«Blind» gefahren: Ohne Scheibenwischer unterwegs

Aktualisiert

«Blind» gefahrenOhne Scheibenwischer unterwegs

Trotz eines defekten Scheibenwischers ist ein Autolenker aus Brüttisellen im strömenden Regen durch Zürich und über ein Rotlicht gefahren. Vor Gericht machte er vergeblich einen Schock geltend.

von
Attila Szenogrady

Die lebensgefährliche Fahrt ereignete sich am vergangenen 21. März. Damals fuhr der heute 24-jährige Kundendienstberater aus Brüttisellen mit seinem Personenwagen in den frühen Morgenstunden nach Zürich. Petrus meinte es nicht gut mit dem Angeklagten und liess es kräftig regnen.

«Blind» Rotlicht überfahren

Um 5.25 Uhr kam es für den Lenker noch schlimmer. Kurz vor dem Bucheggplatz setzten plötzlich die Scheibenwischer aus. Da er plötzlich nichts mehr sah, folgten dramatische Augenblicke. Verzweifelt versuchte der Autohalter den Motor des Scheibenwischers wieder in Gang zu setzen. Vergebens. So bewegte er sich «blind» weiter und überfuhr bei der Verzweigung zur Rötelstrasse prompt ein bereits seit über zwölf Sekunden eingestelltes Rotlicht. Kurz darauf missachtete er auch die Einfahrt zu einem Kreisel und hielt erst danach kurz an, um die Scheiben abzuwischen. Dann setzte er die Fahrt trotz der massiv behinderten Sicht erneut fort und stellte sein defektes Fahrzeug 300 Meter weiter auf einem Parkplatz ab.

Laut Anklage ein grobes Verkehrsdelikt

Da eine Radaranlage die Missachtung des Rotlichts festgehalten hatte, kam es in der Folge zu einer Strafuntersuchung. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat erhob im letzten Juli Anklage und ging aufgrund einer hohen Unfallgefahr von einem groben Verkehrsdelikt aus. Der Strafantrag lautete auf eine bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 110 Franken sowie auf eine zu bezahlende Busse von 500 Franken.

Freispruch wegen Schockzustand verlangt

Am Freitag musste sich der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten und gab den Ablauf der Ereignisse unumwunden zu. Trotzdem liess er seinen Rechtsanwalt auf einen vollen Freispruch plädieren. Der Verteidiger machte rechtfertigende Gründe geltend. So in erster Linie einen Schockzustand seines Klienten zur Tatzeit. So sei dem Lenker in dieser Schreckenssituation nicht möglich gewesen, das Fahrzeug früher anzuhalten, plädierte er. Somit liege kein rücksichtsloses Verhalten vor.

Früher anhalten sollen…

Das Gericht vertrat eine andere Sicht. Schon während der Befragung zur Sache hatte die Einzelrichterin den Angeklagten darauf hingewiesen, dass die Scheibenwischer bereits 120 Meter vor der Ampel ausgefallen seien. Der Lenker hätte früher anhalten sollen, begründete sie den Schuldspruch. Nicht nur wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln, sondern auch wegen des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs. Bei der Strafzumessung kam das Gericht dem Angeklagten aufgrund eines nur leichten Verschuldens entgegen. Es setzte eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse von 300 Franken fest. Allerdings wurden dem Zürcher Unterländer die Gerichtskosten von mindestens 1500 Franken auferlegt. Zudem muss er infolge dieses Urteils mit einem Entzug seines Führerausweises rechnen.

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