attraktiv.

Rolf Steinegger

Steinegger ist Dozent für Verkehrssysteme und Aviatik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

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